Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Matthäus 3,13-17
11.01.2009
Kirche Mönthal
Pfr. Th. Bunz


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Matthäus 3,13-17

Die Taufe Jesu
13 Zu jener Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen. 14 Johannes aber wollte ihn davon abhalten und sagte: Ich hätte es nötig, von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir? 15 Jesus entgegnete ihm: Lass es jetzt zu! Denn so gehört es sich; so sollen wir alles tun, was die Gerechtigkeit verlangt. Da liess er ihn gewähren. 16 Nachdem Jesus getauft worden war, stieg er sogleich aus dem Wasser. Und siehe da: Der Himmel tat sich auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube niedersteigen und auf ihn herabkommen. 17 Und siehe da: Eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

Liebe Gemeinde!

Sie haben eben den Bericht von der Taufe Jesu gehört, wie ihn Matthäus aufgeschrieben hat.
Vor nicht ganz 3 Wochen wurde an dieser Stelle Jesu Geburt berichtet und heute wird er getauft. Natürlich nicht hier in diesem Gottesdienst, wir erzählen ja nur davon.

3 Wochen nach der Geburt ist man noch voller Freude über dieses Wunder. Und man ist dankbar, dass alles gut geklappt hat, dass Mutter und Kind wohlauf sind.

Bei Jesus mag das noch viel stärker so sein, als bei uns: geboren in einem Stall, als Säugling in einer Futterkrippe gebettet - wer möchte sein Kind so eine unsterile Kinderstube bieten?
Aber gross geworden ist Jesus doch…

Die Dankbarkeit der Eltern mag also noch viel grösser sein.
Aber sie drücken diese Dankbarkeit nicht in der Tauffeier aus - für uns ist es 3 Wochen her, dass Jesus geboren ist - nach unserem Predigtplan ist dieser Bericht heute an der Reihe.
Aber Jesus ist bei seiner Taufe bereits fast 30 Jahre alt.

Und dennoch ist dies nach den Geburtserzählungen, wie wir sie von Weihnachten alle kennen, das, was als nächstes von Jesus berichtet wird.
Nur Lukas erzählt noch, dass Jesus als 12jähriger Junge in Jerusalem im Tempel mit Schriftgelehrten diskutiert.
Ansonsten haben wir keine Berichte über Jesus, bis zu diesem Zeitpunkt, als er sich taufen lässt.
Die Taufe Jesu ist der Beginn seines öffentlichen Wirkens. Jetzt erst berichten die Evangelien von ihm.
Jetzt erst wird sein Leben wichtig für die, die ihm nachfolgen.

Was zählt ist sein Leben als Erwachsener, als verantwortungsvoller und verantwortungsbewusster Mensch.


Jesus wird als Erwachsener getauft.
Er entscheidet sich ganz bewusst für die Taufe und geht dafür zu Johannes dem Täufer.
Johannes ist ein einsam lebender Mann, der in der Wüste zur Umkehr und Busse predigt. Mit Kamelhaarmantel bekleidet, von Heuschrecken ernährt er sich - es ist nicht gerade das, was man ein angenehmes Leben nennt.
Aber er ist sich seiner Sache sicher:
Das Himmelreich ist nahe herbei gekommen!
Es wird einer kommen, der stärker ist als er selbst.
Und dann muss jeder gerade stehen für seinen Lebenswandel. Dann muss jeder mit seinem Leben dafür bezahlen, dass er gegen Gottes Gebote und gegen jede menschliche Nächstenliebe gehandelt hat.
Jetzt ist noch Zeit zur Umkehr!

Johannes predigt Umkehr und Busse.
Seine Taufe geschieht zur Vergebung der Sünden.

Und nun geht auch Jesus zu Johannes in die Wüste!

Da muss einem der Atem stocken - Jesus!
Von welchen Sünden will der sich denn reinwaschen?

Vielleicht berichten die Evangelien ja darum erst jetzt von ihm? Der hat vorher auch gar nicht sündenfrei gelebt!

Könnte man meinen!

Ist aber nicht so.
Jesus ist sündenfrei, das dürfen wir glauben.
Denn Johannes selbst bezeugt es uns, wie es bei Matthäus berichtet wird:
Johannes wehrte ihm und sprach:
"Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde!"

Doch Jesus bittet ihn, es geschehen zu lassen - ihn zu taufen.

Der frei von Sünde ist lässt sich zur Vergebung der Sünden taufen!

Der frei von Sünde ist
stirbt den Tod des Sünders am Kreuz.

Das ist das Schicksal und zugleich der Sinn seines Lebens!
Für uns alle zu leben! - Für alle Menschen, die allein ihre Sünde, ihre Schuld nicht tragen können. Für alle Menschen, die zerbrechen unter der Last der Sündenmacht.
Für uns alle ist Jesus gekommen, ist Gott Mensch geworden - um uns alle von der Macht der Sünde zu befreien.

Jesus ist sündlos. Er lebt die Gebote Gottes, ohne dass man daran Anstoss nehmen müsste.
Dennoch lässt er sich taufen.
Und dennoch stirbt er für die Sünden der Menschen am Kreuz.

Am Kreuz hat er damit dem Tod die Macht genommen - weil er auferstanden ist von den Toten.
Am Kreuz hat er ein für alle mal und allein für alle, die an ihn glauben, den Tod überwunden.
An seiner Auferstehung haben wir Anteil, ohne dass wir uns kreuzigen lassen müssen.

Die Taufe aber, die müssen wir selbst begehren!

Denn Jesus selbst hat die Taufe nicht nur selbst begehrt, sondern er hat sie auch empfohlen - man kann wohl ruhig auch sagen, er hat sie befohlen.

Das sind die letzten Worte, die Matthäus uns von Jesus berichtet! Der sogenannte Missionsbefehl, in dem es heisst:

Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker.
Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.
Und siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Das sind die letzten Worte Jesu nach Matthäus.
Und das sind die Worte, die wir bis heute bei der christlichen Taufe verwenden:
Wir taufen im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Übrigens ist das ein wichtiger Bestandteil der Taufe, diese sogenannte Trinitarische Formel.
Genauso wie das Wasser, mit dem wir hier bei uns den Täufling drei mal sichtbar übergiessen.

Sicher haben Sie auch schon erlebt, dass die Pfarrerin oder der Pfarrer nur gerade einen Finger eintaucht in das Taufwasser und damit ein Kreuzzeichen dem Täufling auf die Stirn malt - mit Wasser nur gerade benetzt.

Beides ist anders, als damals bei der Taufe Jesu!

Johannes hat niemals die trinitarische Formel gesprochen.
Das konnte er ja auch nicht, weil diese ja erst durch Jesus eingesetzt wurde.
- Übrigens: Jesus selbst hat wohl niemals getauft!
- Das taten nur seine Jünger.

Aber Jesus hat die Taufe befohlen, sie eben eingesetzt.

Das ist nach Martin Luther für uns heute ein Grund dafür, die Taufe als Sakrament zu bezeichnen.
Als wichtiges Kriterium dafür, was ein Sakrament ist, gilt für uns: Jesus selbst hat es an sich geschehen lassen bzw. selbst in seiner Gegenwart durchgeführt
Und Jesus hat es seinen Jüngerinnen und Jüngern, seinen Nachfolgern empfohlen.
Darum bezeichnen wir die Taufe als Sakrament.
Und darum haben wir in der evangelischen Kirche nur ein weiteres Sakrament: nämlich das Abendmahl.
Auch beim Abendmahl, dem Gemeinschaftsmahl mit Jesus, hat er selbst teilgenommen. Und auch dazu hat er uns aufgerufen, es immer wieder in seinem Gedächtnis zu feiern.
Solches tut zu meinem Gedächtnis.
Das Übergiessen mit Wasser
das andere, das anders ist bei uns heute als damals bei Jesus.

Jesus wurde im Jordan getauft, in fliessendem Wasser. Darin tauchte Johannes seine Täuflinge drei mal unter.
Diese Taufe wird von einigen christlichen Gemeinden noch heute praktiziert.
Es gibt Gemeinden, die haben in ihren Kirchräumen extra sogenannte Baptisterien eingerichtet, Taufbäder, in denen erwachsene Menschen mit dem ganzen Körper untertauchen können.
Uns genügt jedoch das Begiessen des Kopfes - eine Praxis, die erst mit den Missionsreisen im frühen Mittelalter aufkam und ihren Vorteil darin hat, dass viel weniger Wasser nötig ist.


Das Übergiessen mit Wasser und die Worte, die zur Taufe gesprochen werden - das ist beides anders, als bei der Taufe, die Johannes praktizierte.
Das sind äusserliche Unterschiede.

Es gibt aber auch inhaltlich entscheidende Unterschiede!

Johannes taufte zur Vergebung der Sünden und zu neuem Lebenswandel. Er hat das Kommen des Himmelreiches im Blick, das die Menschen zum Gericht führen wird.
Dazu will er ihnen die Chance geben, Busse zu tun.

Die christliche Taufe, die wir seit Jesu Missionsbefehl bis heute praktizieren, hat noch einen ganz anderen wichtigen Aspekt:
Sie ist ein Aufnahmeritus!
Sie nimmt den Täufling auf in die Heilsgemeinschaft, hinein in die Gemeinde.
Sie ist für uns heute der Beginn der Mitgliedschaft - und damit auch der Beginn, Kirchensteuern zu zahlen.

Nun zahlen Kinder freilich noch keine Kirchensteuer. Und ihnen wird damit auch eine Entscheidung vorweggenommen: Die eigene Entscheidung zur Taufe, zur Mitgliedschaft in der Kirche.
Zudem:
Im Missionsbefehl sagt Jesus:
Taufet sie ... und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe!

Die Taufe ist ein einmaliger Akt - kann nicht wiederholt werden und ist auch nicht mehr rückgängig zu machen.
Aber die Taufe ist damit nicht nur dieser blosse Akt, einmal geschehen und dann uninteressant!
Die Taufe nimmt nicht nur hinein in die Gemeinde Gottes, die Gemeinschaft mit Christus, sondern
die Taufe setzt den Menschen in ein neues Leben!
die Taufe setzt den Menschen ein in die Nachfolge Christi!
Der neue Lebenswandel, den Johannes predigt, der gilt auch für uns heute noch! Für jeden, der getauft wird!

Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe! sagt Jesus.

Ursprünglich wurden Erwachsene getauft - Jesus war schon 30 Jahre alt.
Auch Paulus berichtet uns nicht eindeutig, dass auch Kinder getauft wurden.
Allen Erzählungen in der Bibel, dass Menschen sich taufen liessen, gehen Erlebnisse voraus - die Menschen haben Erfahrungen mit Gott und mit Jesus gemacht, die dazu geführt haben, dass sie sich taufen lassen wollten.

Später, so etwa im 2./3. Jahrhundert haben die Kirchen zuerst Taufseminare abgehalten, bevor sie die Taufe vollzogen! In koptischen Kirchen in Ägypten gibt es bis heute für die sogenannten Katechumenen extra Bereiche im Gottesdienstraum, in denen sie sich aufhalten müssen, ehe sie getauft werden.
Wenn kleine Kinder getauft werden, dann können diese ja noch gar nicht selbst diese wichtige Entscheidung treffen.
Darum gibt es schon seit dem 3. Jahrhundert das Patenamt.
Gotte und Götti haben die Aufgabe, im Taufgottesdienst das Glaubensbekenntnis stellvertretend für den Täufling zu sprechen. Und sie haben - das ist bis heute so - sie haben die wichtige Aufgabe, dem Täufling von Gott zu erzählen! Ihm Gott nahe zu bringen.

Taufe ist nicht bloss ein einmalige Akt. Wir sollen davon ERZÄHLEN. Und wir sollen danach LEBEN.


Die Taufe Jesu ist in den Evangelien der Beginn Jesu Wirkens. Von da an erst wird von ihm erzählt. Von da an erst ist sein Leben wichtig.
Das kann für uns der Hinweis sein:
Von der Taufe ab ist unser Leben wichtig!
Die Taufe nimmt uns auf in die Heilsgemeinschaft, nimmt uns hinein in die Gemeinde Jesu Christi.
Und sie stellt uns in seine Nachfolge!

Nachdem Jesus getauft wurde, wird erzählt, wie er in der Wüste vom Teufel versucht wird. Jesus widersteht dieser Versuchung.
Wir Christinnen und Christen werden in dieser säkularen Welt doch ebenfalls oft genug versucht:
Oft kriege ich solche Versuchungen zu hören: Was ist das für ein Gott, der Kriege duldet und Menschen sterben lässt.
Hier ist unsere Nachfolge gefragt! Hier ist unser Bekenntnis gefragt!
Zum Beispiel: Es ist der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat und der den Menschen befohlen hat, nicht zurückzuschlagen, sondern auch den Feind zu lieben.
Dass Menschen Kriege führen, das liegt nicht an Gott.
Gott gibt uns die Freiheit, glücklich und in Frieden zu leben.
Sollte er uns die Freiheit nehmen, uns ins Unglück zu stürzen?
Daran müssen wir wohl selber arbeiten!

Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe!

Jesus hat uns gute Kriterien und Massstäbe an die Hand gegeben, nach denen wir friedlich miteinander leben können.
Er hat uns mit seinem eigenen Leben ein Beispiel gegeben, wie ein solches Leben aussehen kann.
Wir müssen dieses Leben nur konsequent umsetzen!

Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe!

Das ist der Auftrag, der an uns alle ergeht, die wir getauft und in die Gemeinschaft mit Jesus hineingenommen sind.
Verbreiten wir also Gottes Wort und Jesu Zusage im Vertrauen darauf, dass der Heilige Geist uns dabei stützt und trägt.
Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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