Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Lukas 2, 9-14
24. Dezember 2008
Kirche Bözberg
Pfrn. Chr. Straberg


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Lukas 2,9-14

Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Gedanken eines Engels aus den himmlischen Heerscharen:

Wir sind nah dran - ganz nah dran. Näher geht es nicht.
Oft werden wir wohl beneidet, vor allem von Menschen.
Aber ich muss sagen: so einfach ist das hier oben auch nicht immer.
Von unserer Position aus hat man einen guten Überblick - und der offenbart so manches! Und nicht immer Schönes!
Wir Engel sehen vieles, was nicht immer so ist, wie sich Gott das gedacht hat, damals bei der Schöpfung.
Und ich muss zugeben - ich ganz persönlich, als kleiner Engel, der eigentlich nur einer von den vielen Chorsängern ist, ich ganz persönlich bin auch schon einmal sehr ins Zweifeln gekommen.
Das mag verwundern - Engel zweifeln doch nicht!
Tja, auch Engel können denken und so machte auch ich mir so meine Gedanken, während ich singend mit meinen Kollegen durch Raum und Zeit schwebte. Mit Blick auf die Erde und dem, was die Menschen da so alles fabrizierten.
Ich muss sagen, für mich war nach vielen Jahrhunderten klar, dass die Menschen eine Fehlschöpfung waren. Die Idee mit dem eigenen Willen und dem Verstand, die ging einfach nicht auf.
Gott hatte meiner Meinung nach die Menschen total überschätzt!
Na ja, es gab auch die anderen Seiten, vor allem wenn sie klein waren, konnten sie selbst mir das Herz rühren. Aber für meinen Geschmack gab es einfach zu viele, die es nicht schafften, in Frieden miteinander und in Sorge füreinander und für Gottes wunderbare Schöpfung zu leben.
Wir Engel spürten oft, wie traurig Gott war, wenn es wieder Zank, Streit und Krieg auf der Erde gab. Irgendwo war immer etwas nicht in Ordnung.
Also für mich war damals klar, dass Gott das nicht mehr lange mit machen würde.
Und dann kam der Moment, da ich zum ersten Mal in meinem Engelleben zweifelte.
Ob es meinen Kollegen auch so ging, weiss ich nicht. Wir reden nicht oft, wir singen ja meistens.
Aber wie gesagt, ein Engel kann auch beim Singen seinen Gedanken nachhängen.
Jedenfalls gab es auf einmal jede Menge Aufträge an einzelne Engel, etwas auf der Erde zu erledigen, Menschen Gottes Botschaft auszurichten.
Und wie man so munkeln hörte, war es eine unerhörte Botschaft - allerdings das Gegenteil von der, die ich erwartet hätte!
Kein: Bring dich in Sicherheit, mit der Erde ist es vorbei.
Nein, es war das Gegenteil!
Gott selbst wollte als Mensch, als sein eigener Sohn auf die Erde!
Gott wollte den Menschen neue Wege eröffnen!
Gott wollte ihnen zeigen, wie er sich das gedacht hatte, seine Erde und das Zusammenleben der Menschen, und das Verhältnis zwischen Gott und Menschen.
Da wäre ich ja fast aus dem Takt gekommen, als ich das begriff!
Wie kann man nur so verblendet sein!
Oder auch verbohrt und stur!
Es war mir unbegreiflich!
Und dann sollten auch noch wir Engelchöre irgendwelchen Hirten diese Botschaft singen!
Wie gesagt, ich zweifelte - und überlegte, ob Engelsein vielleicht doch nicht immer so toll ist.
Ja, ich gebe es zu, ich wäre am liebsten nicht mitgeflogen. So ein Quatsch, dachte ich mir, völlig sinnlos.
So wie ich die Menschen kennengelernt hatte, konnte da doch nichts draus werden. Gott schien mir ungeahnt naiv.

Aber wie das so ist, Gewohnheit siegt letztlich über Zweifel... Ich bin dann doch mitgeflogen in jener Nacht, habe am Himmel gesungen von der Ehre Gottes und dem Frieden auf Erden für die Menschen - und dann habe ich mich - zu meinem Glück muss ich jetzt sagen - dann habe ich mich heimlich davongeschlichen, als der Rest wieder zurückkehrte.
Ich war einfach zu neugierig, was da passieren würde und wollte es hautnah miterleben.
Und was soll ich sagen - es überwältigte mich!
Denn es war überwältigend schlicht.
Gott hatte sich wieder einmal selbst übertroffen und so schmolzen meine Zweifel dahin.
Dabei war es eben nichts Grossartiges, aber das war ja noch nie Gottes Sache gewesen. Abgesehen von der Erde als Gesamtschöpfung.
Ein einfacher Stall, mehr eine Höhle, mit einfachen Leuten, ein Mann und eine Frau, noch ganz erschöpft von der weiten Reise und der Geburt.
Aber diese beiden strahlten etwas aus - eine Zuneigung, eine Liebe, ein Vertrauen, die zu Herzen gingen. Solche Menschen liebte Gott - und solche Menschen liebten Gott!
Und diese beiden umfingen dieses winzige Geschöpf mit all ihrer Liebe, so dass klar war: so soll es sein. So geliebt soll ein kleiner Mensch werden. So geliebt soll Gott werden.
Und dann kamen sie, denen wir Engel gesungen hatten - auch ganz einfache Menschen, aber rauher, vom Leben gezeichnet, Hirten eben, mit ihren Enttäuschungen und Zweifeln. Und auch ihnen wurde das Herz weit angesichts des erschöpften Neugeborenen, das friedlich in der Krippe schlief.
Und dann stahl sich noch ein - wie man so schön sagt - Engelslächeln auf seine Lippen - und alle schmolzen dahin - ich auch.
Ich bin geblieben, auch als die Hirten wieder gingen.
Ich wollte wissen, was Gott weiter daraus machen würde - als Mensch auf dieser Erde.
Und auch das war, wie üblich, unscheinbar und grossartig zugleich.
Als einfacher Mensch gewann er die Herzen von Menschen, eröffnete ihnen ganz neu, wie sehr Gott sie liebt und was er sich von ihnen wünscht. Aber alles ohne sich zu verbiegen.
Das das nicht gut enden würde, ahnte ich schon bald.
Dennoch war ich zuerst geschockt, als ich sah, wie sein Leben endete - mit seinen Freunden war ich erstarrt vor Schmerz - um dann in umso grössere Freude auszubrechen, als ich begriff, welches Geschenk Gott den Menschen gemacht hat - zu einem Leben in Liebe zu finden bei ihm für immer!
An Ostern flog ich jubelnd wieder zurück.
Und beobachtete wieder aus der Entfernung, wie es weiterging. Natürlich wieder nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte, aber die Hoffnung, die in jener Nacht auf die Welt gekommen war, war stärker als aller Schrecken, stärker als aller Zweifel.
Und seit jener Zeit fliege ich gerne hin und wieder mit den himmlischen Heerscharen zur Erde und singe:
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erde den Menschen seines Wohlgefallens - in der Hoffnung, dass einige, die ganz still sind und mit ihren Herzen lauschen unseren Gesang hören. Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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