Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Matthäus 25,1-13
22.11.2009
Kirche Bözberg
Kirche Mönthal
Pfr. Thorsten Bunz


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Matthäus 25,1-13

1 Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen. 2 Aber fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug. 3 Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit. 4 Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen. 5 Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. 6 Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen! 7 Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig. 8 Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen. 9 Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und euch nicht genug sein; geht aber zum Kaufmann und kauft für euch selbst. 10 Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hoch-zeit, und die Tür wurde verschlossen. 11 Später kamen auch die andern Jungfrauen und spra-chen: Herr, Herr, tu uns auf! 12 Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. 13 Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.

Liebe Gemeinde,

wir gedenken heute der Verstorbenen, der Toten des ausgehenden Kirchenjahres. Wir werden die Namen verlesen und jede und jeden noch einmal nennen.
Jeder einzelne Name, jeder einzelne Mensch ist wichtig. Für uns und für Gott.
Gott hat uns durch den Propheten Jesaja zugesagt, dass er uns bei unserem Namen ruft:
Fürchte dich nicht, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.
Und Gott hat uns durch Johannes zugesagt, dass er alles neu machen wird und dann mitten unter uns wohnen wird.

Auf diese Verheissung hin können wir leben
und auf diese Verheissung hin können wir sterben.

Mit dieser Verheissung können wir getrost Abschied nehmen von unseren Lieben, für die der Tod bereits das Ende in dieser Welt bedeutet hat.

Getrost Abschied nehmen - das sagt sich leicht und das lässt sich auch leicht glauben.
Aber dieser Trost fällt dann nicht leicht, wenn man selbst vor dieser Situation steht, vor der Tatsache, Abschied von einem geliebten Menschen nehmen zu müssen.

Dann ist das Leiden, das wir angesichts des Todes empfinden, unendlich gross. So gross, dass es den Blick auf das Gute danach verstellt.

Den Blick auf das Gute danach - haben wir den überhaupt, den Blick auf das Gute danach?
Den Blick auf das, was kommen wird, wenn wir sterben müssen?

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen,
auf dass wir klug werden.
So betet der 90. Psalm.
Aber worin werden wir klug, wenn wir das bedenken?
Was lernen wir, wenn wir miterleben - miterleiden - müssen, dass Menschen sterben... dass wir selbst sterben werden?

Wir lernen wohl vor allem dies: Wir sollen vorbereitet sein!

Und das ist kein Werbespruch eines Bestatters, der seine Vorsorgepakete verkaufen will,
sondern das ist eine der Hauptbotschaften, die uns das neue Testament auf die Frage hin gibt, was denn nun am Ende des Lebens auf uns wartet.

Denn: Was uns erwartet, das ist kaum thematisiert.
Wohl aber die Frage, Wie wir das Ende erwarten sollenUnd mit dieser Frage beschäftigt sich auch der Predigttext, der für den heutigen Ewigkeitssonntag vorgeschlagen ist.

Der Text ist eingebettet in die Endzeitreden Jesu.
Darin fragen die Jüngerinnen und Jünger immer wieder, Jesus möge ihnen erzählen, woran sie denn die Endzeit erkennen könnten.
Sie wollen sichtbare Zeichen benannt bekommen, damit sie sich bereit machen können, wenn es soweit ist.

Die Jünger bekommen von Jesus auch Hinweise und Zeichen benannt. Aber an diesen können sie sich letztlich nicht orientieren, wenn es darum geht, den Zeitpunkt einigermassen exakt zu bestimmen.
Denn was den Zeitpunkt angeht, betont Jesus immer wieder:
Seid wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag der Herr kommt.
Wachet, denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.

Dies ist auch die Schlussfolgerung unseres Predigttextes.

Die 10 Frauen haben allerdings schon einen recht guten Zeitpunkt gewählt: In dieser Parabel gehen sie wohl am Nachmittag oder am Abend los und grad in dieser Nacht kommt der Bräutigam tatsächlich.
Sie sind zur Stelle, um den Bräutigam zu begleiten und um bei dem grossen Hochzeitsfest dabei zu sein.

Es ist dies ein oft gewähltes Bild in der Bibel:
Die Wiederkunft Christi wird verglichen mit einem grossen Hochzeitsfest. Christus ist der Bräutigam, der mit seiner Braut - der gläubigen Christenheit - zusammen kommt.
Ein schönes Bild, wenn wir bei Hochzeit an den Bund für's Leben denken.

Aber das ist nicht das Wichtigste in dieser Erzählung von den 10 Frauen.
Etwas ganz anderes liegt ja sogleich auf der Hand und damit schon gleich schwer im Magen:
Da sind 5, die sich gut ausrüsten, die sich vorbereiten auf eine längere Nacht und auf eine mit Fackeln ausgeleuchtete Begleitung des Bräutigams.
Und da sind 5, die genau das gleiche wollen: den Bräutigam mit Fackeln auf seinem Marsch zum Hochzeitsmahl begleiten. Nur sind diese nicht gut ausgerüstet: es fehlt ihnen an Öl, um die Fackeln überhaupt ans Brennen zu kriegen. In der Vorfreude auf das Fest, in der Vorfreude darauf, den Bräutigam begleiten zu dürfen, haben sie eine einzige Sache vergessen - und dieser augenscheinlich so kleine Fehler kostet sie die Teilnahme an diesem Fest.

Kaltherzig werden sie abgewiesen: "Ich kenne euch nicht!"

Dieses Hochzeitsfest findet ohne sie statt.



"Was waren sie auch so dumm, kein Öl für ihre Fackeln mitzunehmen!"

"Was waren die anderen 5 doch egoistisch und eigennützig, ihr Öl nicht aufzuteilen!
Wenn je zwei sich ihr Öl geteilt hätten, womöglich hätte es für alle gereicht!"

"Wären die törichten Frauen doch nur schon früher auf die Idee gekommen, dass sie kein Öl dabei haben!"

"Warum überhaupt sind alle eingeschlafen, anstatt wach zu bleiben, bis der Bräutigam kommt - dann wäre das mangelnde Öl doch viel früher schon aufgefallen!"

Wenn und Wäre, Hätte und Aber - alles Spekulieren und Lamentieren nützt hier nichts mehr.
Die Feier läuft, die 5 müssen wieder abziehen.

Nächstes mal werden sie klüger sein.


Wenn und Wäre, Hätte und Aber - wie oft haben Sie das schon gedacht, seit Sie Ihre Lieben an den Tod verloren haben?
Wie oft schon dieses "Hätte ich doch noch..." oder "Wären wir doch..." ...
Es ist zu spät.

Nächstes mal werden Sie klüger sein.

So, wie die 10 Jungen Frauen.

Es wäre diese Feier nicht so wichtig, liebe Gemeinde, wenn sie nicht die Wiederkunft Christi darstellen würde.
Auf eine einfache Hochzeitsfeier könnte man ja noch verzichten. Erst recht, wenn da noch solche Gäste dabei sind:
Ich wollte doch mit denen nicht mehr feiern, die mir nicht mal etwas Öl abgegeben haben. . .
Und der Bräutigam kann mir auch gestohlen bleiben, wenn er so pingelig ist.

Bei jeder x-beliebigen Hochzeitsfeier wäre das nicht so schlimm.

Es ist aber keine x-beliebige Hochzeitsfeier!
Es ist ja ein Bild für die Wiederkunft Christi.
Darum erzählt Jesus ja diese Parabel!

Wir sollen ja an dieser Hochzeitsfeier teilnehmen!
à Und ich sage Ihnen: Ich will auch!
Ich will da nicht unvorbereitet sein und zu spät kommen.

Darum wäre es ja so gut, zu wissen, wann es soweit ist!

Aber wir wissen es eben nicht.

Und da plagt einen dann doch die Furcht und die Sorge:
Gibt es ein "Zu-Spät!" für mich?

Kann ich meine Chance verpassen, in den sogenannten "Himmel" zu kommen?
Diese Erzählung ist da ganz eindeutig: Ja!
Ja, ich kann die Chance verpassen.

Und da kann mir dann auch keiner mehr helfen!
Da kann mir niemand etwas abgeben von seiner eigenen Vorbereitung - das Öl reicht nicht für alle.

Hier muss jeder für sich alleine sorgen.

à Das ist eine wichtige Erkenntnis aus diesem Text:
Ich muss am Ende alleine über die Schwelle vom Leben zum Tod treten.
Diesen letzten Weg muss ich alleine gehen.

Alleine - und doch nicht alleine.

Darum nicht alleine, weil mich dieser Weg zu Christus führt. Die törichten Frauen kommen ja auch bis zum Bräutigam vor - er lässt sie nicht durch einen Diener abweisen, sondern er spricht selbst mit ihnen.

Also wird dieser Weg mich schon auch zu Jesus führen.
Er wird mich begleiten, wird bei mir sein auf diesem Weg.
Und er wird mich prüfen, ob ich vorbereitet bin.
Er wird mich prüfen, ob ich würdig bin, am Hochzeitsmahl teilzunehmen.

Prüfung - Oder "Gericht", wenn man es so nennen will.

Es wird eine Art Gericht geben.
Wir werden, wenn man es so glaubt, vor dem Richterstuhl Christi stehen müssen.

In diesem Gericht zeigt sich dann, was ich aus dem Leben gemacht habe, das Gott mir geschenkt hat!
Dann muss ich zurückblicken auf meine Taten und Werke.
Gemeinsam mit Jesus Christus, der der Richter ist, wird jeder nach seinen Taten gefragt - warum dieses, warum jenes?
Christus ist der Richter, der zur Rechten Gottes sitzt, von wo aus er kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich werde gerecht gerichtet - darum muss ich mir keine Sorgen machen. Denn Christus ist zugleich der Richter und mein Anwalt. Er wird für mich einstehen, so wie er mit seinem Leben für die Schuld aller Menschen eingestanden ist. Mit Christus an meiner Seite und mit Christus als Richter muss ich dieses Gericht nicht fürchten.

Aber er wird schon in meinem Leben mit mir nachsehen, wo ich mich vorbereitet habe auf dieses Gericht.
Ob ich vorbereitet bin auf das Hochzeitsmahl.

Denn das ist die zweite Erkenntnis aus diesem Text:
Ich muss mich vorbereiten.

Bei den Frauen wäre es das Öl gewesen - so eine kleine Kleinigkeit und sie wären dabei gewesen.

Was aber ist dieses Öl für uns, für mich?

Was muss ich tun, um bereit zu sein, wenn Christus kommt? Was muss ich tun, um im Gericht zu bestehen?


Nur wenige Verse nach unserem heutigen Predigttext - im gleichen Kapitel also - beschreibt Jesus auch das Weltgericht.

Darin sind eindeutig Aufgaben genannt:
Hungrige speisen, durstigen zu trinken geben,
Fremde aufnehmen, Nackte kleiden,
Kranke und Gefangene besuchen,
Sie kennen sicher alle dieser Aufzählung,
die Aufgaben, die sich die Diakonischen Werke, HEKS, Caritas und viele andere soziale Einrichtungen zur Aufgabe gemacht haben.

Für mich sind das die Beispiele dafür, wie wir leben können, um vorbereitet zu sein - um vor dem Gericht Gottes bestehen zu können.

Das geschenkte Leben nutzen und für Gottes Schöpfung Verantwortung übernehmen.

Die Kirche als Institution tut das bereits.
Sie tut das mit den Spenden und den Mitgliedsbeiträgen, die sie bekommt.

Und hier kann ich mich natürlich einklinken und so auch ganz einfach mithelfen: durch eigene Spenden.

Ich kann aber auch ebenso gut selbst mit anpacken!

Es gibt so viele Dienste und Aufgaben in einer Kirchgemeinde, da ist für jede und jeden etwas dabei! So kann jeder dem Aufruf folgen, mit anzupacken, mitzuwirken am Reich Gottes.

Und das sehe ich schon als eine wichtige Vorbereitung an: Nämlich im Sinne der Liebe Gottes und im Geiste Jesu tätig zu sein, für Menschen da zu sein.
Damit kann ich bestehen und werde sicher nicht abgewiesen mit dem Satz "Ich kenne dich nicht!"

Aber das ist nur eine Seite! Die praktische sozusagen.

Es gibt aber auch eine geistige Seite!

Die persönliche Vorbereitung auf das Ende.
Sie kann noch viel umfassender sein!

Nämlich durch das Gebet. Durch das aktive geistige Leben, in das uns Christus einlädt!
Das kann nicht dadurch allein befriedigt werden, dass ich getauft und konfirmiert bin. Das kann auch nicht allein dadurch befriedigt werden, dass ich an Weihnachten in die Kirche gehe - und vielleicht noch weil ein Mensch, den ich liebe, gestorben ist.
Dazu gehört mehr:
Dazu gehört ein Im-Gespräch-Sein mit Gott,
ein Sich-Hinterfragen-Lassen durch das Wort Gottes
und auch das Hinzugewinnen neuer Perspektiven.

Im Gespräch sein mit Gott - "wie geht das?" mögen sich einige fragen.
Es geht! - Zum Beispiel:
Wenn ich abends vor dem Einschlafen den Tag noch einmal vor Gott bringe, ihm im Gebet - sei es laut oder leise - erzähle, was der Tag gebracht hat. Ihm danke für die guten Dinge, für das Gelungene. Und ihn um Vergebung bitte für die Situationen, in denen ich gepatzt habe, in denen ich Menschen verletzt habe - und in denen ich vielleicht sogar Gott verleugnet habe.

Ein solches Gebet verschafft mir Klarheit über den Tag.
Es macht mir das Leben bewusster - und es macht mir bewusst, dass ich mein Leben letztlich doch Gott verdanke!

Irgendwann muss ich dieses Leben auch wieder abgeben. Und dann muss ich vor dem Richterstuhl Christi für die genutzten und ungenutzten Chancen meines Lebens gerade stehen - und darauf kann ich vorbereitet sein!
Es muss nicht das erste mal sein, dass ich dieses mein Leben mit Gott gemeinsam überblicke. Wenn ich das tagtäglich im Gebet bereits getan habe, dann bin ich auf dieses letzte Gericht doch mehr als vorbereitet.

Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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