Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Markus 16,1-8
12.04.2009
Kirche Mönthal
Kirche Bözberg
Pfrn. Chr. Straberg


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Markus 16,1-8

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. 2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. 3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? 4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. 5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. 6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. 7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. 8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Liebe Gemeinde!
Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!
Dieser uralte Ostergruss wird voller Jubel und Freude durch die Jahrhunderte weitergeben.
Leben und Hoffnung sprechen aus diesen Worten, wie kann man anders als sich freuen und singen!

Wie kann man anders?
Man kann anders und man hat es anders getan!

Vielleicht ist es ihnen schon aufgefallen, als wir auf den Osterbericht von Markus gehört haben.
Der endet nämlich nicht mit Freude und Jubel, sondern mit Angst und Furcht und Schweigen.
So endete bei Markus auch ursprünglich das ganze Evangelium.

Und ich habe das Gefühl, dadurch wird die Osterbotschaft ganz menschlich dargestellt, ganz ungeschminkt.

Markus hat mit Schweigen, mit Furcht und Zittern geendet.
Er möchte uns mit auf den Weg nehmen, mit auf den Weg, den die drei Frauen am Ostermorgen gegangen sind.

Und auch ich möchte heute morgen auch mit auf diesem Weg der drei Frauen gehen, der beiden Marias und Salome, den Weg, den sie am Ostermorgen gegangen sind.

Alles fing am Ende des Sabbats nach Jesu Tod an:
1 Und als der Sabbat vorüber war, kauften Maria von Magdala und Maria, die des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.

Zwei Tage nach dem Tod Jesu gehen sie auf den Friehof.
Vielleicht haben Sie auch noch die Szene auf Golgotha vor Augen und Ohren, die Schmerzensschreie, der Tod, die Verzweiflung.
Der Sabbat danach muss für diese Frauen, die den Tod miterlebt hatten, ein schrecklicher Tag gewesen sein.

Ein Tag der Totenruhe;
Zeit, die still steht;
Schmerz und Verzweiflung, die lähmen.

Der Tod hat diesen Frauen alle Hoffnung geraubt:
ein junger Mann, der ihnen eine neue Zukunft versprochen hatte, der das lebte, was er sagte, dieser Mensch war nun tot.

Und sie haben auch noch miterlebt, wie er langsam und qualvoll starb. Grausamer kann das Schicksal nicht sein.
Was tut man, wenn man so etwas miterlebt?

Sich verkriechen und verstecken, so wie es die Jünger taten, schon vor seiner Kreuzigung, das wäre eine Möglichkeit.

Die andere Möglichkeit ist, hinzugehen, dabei zu sein, der Person nahe zu sein, auch nachher noch, am Grab.
Das tun die Frauen, und das tun auch viele andere Menschen:

zu dem Toten hingehen, an sein Grab, ihm nahe sein und so die Erinnerungen bewahren, den Toten wenigstens im Herzen lebendig halten. Sich so ein wenig aus der Starre reissen, in die der Tod versetzt.

Und so gingen sie also los.

2 Und am frühen Morgen, am ersten Tag der Woche, kommen sie zum Grab, als die Sonne aufgeht.
3 Und sie sprachen untereinander: Wer wird uns den Stein von der Tür des Grabes abwälzen?

Es ist kein fröhlicher Osterspaziergang im taufrischen Gras mit der warmen Sonne im Gesicht. Nein, es war ein düsterer Gang zum Grab. Wer weiss, ob die Frauen die Sonne überhaupt wahrgenommen haben, die ihnen doch ein Licht auf ihrem dunklen Weg sein könnte.
Die drei sind fixiert auf ihre Sorgen. Ihr Blick ist nach unten gerichtet. Sie reden miteinander über diese Sorgen, die sich in dem Satz ausdrücken: Wer wird den Stein wegwälzen?

Dieser Satz ist natürlich ganz realistisch gemeint.
Die Gräber damals waren Höhlen, in die man hineingehen konnte. Der Eingang wurde dann mit einem Stein verschlossen, damit kein Tier hineinkommen konnte.
Diesen Stein mussten die Frauen wegwälzen, um Jesus ihren letzen Liebesdienst erweisen zu können.

Aber der Stein kann auch im sprichwörtlichen Sinne für alle Steine stehen, die auf unseren Herzen bis heute lasten, die auf den Herzen aller Trauernden lasten.
Steine, die mir die Luft zum Atmen nehmen, die mich erstarren lassen unter ihrem Gewicht.
Steine, über die ich nicht hinwegsehen kann.
Ängste, Sorgen Nöte, die den Blick aufs Leben verstellen, die mir alle Hoffnung abdrücken.
Wer wird uns den Stein wegwälzen?

4 Als sie aufblickten, sehen sie, dass der Stein abgewälzt war; denn er war sehr gross.

Verstrickt in ihre Sorgen und Trauer, sehen die Frauen lange Zeit nicht auf. Sie können den Blick nicht heben. Sie meinen ja auch zu wissen, was sie vorfinden werden.
Der Tod ist doch das Einzige, das hundertprozentig sicher ist.

Und so heben sie den Blick erst kurz vor dem Grab - und erleben eine erste Überraschung: Der Stein, der so gross ist, ist schon weggewälzt!
Da beraten sie noch so lange über diesen Stein, und dann ist er gar nicht mehr ihr Problem!

Ist das nicht typisch für uns Menschen? Wir beschäftigen uns so intensiv mit unserem Problemen, dass wir gar nicht merken, dass das eigentliche Problem gar nicht mehr existiert!

Was mag in dem Moment in ihnen vorgegangen sein?
Und was der weggewälzte Stein bedeuten mag, das wissen sie ja nicht.
So werden sie mit furchtsamen Herzen ganz vorsichtig in die Grabhöhle hineingegangen sein:

5 Und sie gingen in das Grab hinein und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein leuchtend weisses Gewand an, und sie entsetzten sich.
6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferweckt worden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.
7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er euch vorangehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

Entsetzt euch nicht - der Schrecken muss den Frauen im Gesicht gestanden haben.
Eine leuchtende Gestalt, die mit ihnen spricht.

Die ihnen Dinge sagt, die ihren Gang zum Grab völlig gegenstandslos machen, die ihre Trauer gegenstandslos machen.

Was der Engel sagt, ist die Osterbotschaft, die Botschaft, die allen Menschen Hoffnung und Leben bringt:

"Ihr sucht den Nazarener Jesus, den Gekreuzigten. Er ist auferweckt worden, er ist nicht hier."

Mit allem haben die Frauen gerechnet, aber nicht damit:
Nicht mit dem Leben.
Nicht mit dem Leben, das alles aufhebt, was sie die letzten Tage über hat erstarren lassen.
Nicht mit dem Leben, das alles bestätigt, was Jesus getan und gesagt hat.

Jetzt werden sie konfrontiert mit der Botschaft, die sagt:
Hier hat Gott gehandelt.
Hier hat Gott gesagt: das ist mein Sohn.
In ihm bin ich in eure Todesängste, in euren Tod gegangen und habe ihn überwunden.
Die Kreuzigung war kein dummes Missgeschick, sie war der letzte Weg Gottes auf dieser Erde in unseren menschlichen Grenzen.
Was hier geschehen ist, sprengt die Grenzen aller menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit und Erkenntnis.

Aber der Engel bleibt nicht dabei stehen.
Er beauftragt sie zugleich, das auch weiterzusagen:

Und zwar als erstes den Jüngern und Petrus.
Also denen, die sich verkrochen haben, denen, die Jesus nicht die Treue gehalten haben, sondern die geflohen sind, ja, die ihn verleugnet haben.

Auch für sie ist Jesus gestorben und wieder lebendig geworden.
Es ist kaum zu glauben, aber wahr!
Es gibt keine Voraussetzung
wie besonders treue Ergebenheit, tapfer bei ihm gestanden bis zum Schluss.
Nein, so wie Jesus schon zu Lebzeiten zu den Verlorenen und Ausgegrenzten ging, zu den Abgeschrieben, so bleibt er auch als Auferstandener dem treu, was er in seinem Leben gelehrt hat.

Also doch: Nichts wie hin zu den Jüngern und auf nach Galiläa, oder?

8 Und die Frauen gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Von wegen: Nichts wie hin.
Nichts wie weg!
Das war die Reaktion der drei Frauen!
Nichts wie weg von diesem Ort!

Die Auferstehungsbotschaft - eine frohe Botschaft, die Jubel und Frohlocken auslösen soll.

Aber nicht hier, nicht bei den Frauen am Grab.

Das leere Grab, das doch der Beginn von Hoffnung und neuem Leben ist, löst bei den Frauen Zittern und Entsetzen aus.

Und können wir das nicht nur zu gut verstehen?

Nach allem, was die Frauen erlebt haben:
der Stein ist weg, das Grab leer und ein leuchtender Bote sagt ihnen Dinge, die alles über den Haufen werfen, was bisher ihr Leben ausgemacht hat.

Auferstehung, das ist nichts, was ich mir so locker sagen lassen kann.
Auferstehung, das wirft alles über den Haufen, was unser menschliches Leben ausmacht.
Die Auferstehung nimmt uns das einzig Verlässliche, den Tod.
Sie zeigt da einen Anfang, wo wir das sichere Ende sehen.
Sie wirft alte Sichtweisen über den Haufen und öffnet uns eine Zukunft, die zwar in hellem Licht liegt, aber so blendend ist, dass wir keine genauen Konturen erkennen können.

Wir müssen uns auf etwas einlassen, dass wir nicht kennen, das wir nur vertrauensvoll glauben können.
Wenn das keine Angst macht!

Nein, kein Wunder, dass sie fliehen und zitternd in der Ecke sitzen und niemandem sagen, was sie da erlebt haben.

Bei Markus endete da das Evangelium.

Und ist dieses schweigende Ende nicht unglaublich beredt?

Es zeigt uns, dass die Auferstehung allein Gottes Handeln und Tun ist und niemals in menschlicher Einsicht gründen kann.

Nur Gott selbst kann das Schweigen und die Furcht der Frauen überwinden, kann unser Schweigen und unsere Angst, von der Auferstehung Jesu zu erzählen überwinden.

Und zugleich nimmt Markus unsere eigenen Gefühle ernst.
Unsere Fragen und Probleme, die uns schweigen machen, die uns den Mut nehmen, unseren Glauben zu leben und zu erzählen.

Die Frauen damals sind geflohen - aber nicht in das Dunkle, sondern sie sind in Gottes Arme geflohen.
Und dann hat Gott diese Frauen ins Leben zurückgejagt.

Aber das ging nicht so schnell.
Gefühle, Trauer, das lässt sich nicht von jetzt auf gleich umdrehen.
Aber aus dem Trauerweg dieser drei Frauen ist ein Lebensweg geworden.
Ein Lebensweg, der mit Angst und Schweigen beginnt, nicht mit Osterjubel und unbändiger Freude.
Aber geendet, geendet hat der Weg, der am Grab begann mit Osterjubel und Freude.
Sie haben es den Jüngern doch noch weitererzählt - und auch die wollten es zuerst nicht glauben.

Und so hat sich dann die Osterfreude ausgebreitet, langsam und nicht plötzlich, bedächtig und Schritt für Schritt.

Und so können wir auch heute morgen die Osterfreude in unsere Herzen lassen -
Schritt für Schritt, in dem Wissen, dass nicht wir es in der Hand haben, sondern dass es allein Gottes Werk ist, wenn wir unterwegs sind auf dem Weg, der uns von Grab und Tod zum Leben bringt.

Auf Ostern kann ich mich nicht vorbereiten, von Ostern muss ich mich überraschen lassen.

Lassen Sie sich überraschen! Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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