Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Matthäus 22,15-22
zur Euro 08
29. Juni 2008
Kirche Mönthal
Pfrn. Chr. Straberg


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Matthäus 22,15-22 ... gehalten zur Euro 08

15 Da gingen die Pharisäer hin und hielten Rat, wie sie ihn in seinen Worten fangen könnten; 16 und sandten zu ihm ihre Jünger samt den Anhängern des Herodes. Die sprachen: Meister, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und lehrst den Weg Gottes recht und fragst nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen. 17 Darum sage uns, was meinst du: Ist's recht, dass man dem Kaiser Steuern zahlt, oder nicht? 18 Als nun Jesus ihre Bosheit merkte, sprach er: Ihr Heuchler, was versucht ihr mich? 19 Zeigt mir die Steuermünze! Und sie reichten ihm einen Silbergroschen. 20 Und er sprach zu ihnen: Wessen Bild und Aufschrift ist das? 21 Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! 22 Als sie das hörten, wunderten sie sich, ließen von ihm ab und gingen davon.

Predigt, Teil 1

Liebe Gemeinde!
Fussball, das hat unsere letzten Wochen grösstenteils bestimmt. Und so will ich diesem Phänomen ein wenig nachgehen - am besten fragen wir doch einfach mal die hier Anwesenden:

Wer hat denn in den letzten Wochen am Euro-Fieber teilgenommen?
Spiele geschaut?
Panini-Bildli gesammelt?
Welche Mannschaft unterstützt?
Gab es einen ganz schönen Moment bei der Euro?
Und gab es auch einen ganz traurigen?

Und nun zum Fussball an sich:
Spielt jemand selber?
Oder eine andere Sportart?
Und was ist wichtig, wenn man Fussball spielt?
Was braucht man, was braucht es?
Was versucht ein Trainer zu erreichen?

Am besten ist es ja, wenn man mal einen Fan interviewen würde - und ich habe dafür einen hierher bestellt:

Rudi Meier, sie sind ein ausgewiesener Fan vom FC Aarau - wie geht es einem Menschen, der so ein expliziter Fussballfan ist?

Wie ist es, wenn die eigene Mannschaft gewinnt?

Und was machen Sie, wenn Sie verliert? Der FC Aarau hat es da ja besonders schwer?

Wäre es da nicht einfacher, sich eine erfolgreichere Mannschaft auszusuchen?

Warum halten sie ihr die Treue?

Was zeichnet ihrer Meinung nach einen echten Fan aus?

Vielen Dank für das Gespräch!!

Und wir machen jetzt das, was viele Fans beim Spiel machen, wir singen:

Lied RG 536, 3-4: Gott hät die ganz wiit Wält

Predigt, Teil 2
Wir haben jetzt ganz viel über Fussball gehört und gefragt, jetzt sind wir ja im Gottesdienst in einer Kirche. Und eigentlich geht es in der Kirche ja um den Glauben.

Da finde ich es nun spannend, auch da mal nachzufragen:
Was zeichnet denn den Glauben aus?
Was braucht es, damit man glauben kann?
Was gehört zum Glauben dazu?

Diese Fragen sind viel schwerer zu beantworten, nicht wahr?
Genau deswegen sind auch Gottesdienste so wichtig, damit man immer wieder Anregungen für den eigenen Glauben bekommt, Anstösse und vielleicht auch mal die ein oder andere Korrektur.

Was kann uns der Glaube denn nun zum Fussball sagen.

Also als erstes: Fussball und Glauben, das sind zwei grundverschiedene Dinge.
Fussball, das ist eine wunderbare Sache, etwas, das uns Menschen geschenkt ist, die Freude am Spiel, am Miteinander. Aber Fussball ist keine Religion.
Aber Papst Johannes Paul II, der Vorgänger des jetzigen Papstes, sagte einmal:
Fussball ist Nebensache, aber die schönste Nebensache der Welt.
Ob ihm da alle zustimmen, ich weiss es nicht, aber viele bestimmt.
Und ich finde, das drückt sich auch in der netten Erzählung aus, die ich im letzten Kirchenboten in der Andacht aufgeschrieben habe, als Jesus mit ein paar Freunden ein Fussballmatch besucht. Er war noch nie bei einem Spiel - und so nahmen ihn seine Freunde mit. Es war ein wildes Spiel. Als die eine Mannschaft das erste Tor erzielte, schrie Jesus laut Beifall und warf seine Kappe in die Luft. Kurze Zeit später machte die andere Mannschaft den Ausgleichstreffer. Jesus jubelte wieder und klatschte begeistert. Das verwirrte den Mann hinter ihm. Er klopfte Jesus auf die Schulter und fragte: "Für welche Mannschaft sind sie denn, guter Mann?"
"Ich", erwiderte Jesus, den das Spiel mittlerweile sichtlich aufregte, "oh, ich bin für keine Mannschaft. Ich bin bloss hier, um das Spiel zu geniessen."

Das Spiel geniessen - die schönen Dinge des Lebens geniessen, das konnte Jesus und das sollen wir auch. Und so dürfen wir uns für den Fussball und für die Euro begeistern. Und vielleicht können uns gewisse Dinge, die ihr eben vom Fussball erzählt habt, auch für den Glauben helfen:
Die Begeisterungsfähigkeit,
die Bedeutung des Trainings, der Ausdauer,
nicht aufgeben, gerade in den scheinbar aussichtslosen Spielen,
das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren,
der Teamgeist und die Vielfalt der Spieler, die nur alle zusammen eine gute Mannschaft sein können,
und gerade jetzt an der Euro die vielen Länder, die alle zusammen spielen und die sich so besser kennen lernen,
die Treue von Fans, gerade auch zu den Mannschaften, die nicht immer so brillieren

Vieles davon kann uns in unserem Glaubensleben Vorbild sein. Vieles brauchen wir in unserer Gemeinde auch, damit wir wirklich leben, was unseren Glauben ausmacht:
Liebe und Treue, Gemeinschaft und gegenseitige Unterstützung.
Und auch unser Glaube braucht immer wieder Training und Ausdauer und Durchhaltevermögen, wenn es mal nicht so läuft.
Aber im Glauben geht es dann auch um die entscheidenden Dinge im Leben - was mein Ziel im Leben ist, wie ich leben will, die Menschen, mit denen ich mein Leben teile, Familie und Freunde - es geht um Gott, der mich geschaffen hat und den ich nicht sehen kann, aber der zu uns auf vielfältige Weise spricht - aber nicht immer einfach und nicht immer leicht zu verstehen.

Und so finde ich den Text, den ich für die Lesung ausgesucht habe, für diese Fragestellung ganz passend:
Kaiser haben wir nicht (es ist ja nicht der sogenannte Kaiser Franz Beckenbauer gemeint), aber man kann den Satz schon ein wenig umschreiben:
Gebt dem Fussball, was dem Fussball gehört - das ist völlig in Ordnung und gut so,
aber vergesst nicht, Gott zu geben, was Gottes ist!
Also, nicht zu vergessen, dass es in unserem Leben um einen tieferen Sinn geht, als welche Mannschaft den Euro-Titel holt oder wer Torschützenkönig wird.
Es geht um mein Leben und um das, was Gott sich für mein Leben gewünscht hat. Es geht um nichts mehr als um das, was kommt, wenn dieses Leben zu Ende ist.
Gottes Reich, wie es so schön heisst, unser Leben bei ihm, für immer, für uns und für die Menschen, die wir lieben und die auf dieser Erde leben.

Und wenn wir das glauben und im Herzen tragen und begreifen, dann kann unser Glaube wiederum einem Ereignis wie die Euro auch etwas geben.

Denn die Gedanken von Fairplay, von einem guten und friedlichen Miteinander, der Kampf gegen Rassismus, Intoleranz und Vorurteile stammt nicht aus dem Fussballspiel. Das sind zutiefst christliche Gedanken und Wünsche.
Und so ist die Aktion "Send an angel" - schicke einen Engel entstanden.
Vor den wichtigen Spielen sollen Luftballons mit unseren Wünschen für die Euro, aber auch für die Zeit danach in die Luft geschickt werden.
Wünsche, die ausdrücken, dass wir uns eine friedliche Euro wünschen, mit fairen Spielen, mit ausgeglichenen Fans, mit der Chance, ein Zeichen für die Verständigung zwischen den vielen verschiedenen Nationen zu setzen.
Denn es ist ja auch eine Chance, wenn sich so viele verschiedene Menschen in zwei Ländern versammeln, um gemeinsam Fussballmatche zu schauen.
Und diese Wünsche und noch andere, die sie und ihr auf dem Herzen habt, wollen auch wir heute nach dem Gottesdienst zum Finalspiel der Euro in die Luft schicken.

Wir haben Luftballons vorbereitet, die wie Engel in alle Himmelsrichtungen fliegen sollen und Versöhnung, Frieden und ein fröhliches Miteinander in die Herzen der Menschen tragen sollen.
Ein Zeichen des Friedens, für den unser Glaube einsteht - nicht nur in den grossen Stadien, sondern auch hier, in Mönthal!

Lied RG 536, 5-6: Gott hät die ganz wiit Wält

Predigt, Teil 3
Fussball und Glaube - zwei Welten, die sich nicht so fern sind, wie man manchmal meint.
Und so möchte ich als letztes in meiner Predigt einen Text vorlesen, der auf ironische Weise versucht, das Leben der christlichen Gemeinde fussballerisch zu sehen:

Die erste Mannschaft wurde vor ungefähr 2000 Jahren aufgestellt.
Sie hatte ursprünglich 12 Spieler und den Gründer; aber einer ist wegen einer Bestechungsaffäre ausgestiegen. Da waren es nur noch elf. Die Zahl gilt heute noch!
Nach dem Aufstieg des Vereinsgründers bildeten sich aus der ersten Mannschaft noch viele weitere Vereine. Obwohl noch ziemlich unstrukturiert - das sollte sich aber bald ändern - hatten sie bald viele Fans. Denn ihr Spiel gefiel und eröffnete neue Perspektiven.
Doch wie es meistens so kommt: aufgrund unterschiedlicher Spielauffassung trennten sich einige Vereine und entwickelten eigene Satzungen. Im Prinzip hielt man sich an die Leitidee des Gründers, änderte aber die Mitgliedschaftsbedingungen und vor allem das Trikot.
Es gibt einen grossen Verein, da sitzt der Boss in Rom. Von dort werde die zurückgepfiffen, die zu weit vorpreschen. Das gilt auch für die, die im Abseits stehen.

Die Mitglieder jedes Vereins haben ihre bestimmten Funktionen. Da ist die grosse Masse der Anhänger, die sich oft nur daran erinnern, dass sie zum Verein gehören, wenn ein ganz grosses Spiel ansteht. Meist das Endspiel.
Oder sie kommen nur einmal im Jahr ins Vereinslokal - zur Weihnachtsfeier. Doch dieses Anhängerinnen und Anhänger sind wichtig, sie tragen den Verein mit!
Manche treten auch aus dem Verein aus, weil ihnen der Beitrag zu hoch ist, oder weil die Mannschaft nicht so spielt, wie sie sich das vorgestellt haben.

Den Kern des Vereins bilden die Aktiven und die Trainer. Das sind die, die die Arbeit machen oder machen sollten. Manche Vereine haben nur einen Trainer, es gibt auch welche mit zwei. Aber ist bei zwei einer zuvielů
Alle Paar Jahre wählt man einen Vorstand, der beschliesst, was getan werden soll. Er hat auch einen Vorsitzenden. Laut Statut soll sich der Vorstand mit den Trainern abstimmen und zusammenarbeiten.
Viele Trainer haben aber ganz eigene Vorstellungen in punkto Zusammenarbeit. Manche agieren mit System, andere verlassen sich sehr auf ihre Spontaneität, wieder andere trainieren alleine und verzichten am liebsten auf die ganze Mannschaft.

Wichtige Funktionen haben der Platzwart und der Einheizer.
Der Platzwart muss dafür sorgen, dass die Mannschaft beim Heimspiel auf einem gepflegten sauberen Platz spielen kann. Ausserdem verteilt er die Liedtexte, die während des Spiels gesungen werden und bedient die Anfeuerungsglocke. Die meisten Platzwarte sind höchst sensible Persönlichkeiten. Sie mögen es nicht, wenn sie was aufs Dach bekommen oder die Vereinsmitglieder ständig nach dem Schlüssel fürs Vereinslokal fragen.
Da hat es der Einheizer einfacher. Sein Einsatz spielt sich besonders im Vereinslokal ab. Er beobachtet genau den Spielverlauf und hält ständig Blickkontakt mit dem Trainer, um dann per Tastendruck die Zuschauer zu Hymnen und Vereinsliedern zu animieren.
Zurück zu den Spielern. Es gibt auch Spieler, die die Regeln nicht beachten, denn nicht jeder ist ein Mannschaftsspieler.
Da gibt es Solisten, Dirigenten und Individualisten. Manche treten gern andere vors Schienenbein. Oft schiesst auch einer quer oder ein Eigentor Wenn die Mannschaft am Ball bleibt und sich gut zuspielt, gibt das Punkte. Und wer genügend Punkte kriegt, steigt nicht ab.
Letztendlich ist der Glaube an die Eintracht für jede Mann- und Frauschaft von elementarer Bedeutung. Welcher Fussballverein hört schon gerne, dass er die kleinste Brauerei mit elf Flaschen ist.
Und so bleibt es dabei: Der Ball ist rund und das Leben geht weiter!

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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