Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Römer 12,1-3
10.01.2010
Kirche Bözberg
Pfr. Thorsten Bunz


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Römer 12, 1-3

1 Ich bitte euch nun, liebe Brüder und Schwestern, bei der Barmherzigkeit Gottes: Bringt euren Leib dar als lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer - dies sei euer vernünftiger Gottesdienst!
2 Fügt euch nicht ins Schema dieser Welt, sondern verwandelt euch durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr zu prüfen vermögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.
3 Denn ich sage einem jeden unter euch kraft der mir verliehenen Gnade: Sinnt nicht über das hinaus, was zu sinnen nottut! Seid vielmehr auf Besonnenheit bedacht, jeder, wie Gott ihm das Mass des Glaubens zugeteilt hat.

mit Bezug auf Lied RG 427, 1-3:

Nachdem dein Stern in Betlehem erschienen
wo bleibt dein Licht in unsrer dunklen Zeit?
Was soll uns eine Weihnachtsbotschaft dienen
als Kunde bloss aus der Vergangenheit?

Der Stern, wollt ich mich seinem Licht zuwenden,
müsst über mir am eignen Himmel stehn,
weil dann das Licht, von dem die Schriften künden,
mir helfen würde, meinen Weg zu sehn.

Nachdem die Boten auf dem Felde sangen
vom Frieden Gottes, der auf Erden gilt,
ist all dies nun vergessen und vergangen
in einer Welt, von Hass und Angst erfüllt?

Liebe Gemeinde,

ich kann Weihnachten noch nicht ganz aufgeben. Jetzt sind es zwar schon mehr als 2 Wochen, aber es war ja auch grad erst Epiphanias. Und grad gestern habe ich noch Sternsinger getroffen. Weihnachten ist noch nicht vorbei.
Da kann man auch ruhig noch ein Weihnachtslied singen, so wie das, das wir gerade gesungen haben.

Es ist kein typisches Weihnachtslied - es besingt gar nicht den Holden Knaben mit lockigem Haar,
es besingt auch nicht die Hirten ... nicht direkt jedenfalls.

Dieses Lied ist viel mehr eine Bitte:

Nachdem dein Stern in Bethlehem erschienen,
wo bleibt dein Licht in unsrer dunklen Zeit?
"Was soll uns eine Weihnachtsbotschaft dienen
als Kunde bloss aus der Vergangenheit?"


Dieses Lied ist die Bitte, nach dem Weihnachtsfest möge doch auch noch etwas bleiben von dem, was uns in der Weihnachtsbotschaft zugesprochen wird:

Von dem Licht in unserer dunklen Zeit.


Das jedoch ist oft schwer.
Es ist in unserem Umfeld so schwer, die Weihnachtsbotschaft noch in die dunkle Zeit hineinzuretten.
Wenn Weihnachten erstmal vorbei ist, kommt der Baum weg, die Fenster werden wieder geputzt und in den Laden machen die Lebkuchen Platz für Fastnachtschüechli und Schoko-Osterhasen.

Wie soll ich da noch etwas hinüberretten von der Weihnachtsbotschaft?

Und auch sonst - wie soll ich in dieser Welt das leben, was mir die Weihnachtsbotschaft mitteilen wollte:
Licht in dunkler Zeit.


Der Stern, wollt ich mich seinem Licht zuwenden,
müsst über mir am eignen Himmel stehn,
weil dann das Licht, von dem die Schriften künden,
mir helfen würde, meinen Weg zu sehn.

So singt das Lied.
Soll heissen: Wenn ich schon das Licht von Weihnachten weiter leben soll, dann muss dieses Licht bitteschön auch meinen Weg beleuchten, damit ich weiss, wie ich leben soll.

Aber wie beleuchtet mir dieser Stern den Weg?



Und da kommt unser guter Apostel Paulus ins Spiel.
Mit seinem Brief an die Gemeinde in Rom.
Mit dem klitzekleinen Briefabschnitt, den ich Ihnen soeben vorgelesen habe.

Ich zitiere:
Bringt euren Leib dar als lebendiges, heiliges,
Gott wohlgefälliges Opfer.
Dies sei euer vernünftiger Gottesdienst:
Fügt euch nicht ins Schema dieser Welt,
sondern verwandelt euch durch die Erneuerung eures Sinnes,
dass ihr zu prüfen vermögt, was der Wille Gottes ist:
das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.


Zu deutsch und verständlich:
Lebt so, wie es Gottes Wille ist.
Lebt die Weihnachtsbotschaft: den Frieden Gottes, der auf Erden gilt und von dem die Boten auf dem Felde sangen.


Bringt euren Leib dar als Gott wohlgefälliges Opfer.
Das muss man im Umfeld der politischen und gesellschaftlichen Situation zur Zeit der Abfassung dieses Briefes lesen und hören.
Wir kennen heute solche Opfer-Darbietungen nicht mehr.
Aber damals war es durchaus üblich, Opfer zu bringen, um einen Herrscher für sich einzunehmen.
Mit Jesus ist das gegenüber Gott insofern vorbei, als Jesus selbst sich als Opfer für die Sünden aller zur Verfügung stellt.
Aber dennoch bleibt für die Menschen die Pflicht, sich selbst als Opfer zu geben.

Da das Opfer als kultische Handlung in den Gottesdienst gehört, kann Paulus es auch so schreiben:
Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.

Und dieser Gottesdienst ist nicht der sonntägliche Kirchgang,
sondern dieser Gottesdienst ist das ganze Leben, auch und vor allem ausserhalb der Kirche, im Alltag - dort, wo ich anderen Menschen in der Welt begegne.


Von dieser Welt schreibt Paulus dann auch:

Fügt euch nicht ins Schema dieser Welt.

Als Christen sollt ihr gegen den Strom schwimmen.
Als Christen sollt ihr aufstehen und aufzeigen, wenn etwas in der Welt nicht so läuft, wie es in Gottes Sinne angezeigt wäre.

Als Christen sollen wir Verantwortung für die Schöpfung Gottes übernehmen. Und das kann sehr umfassend verstanden werden:
Die Schöpfung Gottes sind natürlich Pflanzen und Tiere, die Umwelt, die Menschen .... alles, was atmet und lebt. Und alles was wir als leblos und tot erachten.
Dafür Verantwortung zu übernehmen sollte für Christinnen und Christen selbstverständlich sein.
Und damit sollten sie auch herausragen und nicht in das Schema dieser Welt passen.

Dem mag ich zustimmen.
Nur: Eigentlich wäre es ja zu wünschen, dass jedem Menschen bald einmal klar wird: Die Ressourcen auf unserer Erdkugel sind begrenzt.
Es spielt eigentlich keine Rolle, ob du Christ bist oder nicht:
Für uns alle ist Umwelt-Schutz und Ressourcen-Schonung überlebensnotwendig.
Wenn die Schätze dieser Erde einmal zu Ende sind, dann hilft es mir auch nichts, dass ich Christ bin.

Schwimmen wir ruhig gegen den Strom - aber hoffen wir darauf, dass wir bald einmal in Fragen des Umweltschutzes alle wieder in die gleiche Richtung schwimmen.

UND WAS IST MIT MIR?

Umweltschutz - Ressourcen-Schonung.
Wenn ich davon hier auf der Kanzel spreche, dann predigte ich das auch mir persönlich!
Der ganze Fortschritt der Technik begeistert mich.
Ich nutze gern meinen Computer.
Ich geniesse es, für eine Tasse Kaffee nur auf einen Knopf drücken zu müssen.
Und wie gern drücke ich auch auf's Gaspedal, obwohl ich etwas langsamer genauso gut ans Ziel käme - und erst noch umweltschonender.

Das weiss ich alles.

Aber ich will an dieser Stelle nicht gegen den Strom schwimmen. Ich will auch Anteil haben an diesen technischen Errungenschaften.
Wer will es schon kalt haben in der Stube - oder in der Kirche beim Gottesdienst?
Wer will auf die Annehmlichkeiten verzichten, die diese Lautsprecher und Mikrofone bieten?

"Die Christen erkennt man an ihrem Lebenswandel."

Ja, daran soll man uns erkennen.
Daran, dass wir wie verwandelt sind - anders eben als die, die keine Christen sind.

Verwandelt euch durch die Erneuerung eures Sinnes ...
so schreibt es Paulus.

Und in dem Lied, das wir gesungen haben, heisst es

Nachdem die Boten auf dem Felde sangen
vom Frieden Gottes, der auf Erden gilt,
ist all dies nun vergessen und vergangen
in einer Welt, von Hass und Angst erfüllt?

Lass all das, wovon die Engel künden,
jetzt noch einmal und nun an uns geschehn!
so eine Liedstrophe weiter.

Nein, Weihnachten ist noch nicht vorbei.
Weihnachten soll weiter wirken.

Die Botschaft, die uns an Weihnachten kundgetan wird, die soll weiter wirken bis in unseren alltäglichsten Alltag hinein:

Indem wir so leben, dass wir den Frieden Gottes weiter geben.
Indem wir so leben, dass in einer Welt, die von Hass und Angst erfüllt ist, der Frieden Gottes spürbar wird.

Hören wir doch auf die Weihnachtsbotschaft.
Spüren wir doch den Frieden Gottes!

Prüfen wir doch, was der Wille Gottes ist - wie Paulus schreibt:
Das Gute
und Wohlgefällige
und Vollkommene.

Das ist das Licht, das meinen Weg beleuchtet.
Das Licht Gottes.

Meinen Leib als lebendiges Opfer darzubringen,
einen vernünftigen Gottesdienst zu feiern,
wie Paulus das schreibt,
das kann ich, wenn ich mein Leben im Lichte Gottes ausrichte.
Wenn ich in allem, was ich tue, darauf bedacht bin, es in seinem Willen zu tun.

Wenn ich es so tue, dass Gott es als
das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene
ansehen kann.

Das ist das Kriterium!
Diese Kriterium ist aber sehr subjektiv!

Das wissen wir alle aus eigener Erfahrung:
Wir haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wann etwas Gut oder gar Vollkommen ist.
Ich kenne Menschen, die halten nicht einmal Gottes Schöpfung für vollkommen - da gäbe es noch manches zu verbessern.

Doch aus Gottes Sicht mag seine Schöpfung doch vollkommen sein! Vielleicht hat sich Gott gedacht, wenn ich alles bis ins Letzte perfektioniere, dann wird der Mensch sich womöglich noch langweilen.
Aber stattdessen sollte sich der Mensch der Erde annehmen - er sollte Aufgaben übernehmen, um die Erde zu nutzen und zu schützen. Der Mensch soll sich die Erde Untertan machen.
Es brauchte also eine - aus unserer menschlichen Sicht - gewisse Unvollkommenheit, damit überhaupt etwas für mich zu tun bleibt - eine Aufgabe, die Gott mir zuweist!


Das nimmt mich in die Pflicht.
Aber das kann mir auch eine Gelassenheit geben.
Eine Gelassenheit, auch selbst einmal unvollkommen zu sein.
Denn wenn wir ehrlich sind, können wir diesem Anspruch,
gut, wohlgefällig und vollkommen zu leben, in aller Regel gar nicht wirklich genügen.

Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass unser Wert bei Gott davon nicht abhängt.
Mein Wert bei Gott hängt nicht davon ab, dass ich so vollkommen lebe, wie es seinem Willen entspricht.

Aber versuchen sollte ich es!


Fügt euch nicht ins Schema dieser Welt.
Lebt, wie es der Wille Gottes ist:
das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.
So schreibt Paulus. Und weiter:

Denn ich sage einem jeden unter euch kraft der mir verliehenen Gnade: Sinnt nicht über das hinaus, was zu sinnen nottut! Seid vielmehr auf Besonnenheit bedacht, jeder, wie Gott ihm das Mass des Glaubens zugeteilt hat.


Wenn ich jetzt weiter lesen würde im Römer-Text, dann folgt eine Aufzählung, welche verschiedenen Gaben und Aufgaben es gibt. Paulus verwendet dabei das Bild von dem einen Leib und den vielen Gliedern.
Wir wirken alle an dem einen Leib, ein jeder nach seiner ihm zugewiesenen Aufgabe.
Aber darüber will ich heute nicht predigen.

Sondern ich will es auf dieses Mass des Glaubens beschränken.

Ich habe es schon angedeutet: Es gibt unterschiedliche Kriterien, wann etwas vollkommen ist.
Und es gibt unterschiedliche Auffassungen auch darüber, wann etwas im Sinne Gottes ist.

Es gibt Kirchen, die legen ganz genaue Kriterien fest.
Kriterien dafür, woran man erkennen könne, dass jemand das rechte Mass im Glauben hat - dass jemand érichtig' glaubt.

Das geht aber gar nicht!

Beim Männertreff vorgestern Abend hatten wir einen christlichen Liedermacher zu Gast, vielleicht kennen Sie ihn, er war im Herbst auch bei Schweizer Hits im Fernsehen zu hören: Marcel Bürgi.
Er hat uns aus seinem persönlichen Leben sehr persönliches erzählt. Er hat davon erzählt, wie er durch den Glauben an Gott und an Jesus Christus wieder auf die Füsse gekommen ist, nachdem er als junger Mensch über Lügen, Diebstahl und Drogen am Boden gelandet ist.

Es gibt viele solcher Lebensgeschichten: Menschen, die durch Jesus Christus wieder auf den rechten Weg gekommen sind.

Was mir bei Marcel Bürgi aber sehr besonders schien und mich darum auch für diesen Gedanken des Paulus sehr bemerkenswert scheint, möchte ich Ihnen noch sagen:

Marcel Bürgi hat jahrelang nach Gott gesucht. Er hat sich mehrmals öffentlich zu Jesus bekehrt. Aber er sagt, er hat keine Veränderung gespürt.
Und dann hat er sich anschliessend noch schlechter gefühlt, weil doch seine Glaubensgeschwister, die anderen Christen in den jeweiligen Gemeinde, so sehr davon geschwärmt haben, wie ihnen Gott begegnet ist.
Dem Bürgi aber nicht.

Und dann kommen Minderwertigkeitsgedanken:
Bin ich für Gott etwa nicht gut genug?


Was ich sagen will:
Es kann nicht im Sinne Gottes sein, wenn Menschen übereinander so urteilen!
Es kann nicht im Sinne Gottes sein, wenn Menschen übereinander sagen: "Du hast den rechten Glauben - und du bist noch nicht reif...."
Gott sagt uns etwas ganz anderes!
Gott sagt uns: "Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich wohlgefallen!"
Gott sagt uns: "Ich nehme dich an, so wie du bist!"

Und so schreibt es Paulus!

Seid auf Besonnenheit bedacht,
jeder, wie Gott ihm das Mass des Glaubens zugeteilt hat!

Glaube und Lebe deinen Glauben.
Lebe deinen Glauben, so dass andere es sehen und spüren können.

Aber urteile nicht über die Qualität des Glaubens
bei deinem Nachbarn oder Freund.


Das ist die Botschaft dieses klitzekleinen Briefabschnitts,
den Paulus an die Gemeinde in Rom
und an uns heute geschrieben hat.

Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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