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Matthäus 24,45-51 und Lukas 12,42-48 im Vergleich
3. Juni 2007
Kirche Mönthal
Pfr Urs Klingler


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Matthäus 24,45-51 und Lukas 12,42-48 im Vergleich

Bibeltext

Kursiv sind alle Stellen geschrieben, in denen Matthäus und Markus andere griechische Wörter benutzen.

In Kapitälchen sind alle Sätze geschrieben, die entweder nur bei Matthäus oder nur bei Lukas stehen und beim anderen fehlen.

Matthäus 24, 45 51

Lukas 12, 42 48

 

42 Und es sagte der Herr:

45 Wer also ist der treue und kluge Diener,

den der Herr über seine Hausdienerschaft

eingesetzt hat,

um ihnen die Nahrung (das Lebensnotwendige)

zu rechten Zeit zu geben?

Wer also ist der treue und kluge Hausverwalter,

den der Herr über sein Gesinde

einsetzen wird,

um ihnen die zugemessene Speise

zur rechten Zeit zu geben?

46 Freuen darf sich jener Diener, den sein (zurück) gekommener Herr so handelnd finden wird!

43 Freuen darf sich jener Diener, den sein (zurück) gekommener Herr so handelnd finden wird!

47 Wahrlich (Amen), ich sage euch:

über alle seine Güter wird er ihn einsetzen!

44 Wahrhaftig, ich sage euch:

über alle seine Güter wird er ihn einsetzen!

48 Wenn aber jener böse Diener in seinem Herzen sagt: Zeit lässt sich mein Herr,

45 Wenn aber jener böse Diener in seinem Herzen sagt: Zeit lässt sich mein Herr,

49 und beginnt,

seine Mitdiener zu schlagen,

und isst und trinkt mit den Betrunkenen,

und beginnt,

die Knechte und Mägde zu schlagen,

zu essen und zu trinken und sich zu betrinken,

50 wird der Herr jenes Dieners kommen

an einem Tag, an dem er es nicht erwartet,

und in einer Stunde, die er nicht kennt,

46 wird der Herr jenes Dieners kommen

an einem Tag, an dem er es nicht erwartet,

und in einer Stunde, die er nicht kennt,

51 und wird ihn entzweischneiden

und ihm seinen Anteil geben

bei den Heuchlern;

und wird ihn entzweischneiden

und ihm seinen Anteil geben

bei den Nichtvertrauenden.

dort wird Weinen und Zähneknirschen sein.

 

 

47 Der Diener, der den Willen seines Herrn kennt und weder nach seinem Willen gehandelt noch getan hat, wird mit vielen Schlägen geschlagen werden;

 

48 aber der (ihn) nicht kennt und getan hat, was Schläge verdient, wird mit wenigen Schlägen geschlagen werden.

 

Von jenem aber, dem viel gegeben worden ist,

wird viel von ihm gefordert werden,

 

und wem man viel anvertraut hat,

wird man von ihm mehr verlangen.

Anmerkungen zum Textvergleich
Wir finden dieses Gleichniswort sowohl bei Matthäus als auch bei Lukas. Die beiden Fassungen stimmen grundsätzlich überein, enthalten jedoch einige Abweichungen in den Details. Solche Abweichungen halten uns die Gegner unseres Glaubens ja vor Augen und operieren mit sensationellen Titel wie: Über zehntausend Widersprüche sind in der Bibel zu finden.
Die meisten Leute glauben das, was sie so lesen und was auch auf zahlreichen Internetseiten so weiter verbreitet wird, ohne den wesentlichen Schritt zu tun, diese Aussage selbst zu überprüfen.
Wir können das zum Beispiel anhand unseres Gleichniswortes von Jesus tun. Wir stellen fest, dass es tatsächlich verschieden Abweichungen gibt. Doch sind das Widersprüche? Wenn wir beide Fassungen lesen, müssen wir feststellen, dass die Aussage beider Versionen dieselbe ist!
Die verschiedenen Wörter und Formulierungen, zum Beispiel bei Lukas "Gesinde", bei Matthäus "Hausdienerschaft" gehen möglicherweise sogar auf die Übersetzung der von Jesus ursprünglich auf aramäisch oder hebräisch ausgesprochenen Worte zurück. Nehmen Sie eine Originalseite aus einem englischen literarischen Werk und lassen sie diese unabhängig von zwei verschiedenen Leuten, die beide sehr gut englisch können, übersetzen - sie werden dieselbe Geschichte ebenfalls in zwei leicht voneinander abweichenden Versionen erhalten!
Schon optisch fällt uns auf, dass Lukas gegenüber Matthäus einen zusätzlichen Abschnitt enthält. Vielleicht hat Lukas bei seinen Recherchen mehr Material zusammengebracht als Matthäus. Auf jeden Fall ist der Abschnitt, den wir nur bei ihm lesen, inhaltlich eine Weiterführung oder Vertiefung der Aussage des Gleichniswortes und ganz bestimmt kein Widerspruch zu ihm!
Beide Versionen stimmen so stark überein, dass wir das, was uns Jesus heute sagen will, klar und eindeutig und ohne inhaltliche Widersprüche vor uns haben.

Predigt
Liebe Gemeinde,
als Abraham Lincoln noch Anwalt war, beauftragte ihn ein Klient, 600 Dollar für ihn einzutreiben. Lincoln untersuchte den Fall und stellte fest, dass der Klient den Prozess wohl gewinnen könne, dass aber dadurch eine Witwe mit sechs Kindern ruiniert würde. Darauf schrieb er dem Mann: "Wir können Ihren Fall nicht übernehmen, obgleich wir ihn zweifellos gewinnen würden. Aber manches ist wohl gesetzlich richtig, doch nicht moralisch. Wir wollen Ihnen nur einen einzigen Rat geben, für den wir kein Honorar verlangen. Sie sind ein so tüchtiger Mann, dass Sie versuchen sollten, die 600 Dollar auf andere Art zu verdienen."
Abraham Lincoln hat den Massstab für sein Handeln als Anwalt hoch gesetzt. Er will nicht nur einerseits saubere, gründliche und zuverlässige Arbeit leisten; und er will zweitens nicht nur seine fundierte Kenntnis des Gesetzes und der Gerichtsurteile dazu verwenden, jeden Fall möglichst erfolgreich für seinen Klienten abschliessen zu können, sondern er hält zusätzlich auch noch die Augen offen auf die Folgen, die sein Handeln für die Betroffenen haben könnte und ist bereit, im konkreten Fall aus sozialen Gründen davon abzuraten, das juristisch Mögliche gegen die Betroffenen durchzusetzen.
Abraham Lincoln handelte nach hohen Massstäben und war sich seiner besonderen Verantwortung bewusst, in die er durch seine Tätigkeit als Anwalt und Jurist nicht zuletzt vor Gericht gerufen war. Er setzte den Massstab für sein Handeln hoch an - so hoch, wie er es wohl von Jesus gelernt hatte und wie es Jesus uns heute in seinem Gleichniswort von verantwortungsbewussten Diener nach wie vor ans Herz legt. Jesus vergleicht uns Menschen mit einem Hausverwalter oder Diener, dem er sein Haus anvertraut hat.

Wie sehen wir als Menschen unsere Stellung in der Welt? Sind wir auf uns allein gestellt und nur uns selbst gegenüber verantwortlich? Sind wir, solange wir hier leben, die Herren und Besitzer dieser Welt, die wir selbst durch irgendeinen blinden Zufall entstanden und sich zu den entwickelt hat, was sie heute ist?
Oder gehen wir davon aus, dass diese Welt einen Schöpfer hat, der über ihr und über uns steht und uns diese Welt als Lebensgrundlage anvertraut hat? Jesus geht davon aus! Wir haben eine hohe Selbständigkeit, eben wie ein Verwalter, dessen Herr für längere Zeit verreist und der daher nicht jeden Tag die Arbeit seines Verwalters kontrolliert und korrigiert. In der modernen Wirtschaft würde man von einem Geschäftsführer sprechen, der von einem Verwaltungsrat in seine Position eingesetzt wird. Der Verwaltungsrat wird sich im Normalfall nicht ins Tagesgeschäft einmischen, sondern seinen Geschäftsführer machen lassen.
Wie sehen wir uns: als Herren der Welt oder als vom Herr eingesetzte Verwalter? Wenn wir Jesus ernst nehmen, ist die Sache für uns klar: Gott hat uns seine Welt als Lebensgrundlage anvertraut. Wir sind nicht die Herren, sondern die Verwalter.
Wie wir uns in dieser Frage entscheiden, ist eine direkte Folge unseres Glaubens: vertrauen wir auf Gott und auf Jesus - dann gelten auch seine Worte für uns: wir sind von ihm beauftragte Verwalter mit einem sehr hohen Grad an Selbständigkeit, aber letztlich unserm Herrn gegenüber rechenschaftspflichtig.

Im Gleichniswort von Jesus gibt der Herr seinem Verwalter einen klaren Auftrag - nicht den, den wir erwarten würden! Der Auftrag besteht gerade nicht darin, die anderen Diener im Haus zu beaufsichtigen, zu kontrollieren, ihnen zu sagen, was sie tun sollen und was sie nicht tun dürfen, sondern den anderen Dienern im Haus muss er alles zuweisen, was diese zum Leben brauchen! Sein Auftrag ist, für das Wohlergehen der ihm mit seinem Auftrag anvertrauten Mitdiener zu sorgen. Lukas betont diesen Auftrag zur Fürsorge, indem er von "Knechten und Mägden" spricht, im griechischen Text sind das wörtlich "Buben und Mädchen"! Ein Diener wurde damals auch als "Kind" bezeichnet, was nicht sein Lebensalter beschrieb, sondern seine Stellung in der Familie: er war dem Familienvater untergeordnet - und der Familienvater war für ihn verantwortlich!
Eltern sind nicht die Besitzer und die Herrscher über ihre Kinder, auch wenn diese, solange sie klein sind, den Eltern unterstellt sind; die Eltern haben gegenüber ihren Kindern eine sogar im staatlichen Gesetz festgelegte Fürsorgepflicht.
Dieselbe Fürsorgepflicht haben, so sagt es uns Jesus, alle Menschen, die eine leitende und verantwortliche Stellung erreicht haben. Sie gilt in der Familie, in der Gemeinde, aber auch im Staat und in der Wirtschaft - Jesus engt die Gültigkeit dessen was er sagt, nicht nur zum Beispiel auf Eltern ihren Kindern gegenüber ein, sondern er spricht grundsätzlich; was er sagt, betrifft prinzipiell alle Menschen und alle Lebensgebiete ohne Ausnahme.
Auf diese grundsätzliche Fürsorgepflicht bezieht sich auch Jesus, wenn er sagt, dass der, welcher der Erste sein will, der Diener aller anderen sein muss. Das heisst nicht, dass er für die anderen der "Gango" sein soll, sondern das bedeutet, dass er es als seine Aufgabe ansieht, dass die ihm anvertrauten Menschen ihre Arbeit gut tun und davon leben können.
Die Aussage von Jesus ist ganz klar: der Verwalter soll dafür sorgen, dass die ihm anvertrauten und unterstellten Menschen erhalten, was sie zum Leben brauchen. Oder in die Sprache der Ökonomie, der Wirtschaft übersetzt: wer die Produktionsmittel besitzt und/oder verwaltet, ist verantwortlich dafür, den ihm dadurch Unterstellten den nötigen Lebensunterhalt zukommen zu lassen.
Jetzt beginnen die Worte von Jesus vielleicht zu beissen und quer zum Trend unserer Zeit zu stehen. Das Credo der neoliberalen Wirtschaft lautet: Wer Produktionsmittel besitzt oder verwaltet soll, ja muss versuchen, daraus den grösstmöglichen Gewinn für sich zu ziehen. Er ist nicht verantwortlich für das Wohlergehen der Leute, die für ihn arbeiten. Jene, die er auf die Strasse stellt, sind selbst schuld an ihrem Schicksal und sollen selbst schauen, wie sie über die Runde kommen. Das nennt man dann hochgestochen "seine Eigenverantwortung wahrnehmen". Aber ist denn der 55-Jährige, der seine Arbeit verloren hat und bereit ist, selbst eine weniger qualifizierte Arbeit anzunehmen, aber nichts als Absagen erhält, weil er zu alt ist, selbst schuld an seinem Alter? Oder ist jener, der statt arbeitslos zu sein lieber eine 100%-Stelle annimmt, die so schlecht bezahlt ist, dass er vor allem mit Kindern von diesem Lohn nicht leben kann, selbst schuld an seiner Lage?
Jesus entlässt jene, die als Besitzer oder Verwalter von Produktionsmitteln in einer verantwortlichen Stellung sind, ganz und gar nicht aus ihrer Verantwortung, im Gegenteil, er behaftet sie explizit darauf. Was nennt Jesus als einzige Aufgabe des Verwalters? Soll er den Gewinn des Besitzers möglichst gross machen? Soll er sich selbst möglichst viel vom Gewinn zufliessen lassen? Davon hören wir nichts, aber auch gar nichts bei Jesus. Wir hören von ihm als einzigen Auftrag, an dessen Erfüllung der Herr die Tätigkeit seines Verwalters beurteilt, die Zuweisung der nötigen Nahrung, also dessen, was diese Menschen zum Leben brauchen, an die ihm unterstellten Menschen. Dafür ist und bleibt der Verwalter verantwortlich - diese Aussage von Jesus ist eindeutig und auch nicht wegdiskutierbar. Massgebend für unser Leben soll, so Jesus, der Wille unseres Herrn sein und nicht irgendeine gerade aktuelle Wirtschaftstheorie.

Dem verantwortungsbewussten Verwalter stellt Jesus den bösen Diener gegenüber, das heisst jenen, der sich vom Herrn nichts sagen lässt und seine eigene Sicht der Dinge über den Willen des Herrn stellt. "Böse" ist hier nicht eine Einzeltat, sondern damit beschreibt Jesus die Grundhaltung des Menschen, der sich über Gott stellt und sich von Gott nichts sagen lassen will.
Jesus zeigt in drei Punkten des Verwalters auf, der seine Stellung missbraucht:
o Der böse Diener schlägt die ihm unterstellten Leute.
Der verantwortunsgbewusste Verwalter wird in seiner Funktion der Leitung und Führung Anweisungen, Anordnungen und Befehle erteilen und die Ausführung sicherstellen. Er tut das mit dem Ziel, dass der Betrieb gut läuft und dass gute Arbeit geleistet wird. Seine Anweisungen sind sachbezogen.
Der böse Verwalter dagegen sieht vor allem die mit seiner Stellung verbundene Macht über die anderen und lebt diese aus. Seine Befehle sind nicht nur sachbezogen, sondern dienen mehr oder weniger oft vor allem darum, dem anderen zu zeigen, wer der Boss ist.
Oder nehmen wir das Beispiel der Eltern, die ihre Kinder schlagen - und zwar nicht im Sinne, dass ihnen im Zorn die Hand ausrutscht, sondern die sie systematisch schlagen, die mehr oder weniger Schläge verabreichen, um, wie man früher sagte, "den Willen zu brechen". Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war das ein weit verbreitetes Erziehungsmodell - so verbreitet, dass wir die Folgen davon auf breiter Front erkennen können. Natürlich erreichte diese Erziehung auch einen Lernerfolg - und zwar in nicht wenigen Fällen diesen: wer der Stärkere ist, hat das Recht, den anderen zu schlagen.
Jesus zumindest gibt nicht dem recht, der schlägt, sondern sagt: so handelt der böse Diener, jener, der Gottes Auftrag beiseite stellt.
o Der böse Diener isst und trinkt. Wie meint Jesus das? Wir alle essen und trinken ja jeden Tag - was ist daran böse?
Der verantwortungsbewusste Verwalter wird den vom Herrn gegebenen Auftrag wahrnehmen, allen das zum Leben Notwendige zuteilen.
Der böse Verwalter dagegen will möglichst viel vom Kuchen für sich und die Stücke der anderen möglichst immer kleiner machen.
Jesus spricht hier eine unter uns Menschen viel beobachtete Eigenart an: je mehr einer hat, desto weniger hat er das Gefühl, genug zu haben, sondern er will immer noch mehr. Wenn der Kuchen gleich gross ist und einer immer mehr davon essen will, werden die Stücke für die anderen immer kleiner. Der Graben zwischen denen, die viel haben, und den gewöhnlichen Leuten wird immer breiter. Wer dazu beiträgt, handelt nicht im Sinn von Jesus. Alle sollen essen und trinken können, so sagt er klar und deutlich, nicht nur der Verwalter, der über dem Ganzen steht.
o Der böse Diener betrinkt sich, er gesellt sich zu den Betrunkenen.
Wer sich betrinkt ist mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mehr in der Lage, die Arbeit sinnvoll zu tun, die er als Verwalter tun müsste.
Jesus denkt hier an jene Leute, die ihre hohe Stellung dazu benutzen, sich dem Rennen von Vergnügung zu Vergnügung hinzugeben und die Arbeit den anderen zu überlassen.
Eltern, die Alkoholiker oder drogensüchtig sind, können ihre Aufgabe, für ihre Kinder zu schauen, nur noch sehr eingeschränkt wahrnehmen. Das gilt materiell, da sie zu viel Geld für ihre Sucht verbrauchen, aber auch im Hinblick auf Leitung und Führung, die sie im Zustand der Betrunkenheit kaum wahrnehmen können. Und welches Beispiel geben sie ihren Kindern mit?
Zusammengefasst charakterisiert Jesus den bösen Diener mit diesen drei Zügen:
o Er missbraucht seine Stellung und die damit verbundene Macht dazu, die anderen zu beherrschen und zu demütigen.
o Er missbraucht seine Stellung dazu, vor allem sich selbst zu bereichern.
o Er missbraucht seine Stellung, um damit ein ausschweifendes Luxusleben zu führen.

Die Aussage von Jesus über solche Verwalter ist eindeutig: sie können nicht damit rechnen, ungeschoren davon zu kommen. Der Herr kommt zurück, auch wenn niemand die Stunde kennt!
Ist mit der Stunde, die niemand kennt, die Stunde der Wiederkunft von Jesus am Ende der Zeit gemeint, von der die Bibel spricht? Oder geht es dabei um die Stunde des Todes, in der der Mensch seinem Schöpfer gegenüber steht? Beides ist vom Wortlaut her möglich, und in beiden Fällen geht um dasselbe: es kommt für jeden Menschen, für uns alle, für einflussreiche oder einflusslose, mächtige oder machtlose, reiche oder gewöhnliche Leute, die Stunde der Rechenschaftsablage.
Dem Diener, den der Herr dabei findet, dass er nach dem Willen des Herrn an der Arbeit ist, dem vertraut er noch mehr an.
Dem Diener, den der Herr dabei findet, dass er seine Stellung für sich missbraucht, den wird er, so Jesus, entzweischneiden. Wir können diesen Ausdruck im ähnlichen Sinn verstehen wie wir über jemanden sagen, über den wir sehr wütend sind: "Ich könnte ihn in Stücke reissen!" oder "Ich zerreisse ihn in der Luft!" Niemand tut das wirklich, aber es ist klar, was wir damit ausdrücken wollen, nämlich unser äusserstes Missfallen über den anderen. Ein solches äusserstes Missfallen tut der Herr gegenüber den Menschen kund, die ihre Stellung missbrauchen.
Weiter gibt der Herr diesem Diener Anteil bei den Heuchlern, so Matthäus, oder bei den Nichtvertrauenden, so Lukas. Wer so handelt, gehört in den Augen des Herrn zu den Menschen, die nicht auf ihn vertrauen. Vielleicht sagen diese Menschen sogar, sie würden an Gott glauben, vielleicht erwecken sie sogar den Eindruck, dass sie es tun, haben so wie der Schauspieler in der Antike eine Maske hatte, die seine Rolle darstellte, eine Maske gläubigen Gottvertrauens aufgesetzt, doch es ist nur eine Maske, eine Fassade, die durch ihr Leben nicht abgedeckt wird.
Was mit diesen Menschen weiter geschieht, führt Jesus nicht aus. Es soll offenbar nicht Gegenstand unseres Nachdenkens sein, was Gott mit ihnen macht.

Bei Lukas führt Jesus den Gedanken noch ein wenig weiter.
Wer wissentlich gegen den Willen Gottes handelt, so führt er zum einen aus, der wird härter bestraft als jener, der es unwissentlich tut.
Zum andern betont er noch einmal: wer viel anvertraut erhalten hat, von dem wird auch viel erwartet. Jesus wiederholt diese Aussage in zwei verschiedenen Formulierungen, was deren Wichtigkeit noch unterstreicht.

Was hat Gott uns anvertraut?
Bitten wir ihn, dass er uns erkennen lässt, was darin unsere Aufgabe und unsere Verantwortung ist, und dass er uns die nötige Kraft und Weisheit gibt, sie gut wahrnehmen zu können.
Schlimm ist nicht, wenn wir dabei nicht alles richtig machen, sondern wenn wir unsere Verantwortung nicht sehen wollen.
Jesus sagt es klar: Freuen darf sich jener Diener, den der Herr, wenn er zurückkommt, so handelnd findet. Er handelt, er tut, was er kann, im Wissen darum, dass ihm dabei auch Fehler unterlaufen. Aber dieses Wissen hält ihn nicht davon ab, es trotzdem immer wieder anzupacken.
Wenn Gott uns annimmt, ist es immer Gnade, nicht unser Verdienst. Und dass er uns schon angenommen hat, alle, die ihm vertrauen, ist seine Zusage an uns!
Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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