Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Matthäus 11,2-6
13. Dezember 2009
Kirche Bözberg
Pfrn. Christine Straberg


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Matthäus 11,2-6

Als aber Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er seine Jünger und ließ Jesus fragen:
Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?
Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht:
Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.

Liebe Gemeinde!

Advent ist die Zeit des Wartens. Warten auf Weihnachten.

Wer erinnert sich nicht in dieser Zeit an die eigene Kindheit, als die Tage bis Weihnachten so endlos langsam vorbeigingen.
Warten ist gar nicht immer so einfach.

Aber spannender finde ich heute Abend die Frage:
Worauf warten wir eigentlich?
Auf Weihnachten, klar.
Aber was meint das? Auf Weihnachten warten?
Worauf wartest du, wenn du auf Weihnachten wartest?
Oder wartest du etwa schon gar nicht mehr?

Worauf warte ich an Weihnachten?
Wenn ich mich zurückerinnere, als Kind, dann waren das natürlich die Geschenke -
und dennoch das Warten auf Weihnachten war noch ein ganz anderes als z.B. auf den Geburtstag, an dem es ja auch Geschenke gab - und zwar nur für mich!

Nein, Weihnachten war mehr - war besonders.

Die ganze Atmosphäre -
die Vorbereitungen,
dass auch ich Geschenke vorbereitet hatte,
am Heilig Abend der Baum und auch der Gottesdienst.
Die Weihnachtslieder, die gesungen wurden.
Alle waren festlich angezogen,
es gab etwas ganz Besonderes zu essen.
Es war eine ganz besondere Stimmung in der Familie.
Weihnachten, das war schon als Kind mehr, als nur die Geschenke.

Aber was ist nun dieses Mehr?
Ist es nur die Atmosphäre? Der Zauber des drumherum?

Was er-warten wir von Weihnachten?
Was wünschen wir uns an Weihnachten?

Es gibt Schlagworte, die immer mit Weihnachten zusammengebracht werden:

Das Fest der Liebe und der Hoffnung.

Und das schürt Erwartungen.
Ja, sehr hohe Erwartungen werden an die Familien an Weihnachten gestellt.

Es ist nicht immer einfach, damit umzugehen - und in manchen Familien wird so aus dem Fest der Liebe regelmässig ein handfester Streit - weil der grosse Druck enormen Stress aufbaut.

Das Fest der Hoffnung und der Liebe - wenn es nur als Erwartung daherkommt, dann ist das für uns Menschen eine Überforderung.

Und es gibt noch ein Schlagwort:

Es ist das Fest des Lichtes in der Dunkelheit.

Mitten in der dunkelsten Zeit des Jahres werden Kerzen angezündet, werden Lichter entflammt, versuchen wir es hell werden zu lassen.

Und auch hier - wenn es nur bei diesen Schlagworten bleibt, dann scheitern wir daran.
Dann bleibt es trotz aller Lichter dennoch dunkel - in den Herzen.

Es ist dieses Mehr - dieses Mehr, dass aus Weihnachten etwas Besonderes macht.

Und dieses Mehr lässt sich nicht einfach in Schlagworten fassen. Diese Mehr kommt uns von aussen zu. Dieses Mehr wird uns zugesprochen.

Dieses Mehr ist genau das, worauf alle Menschen warten.
Schon immer.
Und vielleicht können wir uns ihm nähern, wenn wir auf das hören, was wir eben in den Lesungen aus der Bibel gehört haben.

Als Johannes Jesus fragt:
Bist du es, oder sollen wir auf einen anderen warten?

Das ist die Grundfrage von Weihnachten.

An Weihnachten feiern wir das Fest der Geburt Jesu.
Und wir können fragen wie Johannes:
Bist du es oder sollen wir auf einen anderen warten?

Und dann hören wir von Jesus Worte, die schon viele hundert Jahre vor ihm als Vision des Propheten Jesaja niedergeschrieben wurden:

"Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden.
Dann werden die Lahmen springen wie ein Hirsch, und die Zunge der Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande.

Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen."

Das Fest der Liebe und der Hoffnung,
das Fest des Friedens und des Lichtes -
ist nicht diese Vision des Jesaja und das, was Jesus getan hat, ist nicht genau das das tiefe Sehnen und Hoffen, das sich im Warten auf Weihnachten ausdrückt?
Wenigstens einmal im Jahr genau das erleben - echten Frieden, wahre Liebe, wirkliche Freude?
Ungetrübt und vorbehaltlos - so wie es Kinder können.

Ist es nicht genau das, wonach wir uns alle sehnen?

Nicht irgendeine Hoffnung, nicht etwas, was wir Menschen uns erfüllen oder schenken könnten.
Nein, etwas Grösseres:

Unser Leben, wie es sein könnte, unsere Welt, wie Gott sie sich gewünscht hätte.
Keine reissenden Tiere, kein Hunger, kein Durst, niemand, der leiden muss.

"Bist du der, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?"

Was würden wir heute auf die Frage von Johannes antworten?

Jesu Antwort war eindeutig:
Blinde sehen, Lahme gehen, und Armen wird die frohe Botschaft verkündigt.

Nun, wir haben immer noch Blinde und Lahme, Traurige und Einsame.
Müssen wir weiter warten?

Aber auch:
Armen wird die Frohe Botschaft verkündigt....
Und auch uns wird die Frohe Botschaft verkündigt!

Von der Geburt eines Kindes in einer Krippe - Gott mitten unter uns, in Windeln und brüllend wie jeder andere Säugling auch.

Gott, der unsere Wege geht, unser Leben lebt, unsere Freuden und Schmerzen erfährt.

Immanuel - Gott mit uns. Gott im Hier und Jetzt.
Auch heute, an diesem 3. Advent.

Das feiern wir an Weihnachten!:

Dass Gott uns so nahe kommt, wie es näher nicht geht.
Dass er nicht im Himmel auf uns wartet, bis wir zu ihm kommen, am Ende unseres Lebens.
Sondern, dass er bei uns ist.
Jetzt - und auch an Weihnachten.

Das Kind in der Krippe, Gottes Sohn, das ist jedes Jahr aufs Neue ein Hoffnungszeichen.

Hoffnung, die sich aus einer Quelle speist, die tiefer ist als unsere menschlichen Versuche, ein wenig Frieden und Freude in die Welt zu bringen.

Müssen wir auf einen anderen warten?

Nein, ganz sicher nicht.
Aber wir dürfen jedes Jahr wieder auf den Tag warten, wo uns diese Frohe Botschaft auf ganz besondere Weise zugesprochen wird.

An dem wir auf ganz besondere Weise spüren dürfen:
Gott ist uns nahe gekommen. Er ist mitten unter uns, ein Kind in der Krippe.

Wir dürfen alle unsere Sinne darauf richten und das Besondere erleben - das wir als Kinder schon geahnt und in unseren Herzen getragen haben.

Versucht, diese Gefühle wieder lebendig werden zu lassen!

Und dann ist Weihnachten nicht nur das Fest der Familie, sondern es ist das Fest der ganzen Welt.

Hoffnung auf Gottes Reich des Friedens, auf Gottes Liebe, auf Gottes Licht in unserer Dunkelheit.

DAS ist Weihnachten.

Und das dürfen wir zuallererst in unseren Familien feiern, aber es ist grösser und umfassender.
Wir sollen diese Freude teilen und weitergeben.

So wie wir sie heute weitergeben und teilen - mit Musik und Gesang, mit dem Teilen von Gottes Wort und gleich bei fröhlicher Gemeinschaft beim Essen.

Wir warten auf Weihnachten.

Lasst uns das mit einem frohen Herzen tun, denn es lohnt sich, auf Weihnachten zu warten!

Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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