Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Markus 6,31
19.07.2009
Kirche Bözberg
Pfrn. Christine Straberg
Kath. Pfr. Tobias Häner


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Markus 6,31

Und er sprach zu ihnen: Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruht ein wenig. Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht Zeit genug zum Essen.


Ein Predigt-Anspiel im ökumenischen Gottesdienst mit Pfrn. Christine Straberg (CS) und Pfr. Tobias Häner (TH), Vikar der Kath. Kirchgemeinde Brugg.

unter der EmporeTH
(spricht ins Handy) Wann sagten Sie? Morgen 19 Uhr? Einen Moment, nein, das geht nicht, dann bin ich besetzt - ja, verstehe - ich rufe Sie später zurück - Danke, wiederhören.
Wie spät ist es denn? (schaut auf die Uhr) Herrje, ich bin schon wieder verspätet! Jetzt nur noch schnell - und dann - aber nein, so geht das nicht weiter!
Es muss sich etwas ändern! Immer dieser Stress! Immer diese Hetzerei! So kann das doch nicht weiter gehen!


CS
(kommt herzu)
Ja, hoi, was ist denn los mit dir? Ich erkenne dich ja gar nicht mehr wieder! Du bist ja völlig im Stress und so ausgelaugt! Meine Güte, du Armer! Meinst du, dass du das noch lange so durchhälst?

TH
Ja, so geht es nicht weiter, ich bräuchte Stille und Ruhe! Aber wie soll das denn gehen? Und überhaupt: Ich bin ja schon wieder verspätet, und das Handy klingelt schon wiederů

CS
Dann mach das Handy doch einfach mal aus! Ja, genau, es gibt auch einen Ausschaltknopf, wenn es gar nicht anders mehr geht! Diese dauernde Erreichbarkeit, das kann doch nicht gut sein! Ruhe und Stille bekommt man nicht mit dem Handy am Ohr und der Arbeit im Nacken.
Du musst dich entspannen, du brauchst mal eine Pause, nur Zeit für dich. Vielleicht kommst du einfach mal mit, ein kleiner Ortswechsel tut dir bestimmt gut!
(sie gehen los nach vorne)
Weisst du, so ein Ortswechsel, der ist immer gut.Schon Jesus hat es mal seinen Jüngern empfohlen, als sie völlig erschöpft zu ihm gekommen sind. Sie sollten zusammen an einsamen Ort gehen und dort ein wenig ruhen. Ein weiser Vorschlag! Vielleicht hilft der dir auch! (vorne)
Schau mal, hier ist es schön ruhig, es gibt sogar zwei Liegestühle! (Stühle aufbauen). Komm, ruh dich ein wenig aus. Ich lege mich auch hin. Vielleicht kommst du so ein wenig zur Ruhe.
(TH bewegt sich dauernd im Stuhl, schaut unentwegt auf die Uhr)

CS
Was ist denn mit dir? Du sollst dich ausruhen, nicht Gymnastik machen! Das ist doch keine Ruhe, du bist ja unruhiger als vorhin!

TH
So funktioniert das nicht. Ich verschwende hier meine Zeit. Dieses Nichtstun strengt mich noch mehr an als der Stress zuvor. Dieses "Ausruhn" macht mich ganz nervös.

CS
Aber woran liegt das?

TH
Ich kann nicht einfach so daliegen und nichts tun. "Abschalten" - das geht nicht so einfach, wenn einem dauernd Gedanken durch den Kopf gehen. Die kann man nicht einfach "abschalten" wie das Handy oder den Fernseher. Ich brauche etwas, um mich zu sammeln, etwas, worauf ich mich konzentrieren kann, das meine Aufmerksamkeit sammelt.

CS
Ach, das ist eine gute Idee. Na ja, bei den Jüngern damals war ja auch Jesus dabei und vermutlich haben sie dort auch mehr gemacht, als nur im Liegestuhl gelegen. Ich habe eine Idee, was dir vielleicht besser helfen kann beim Abschalten und zur Ruhe finden. Komm mal mit, wir gehen noch ein Stückchen weiter. (gehen in den Chorraum) Siehst du, hier ist auch Ruhe und Stille, aber es gibt noch ein bisschen mehr. Hast du dir die Fenster mal genauer ansgeschaut? Sie sind nicht nur wunderschön, sondern sie erzählen uns auch aus dem Leben Jesu. Die wichtigsten Stationen seines Lebens, die Geburt, sein Tod, die Auferstehung und dann Pfingsten. Es ist sehr eindrücklich. Setz dich einfach mal hin, und schaue. Vielleicht findest du hier ausser Ruhe und Stille auch noch die Inspiration, die du brauchst.
(im Chorraum, auf Stühlen)

TH
Weisst du was? Schon oft bin ich hier vorbeigekommen, aber ich habe diese Fenster noch gar nie richtig angeschaut. Es ist richtig spannend, genau hinzuschauen, Zeit zu haben, um zu verweilen. Und mir scheint fast, durch diese Fenster spricht jemand zu mir - und ich kann hören und antworten.

CS
Ja, das stimmt. Wenn man so zur Ruhe kommt, diese Fenster meditiert, dann wird man aufmerksam auf die Dinge, die tiefer gehen. Dann wird das innere Ohr geöffnet für die Stimme Gottes. Wenn wirklich Ruhe in mein Herz einkehrt, dann sind meine Sensoren sensibilisiert für den, der hinter allem steht. Auch Jesus brauchte diese Art der Ruhe, um mit Gott in tieferen Kontakt zu kommen. Ruhe und Stille gehören dazu, wenn ich zu mir selber finden will. Wenn ich zu meinen Wurzeln, zu meiner inneren Kraft finden will. Und dazu gehört, so finde ich jedenfalls, dass ich auch wieder die Stimme Gottes in mir höre.
Versuch es doch einfach mal.
(Stille und schauen)

CS
Und - wie geht es dir jetzt?

TH
Es geht mir schon viel besser. Ich spüre, ich finde wieder Kraft. Ja, ich habe sogar wieder richtig Lust, etwas anzupacken. Ich glaube, es wird langsam Zeit, wieder zurückzukehren, zurück in den Alltag. Ich freue mich fast schon darauf.

CS
Das ist doch wunderbar! Genauso soll es sein - dass du nach einer Zeit der Ruhe und Stille wieder gestärkt zurückgehen kannst in den Alltag. So wie Jesus und seine Jünger auch wieder zu den Menschen gegangen sind. (wir gehen los) Gut, bei der Geschichte aus dem Markusevangelium hatten sie ausser der Bootsfahrt auch keine weitere Ruhe, aber das war auch schon eine Auszeit. Und Jesus war das immer wieder wichtig und vermutlich auch nötig: Um im Alltag wieder voll da zu sein, braucht es diese Momente der Auszeit. Bei Jesus waren es oft Bergtouren. Alleine und auch mit seinen Jüngern ist er in die Einsamkeit gegangen, eben oft auf einen Berg, und dort waren sie Gott ganz nahe, dort haben sie zu Gott und damit auch wieder zu sich gefunden.
Wenn ich ruhig werde, wenn ich mir Zeit nehme, erfahre ich die Geborgenheit, die Gott mir schenken will.
Dann erlebe ich vielleicht auch, wie Gott Dinge zum Guten wendet; dass der riesige Berg mit Problemen, der vor mir steht, gar nicht so unbezwingbar ist. Dann kann ich vielleicht den Stress abbauen und meine Arbeit wieder gut und freudig machen, so wie du jetzt. In dem Wissen, dass alle Zeit meines Lebens, in der Ruhe und auf der Arbeit, Zeit von Gott ist, die er mir geschenkt hat.
Und wenn du dich gestärkt genug fühlst, kannst du dein Handy auch wieder anschalten...
(zurück unter Empore)

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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