Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Genesis 3, 16.17a.18.19
14.11.2007
Kirche Aarau
Pfr. Th. Bunz
Synode-Gottesdienst


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Genesis 3, 16.17a.18.19

Da sprach der Herr, Gott, zur Frau:
Ich mache dir viel Beschwerden
und lasse deine Schwangerschaften zahlreich sein,
mit Schmerzen wirst du Kinder gebären.
Nach deinem Mann wirst du verlangen,
und er wird über dich herrschen.

Und zum Mann sprach er:
Verflucht ist der Erdboden um deinetwillen,
mit Mühsal wirst du dich von ihm nähren dein Leben lang.
Dornen und Disteln wird er dir tragen,
und das Kraut des Feldes wirst du essen.
Im Schweiss deines Angesichts
wirst du dein Brot essen,
bis du zum Erdboden zurückkehrst,
denn von ihm bist du genommen.
Denn Staub bist du,
und zum Staub kehrst du zurück.



Lied 734 Dass Erde und Himmel dir blühen

Dass Erde und Himmel dir blühen,
dass Freude sei größer als Mühen,
dass Zeit auch für Wunder, für Wunder dir bleib
und Frieden für Seele und Leib!

Liebe Synodale,

so ein Lesungstext für den Gottesdienst zur Synode-Eröffnung: da werden Sie sich schon gewundert haben.

Aber um so stärker war – so hoffe ich – der Kontrast zum Text des Liedes, das wir sodann gesungen haben.

Der Lesungstext ist Gottes Wort. Die Bibel.
Das Lied ist von einem Menschen geschrieben.

Die Bibel ist auch von Menschen geschrieben, aber diese haben mit diesen Worten aufgeschrieben, was sie als Gottes Wort glaubten.


So betrachtet ist auch das Lied Gottes Wort.
Der Texter hat ebenfalls aufgeschrieben, was er von Gott glaubt – oder besser: was er von Gott erwartet.


Das Lied ist ein Wunsch.
Erwartungen sind Wünsche.


Wenn nun die Bibel das ist, was Menschen aufgeschrieben haben, weil sie es mit Gott erlebt haben, so ist der Lesungstext Realität.

Und wenn wiederum das Lied nur ein Wunsch ist,
dann ist das Lied die Hoffnung.

Eine Realität, die so grausam ist, wie sie in eben diesem Lesungstext geschildert wird,
die braucht erst Recht eine Hoffnung, aus der sie Kraft schöpfen kann.
Eine Hoffnung, die solches wünscht, wie dieses Lied:

Dass Erde und Himmel dir blühen,
dass Freude sei größer als Mühen,
dass Zeit auch für Wunder dir bleibt
und Frieden für Seele und Leib.




Es bleibt die Frage:
Warum dieser Lesungstext für die Synode?

Ich sag’s Ihnen:
Ich wollte einen Kontrast.

Ich wollte einen Kontrast zu dem Lied.
Denn das Lied hatte ich zuerst ausgesucht.


Das Lied steht im Gesangbuch unter der Rubrik „Geburtstag“.
Mit diesem Hinweis denke ich bei den Mühen, von denen im Lied die Rede ist, sofort an die Mühen bei einer Schwangerschaft und bei einer Geburt.

Wie gross ist die Freude darüber, dass ein Kind im Bauch heranwächst. Wie sorgenvoll jeder Besuch bei der Frauenärztin – jedes mal die Sorge, es könnte etwas Abnormales entdeckt werden.


Wie schmerzerfüllt ist die Geburt selber – die Schreie im Gebärsaal, die aus der Kehle der Gebärenden erschallen ... das schwere Stöhnen ...
welch ein Kontrast dazu die aufmunternden Worte der Hebamme.

Wie gross ist die Sorge bei beiden – bei der Frau wie bei dem Mann – wenn dieser Weg gar nicht möglich ist:
wenn die Geburt auf natürlichem Wege nicht klappen will.
Wenn die Wehen nicht einsetzen und auch die besten Ratschläge und Heilmittel nichts nützen?

Wie gross die Hoffnung, der medizinische Eingriff im OP werde für Erlösung, werde für gesundes Leben sorgen.



Hier gehört dieses Lied für mich hin:
Der Wunsch, die Freude möge größer sein, als die Mühen.

Die Freude ist größer, wenn das Kind dann mal da ist.
Die Freude ist größer, wenn man das kleine schreiende Bündel im Arm hält – wenn man erleben darf, wie es zum ersten mal das grelle Licht erblickt, zum ersten mal einen kalten oder warmen Luftzug spürt, zum ersten mal tatsächlich die streichelnde Hand am Kopf erleben kann, die bisher nur auf dem Bauch der Mutter gelegen hat.

Dann ist die Freude größer, als alle Mühen zuvor.

Hier gehört dieses Lied für mich hin.


Und dann gehört da eben auch dieser Text aus dem Buch Genesis hin, in dem Gott so deutlich und so direkt eben diese Qualen für die schwangere und gebärende Frau ankündigt.

Der Bibeltext ist Realität – Gottes Wort erlebt und notiert.
Brutal und eindeutig.


Wenn ich als Mann von Geburtswegen und Gebären spreche, dann rede ich natürlich wie der Blinde von der Farbe.

Aber das Erleben, dass echtes Engagement auch Mühen und Qualen mit sich bringen kann, das kenne ich sehr wohl auch.

Und ich habe extra nicht nur den Abschnitt aus der Bibel ausgewählt, in dem der Frau die Qualen angekündigt werden, sondern ich habe die Mühen für den Mann bewusst mit ausgewählt.

Und ich habe mir gedacht: Ja, dieser Text passt auch in einen Gottesdienst zur Eröffnung der Synode.


Weil die Mitarbeit in einer solchen Synode ja hier und da auch etwas mit Qualen und Mühen zu tun hat – vielleicht sogar manches Mal vergleichbar mit Geburtswehen.
Und dann kommt als Ergebnis etwas anderes heraus, als alle dachten – da wird es doch ein Mädchen, obwohl es doch so sehr nach Junge aussah. Und dann ist kein Referendum möglich.


Weil man sich als Synodaler plötzlich mit Dingen beschäftigen soll, von denen man genau genommen gar keine Ahnung hat – oder so viel Ahnung, wie der Vater von Wehen.

Wie soll ich den Wert einer Immobilie einschätzen?
Wie soll ich eine Immobilie wert schätzen?
Und dann muss ich von Gemeindegliedern hören, welchen Wert gerade diese Immobilie gerade für dieses Gemeindeglied hat – und dass sie alles andere als nur eine Immobilie ist: Ein Kraftort – oder ein Fass ohne Boden.


Da rede ich auch wie der Blinde von der Farbe.

Oder denke ich an die Kirchenpflegen:
Da muss man sich stundenlang ganze Abende bis tief in die Nacht mit dem Kollektenplan beschäftigen, mit Gottesdienst-Zeiten, mit den Tarifen für die Miete der Küche im Kirchgemeindehaus – mit oder ohne Geschirrspüler.

Da muss man sich von den Predigtbesuchern fragen lassen, warum noch immer keine neuen Sitzkissen angeschafft wurden und wieder bricht die Diskussion aus über Einzelkissen oder Bankpolsterung, in Natur oder in Farbe und am besten diese und nicht jene.
--
Und welche sind eigentlich am besten zu reinigen, wenn wieder jemand inkontinent ist?



Mal ehrlich: Sie kennen das, oder?
Sie kennen diese Mühen und könnten noch viele Berichte anfügen, oder?

Ich hab das richtig im Ohr, wie es in der Bibel stehen könnte:

Und Gott sprach zum Kirchenpfleger:
Du musst dich mit Planungen und Kleinkram beschäftigen,
musst jeden Radiergummi erkämpfen
und darfst grosszügig das Kirchgemeindehaus renovieren.

Und zu der Synodalen sagte er:
mindestens 5 Stunden wirst du da sitzen und den Diskussionen und Wortbeiträgen folgen
und am Ende wird die Mehrheit entscheiden
egal ob dir das gefällt oder nicht




Der Vergleich beginnt jetzt natürlich zu hinken – das muss ein guter Vergleich aber wohl auch.

Als theologisch versierte Menschen wissen wir ja alle, dass Gott „der Frau“ und „dem Mann“ diese Qualen nicht einfach aus einer sadistischen Laune heraus aufgetragen hat, sondern weil sie von der verbotenen Frucht gegessen haben.

Als Kirchenpfleger oder Synodale dürfen Sie schon auch die Frage stellen, wodurch Sie sich denn diese Qual eingebrockt haben.
Ich bin das tatsächlich auch schon gefragt worden von einem Kirchenpfleger: „Warum tut Gott mir so etwas an?“

Niemand hat natürlich von sich aus gesagt:
„Hier, ich will Kirchenpflegemitglied werden!“

Meistens waren es andere, die einen vorgeschlagen haben.
Der Pfarrer zum Beispiel.
Oder die fromme Frau Bräuer vom Volg vis-a-vis.

Das war in der Bibel auch so:
Der Mann sagt, die Frau war es.
Die Frau sagt, die Schlange war es.

Schade, dass die Schlange nicht reden kann – wäre ja spannend, auf wen sie es schieben würde.

Jedenfalls ist es hinterher ja niemand gewesen.


Nun.
Jetzt sind Sie nun mal dabei und investieren mit viel Elan und Schwung reichlich Zeit und Energie.

Es ist zuweilen mühsam – aber das macht ja nichts, auch Mühen haben irgendwo ihr Gutes, man wächst an den Aufgaben und Gott schickt uns sowieso so manche Prüfung.

Aber jetzt werde ich lächerlich und das will ich nicht.
Was ich aber will: Ermutigen!

Und am liebsten noch einmal das schöne Lied singen:

Dass Erde und Himmel dir blühen,
dass Freude sei größer als Mühen,
dass Zeit auch für Wunder dir bleib
und Frieden für Seele und leib.


Ich glaube, wenn wir nicht ständig mit diesem Wunsch und mit dieser Hoffnung an unsere Aufgaben herangehen würden, dann könnten wir es gleich bleiben lassen.

Und ich glaube, wir können zuversichtlich mit diesem Wunsch und mit dieser Hoffnung an unsere Aufgaben herangehen, weil Gott uns mit all seiner Gnade und Liebe tatsächlich zur Seite stehen wird, damit unsere Freude am Ende größer ist, als alle unsere Mühen.

Gott hat Adam und Eva auch nicht einfach so aus dem Paradies geworfen:
Zunächst hat er ihnen aus Fell Kleidung gemacht.

Und so klein und lächerlich das auch klingen mag,
so wichtig ist doch diese beinahe zärtliche Geste!

Gott schickt uns nicht unvorbereitet auf einen Weg.
Gott versorgt uns mit dem, was wir brauchen.

Das schützt uns zwar nicht vor Qualen und Mühen,
aber es gibt uns die Gewissheit, dass am Ende die Freude größer ist und überwiegen wird.


Und wenn wir uns jetzt noch ein klein wenig Zeit auch für Wunder frei halten, dann werden so wichtige Synode-Traktanden, wie sie auch heute wieder anstehen, doch locker gemeistert.

Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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