Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Lukas 1, 39-50+56
29.11.2009
Kirche Bözberg
Pfrn. Christine Straberg


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Lukas 1, 39-50.56

Bald danach machte sich Maria auf den Weg und eilte zu einer Stadt im Bergland von Judäa. Dort ging sie in das Haus von Zacharias und begrüsste Elisabet.
Als Elisabet ihren Gruss hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde sie vom Geist Gottes erfüllt und rief laut:
"Gesegnet bist du von Gott, auserwählt unter allen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes!
Wie komme ich zu der Ehre, dass die Mutter meines Herrn mich besucht?
Ja, das bist du; denn in dem Augenblick, als dein Gruss an mein Ohr drang, machte das Kind einen Freudensprung in meinem Leib.
Du darfst dich freuen, denn du hast geglaubt, dass sich erfüllen wird, was der Herr dir ankündigen liess."

Maria aber sprach:
"Mein Herz preist den Herrn, alles in mir jubelt vor Freude
über Gott, meinen Retter!
Ich bin nur seine geringste Dienerin, und doch hat er sich mir zugewandt. Jetzt werden die Menschen mich glücklich preisen
in allen kommenden Generationen; denn Gott hat Grosses an mir getan, er, der mächtig und heilig ist.
Sein Erbarmen hört niemals auf; er schenkt es allen, die ihn ehren, von einer Generation zur andern.

Maria blieb etwa drei Monate bei Elisabet und kehrte dann wieder nach Hause zurück.

Liebe Gemeinde, liebe Tauffamilie!

Heute ist erster Advent - noch vier Wochen, dann ist Weihnachten! Von vielen habe ich gehört, dass sie das noch gar nicht richtig realisiert haben - so warm und wenig weihnachtlich wie es im Moment sei.
Aber vielleicht ist es auch so, dass wir uns immer weniger auf den Lauf des Jahres einlassen - abgesehen von den Geschäften. Für viele Menschen ist das so.
Aber manchmal kann sich das auch ändern.
Und oft sind Kinder der Auslöser, dass wir uns wieder mehr den Dingen zuwenden, die wir gar nicht mehr wahrgenommen haben oder nicht mehr für wichtig erachtet haben.
Wenn aber ein Kind mit seinen Fragen und seinen Bemerkungen unserem Leben eine neue Richtung gibt, dann dürfen auch wir unsere Welt nochmal neu entdecken. Und dann eröffnet sich uns der Zauber der Adventszeit wieder ganz neu.
Und vielleicht lassen wir uns in unsere eigene Kindheit zurück entführen, als wir noch die Tage bis Weihnachten gezählt haben und voller Begeisterung mit Advents- und Weihnachtsliedern aus Kindsgi und Schule nach Hause stürzten.
Wir alle waren einmal solche Kinder - und es ist ein Geschenk wenn man später mit Kindern zurückspringen kann in die eigene Kindheit.

Die Adventszeit ist so eine wundersame Zeit, die sich nur dem eröffnet, der sich darauf einlässt.
Aber das ist nicht immer leicht - und für manche auch mit Kindern nicht.

Ist das nun verwerflich, wenn ich merke, ich habe Mühe?
Ich kann mich nicht freuen?

Nein, ganz sicher nicht.

Und vielleicht ist es gut, sich daran zu erinnern, was es wohl mit der Zeit vor Jesu Geburt auf sich hatte, damals, als es soweit war.
Wir haben in der Lesung von Maria gehört, seiner Mutter, und von Elisabeth, einer Verwandten von Maria.
Ihre Schwangerschaft war damals die Adventszeit, wenn man es so nennen will.
Eine Schwangerschaft ist immer so eine Art Adventszeit - gespanntes, aber auch banges Warten auf die Ankunft eines Kindes, mit aller Freude und aller Angst, die dazu gehören.

Für Maria und Elisabeth damals war es nun eine ganz besondere Situation.
Zwei schwangere Frauen, die sich treffen.
Zwei Frauen, die mit ihrer Schwangerschaft ganz besonders herausgefordert sind.
Die eine ist sehr alt - und die andere sehr jung.
Beide wissen, dass es nicht einfach wird, nach der Geburt.

Beide erwarten ganz besondere Kinder - Johannes den Täufer und Jesus, Gottes Sohn.
Beide Kinder werden einen Lebensweg haben, der schwer ist, der unabhängig von der Familie ein Weg Gottes ist.
Ein Weg mit einem gewaltsamen Ende, das für eine Mutter das Schwerste zu tragen überhaupt ist - aber das die beiden Frauen tragen werden.

Denn beide Frauen, Maria und Elisabeth, werden getragen von einem starken Glauben.
Dieser Glaube ist ein solche Kraft, dass er sie schon in ihrer Schwangerschaft erkennen lässt, was kommen kann -
und der sie das Gute sehen lässt -
und der die Lasten des Lebens tragen hilft.

Ein Glauben, der Hoffnung schenkt und Liebe.

Das strahlen diese beiden aus.
Gegenseitige Zuwendung, die sich im Segen ausdrückt, den Elisabeth Maria zuspricht.
Und eine tiefe Freude, die beide erfüllt. Freude darüber, dass Gott sie auserwählt hat, egal was das noch alles für Konsequenzen haben kann.

Diese Frauen haben erlebt und immer wieder erleben dürfen, was die Worte bedeuten, die Jesus einmal gesprochen hat:

Alles ist möglich, dem der da glaubt.

Ihr Glaube hat sie alles tragen lassen, was Schweres auf sie wartete. Und ihr Glaube hat ihnen Freude und Trost geschenkt.
Und in diesem Glauben konnten sie einander zum Segen werden, einander Gutes tun.

Elisabeth segnete damals Maria - und Maria wurde ein Segen - für uns alle. Denn ihr Sohn, Gottes Sohn, der Mensch wurde, lebte unter den Menschen und erzählte von Gottes Liebe und lebte Gottes Liebe. Sein Tod und seine Auferstehung haben uns allen das Leben geschenkt - für immer.

Zwei starke und fröhliche Frauen begegnen uns in der Adventszeit vor so vielen Jahren.

Heute haben wir wieder Advent - und heute taufen wir zwei Mädchen - V. und M. - auch zukünftige Frauen.
Euch ist die Zeit der Erwartung - eure ganz persönliche Adventszeit - noch viel näher als die Vorstellung, dass aus euren beiden kleinen Mädchen einmal zwei Frauen werden.

Sie haben ihr Leben noch vor sich. Zuerst noch sehr eng mit euch als Eltern und Gotte und Götti, später dann immer mehr alleine und eigenständig - bis sie dann vielleicht mit ihrer eigenen Familie ihr Leben planen.

Die Zukunft ist offen - das ist verheissungsvoll, mag aber auch beängstigend sein.

Und so möchtet ihr die beiden taufen lassen in dem Glauben, dass ihr sie damit zurück in Gottes Hände legt, dass ihr eure beiden Gott anvertraut.

Und so ist das, was ich über Maria und Elisabeth erzählt habe, auch euer Wunsch für eure Kinder:
Dass sie im Glauben vertrauensvoll und mutig ihren Weg gehen können.

Und besonders V. wollt ihr mit ihrem Taufspruch Mut machen für ihren Weg ins Leben:
Alles ist möglich dem, der da glaubt.

So wie Maria und Elisabeth sich trauten, das anzunehmen, was Gott ihnen geschenkt hatte, so soll auch V. fröhlich annehmen, was das Leben ihr schenkt. Mit Gott an ihrer Seite kann sie auch die tiefsten Täler durchwandern und wieder an die Sonne kommen. Im Vertrauen auf Gott kann ihr eine Kraft zuwachsen, die ihr Leben lang hält.

Segensvoll, so gehen Elisabeth und Maria ihren Weg - und das soll auch M. tun:
Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.
Diesen Zuspruch Gottes, diesen Segen, den auch Elisabeth Maria zuspricht, den sprecht ihr eurer M. zu.
Und ihr spürt jetzt schon, dass euer Kind gesegnet ist und euch zum Segen wird.
M. ist jetzt schon ein Segen für euch.
Und ihr wünscht ihr nichts mehr, als dass sie das bleiben kann, ein Segen nicht allein für euch, sondern auch für andere.
Und dass sie ihr Leben als gesegnet erlebt.
Gesegnet - was nicht bedeutet, dass alles glatt geht.
Maria war auch derart gesegnet und sie hat viel Schweres durchgemacht. Aber sie hat es auch durchgestanden. Und sie hat erleben dürfen, dass auch hinter den schweren Stunden ein Segen schlummerte.

Mit der Taufe geben wir den beiden diese Verse mit auf den Weg - in der Hoffnung, dass sie sie begleiten und ihnen Kraft und Hoffnung geben.

Und wenn wir die beiden gleich taufen, dann passiert ein wenig das, was damals vor so vielen Jahren bei Elisabeth und Maria passierte:
Es wird ganz viel Freude und Dankbarkeit spürbar über das, was euch mit den beiden widerfahren ist.
Und es wird Segen und Gottes Liebe zu uns Menschen spürbar, dass Gott zu M. und V. sagt: Ihr seid meine lieben Kinder, ich werde euch nie alleine lassen.
Ihr gebt eure Kinder in Gottes Arme, in Gottes Segen - und ihr dürft glauben - und auch loslassen.

Und so wünsche ich euch, dass die Taufe heute für euch der Start in eine ganz besondere Adventszeit wird. Und dass wir alle ein wenig von der Freude und dem Segen heute mitnehmen in die kommenden Wochen!
Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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