Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Lukas 18,27
01.01.2009
Kirche Bözberg
Pfrn. Chr. Straberg
Pfr. Th. Bunz


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Lukas 18,18-27 .... Vorspann zur Jahreslosung 2009

18 Und es fragte ihn ein Oberer und sprach: Guter Meister, was muss ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?
19 Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein.
20 Du kennst die Gebote: "Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!"
21 Er aber sprach: Das habe ich alles gehalten von Jugend auf.
22 Als Jesus das hörte, sprach er zu ihm: Es fehlt dir noch eines. Verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach!
23 Als er das aber hörte, wurde er traurig; denn er war sehr reich.
24 Als aber Jesus sah, dass er traurig geworden war, sprach er: Wie schwer kommen die Reichen in das Reich Gottes!
25 Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes komme.
26 Da sprachen, die das hörten: Wer kann dann selig werden?
27 Er aber sprach: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.

Dialogpredigt Pfrn. Christine Straberg und Pfr. Thorsten Bunz

Es ist Januar. Der 1. Januar. Neujahr.
Wieder liegt ein neues Jahr vor uns - frisch, unverbraucht, neu.
Voller Tatendrang sehe ich diesem neuen Jahr entgegen!
Ich freue mich auf das, was in diesem neuen Jahr alles möglich sein kann!
Meine Agenda hat noch so viele leere Seiten.
Und genau so ist es mit meinem neuen Jahr:
Es bietet mir so viele Möglichkeiten, etwas nun endlich einmal neu anzufangen.
Oder etwas endlich mal nicht zu verpassen.
Dieses Jahr mache ich etwas aus mir.
Aus diesem Jahr mache ich etwas für mich.
Ein neues Jahr liegt vor mir und ich muss nur was draus machen!
So einfach ist das!
Ich kann das, ich weiss das!

Yes, I can!


Liebe Gemeinde,

da kam einmal ein reicher Mann zu Jesus, so erzählt uns der Abschnitt aus dem Lukas-Evangelium, den Sie eben gehört haben.
Er ist voller Tatendrang. Und er hat Ziele. Genau genommen vor allen Dingen eines. Und das ist ihm sehr wichtig:
Er möchte das ewige Leben ererben.
Das ewige Leben - ansonsten hat er eigentlich schon alles. Denn er war sehr reich, so heisst es.

Es ist aber nicht der Reichtum allein, der diesen Mann besonders auszeichnet, es ist mehr:
Dieser Mann ist moralisch integer, er hält alle Gebote von Jugend an. Ein bewundernswerter Mensch ... wer kann das schon ernsthaft von sich behaupten, alle Gebote von Jugend an gehalten zu haben?

Zudem arbeitet dieser Mann an sich: Er hat ein Ziel und er ist bereit, dafür etwas zu tun.

Jetzt ist schon Februar. Der erste Monat ist schon wieder rum. Was daraus geworden ist? Aus meinen Vorsätzen?
Na ja, das Jahr ist zum Glück noch lang.

Es ist gar nicht so einfach, aus dem vertrauten Trott heraus zu kommen. Vor allem im Winter. Da ist es sowieso so schwer, etwas Neues anzufangen.
Wenn erst Frühling ist, dann leg ich los! Dann geht das auch viel leichter, wenn alles so schön wächst und aufblüht. Da wird man dann doch richtig angesteckt von dem Neuanfang, der in der Natur überall sichtbar wird.
Im Frühling werde ich dann endlich meine Tante besuchen.
Im Frühling werde ich auch endlich meinem Chef sagen, dass sich was ändern muss.
Und meinem Mann auch.
Es kann nicht so weiter gehen - im Geschäft nicht und mit uns beiden auch nicht.

Im Frühling kann ich das!
Ich kann das, ich weiss das!

Yes, I can!

Der Reiche Mann hat ein Ziel und er ist bereit, dafür etwas zu tun. Und er weiss, wo er hin gehen muss: Er geht zu Jesus.
Er will das Ewige Leben ererben und um das zu erreichen fragt er bei Jesus an. Er fragt den, von dem er weiss, dass er ihm die Antwort auf diese Frage geben kann. Eine Frage, die Menschen schon immer beschäftigt hat. Eine Lebensfrage!

Jesus ist von ihm angetan. Im Markus-Evangelium heisst es sogar, Jesus gewinnt den Mann lieb.
Jesus erkennt an, was dieser Mann getan hat! Und er will ihm helfen! Er will ihm die Möglichkeit geben, die Antwort auf diese wichtige Frage zu bekommen.
Und wie meistens bei Jesus ist die Antwort ganz einfach und dennoch unendlich schwer.
Jesus sprach zu ihm: Es fehlt dir noch eines.
Verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen,
so wirst du einen Schatz im Himmel haben,
und komm und folge mir nach!


Das Jahr ist bald schon wieder zur Hälfte rum.
Und so ein Stress immerzu. Meine Güte, ich komme zu gar nichts. Ich schaffe es noch nicht mal, einen Frühlingsspaziergang zu machen! Ich weiss gar nicht, wo mir der Kopf steht.

Zum Glück sind die Ferien schon gebucht! Die Erholung ist wirklich nötig.
Wenn ich dann richtig erholt zurückkomme, dann gehe ich es an, dann habe ich noch ein halbes Jahr vor mir!

Dann schaffe ich das! Ich weiss, dass ich es dann schaffe!
Yes, I can!


Die Antwort, die der Reiche Mann von Jesus bekommt, ist so einfach und zugleich doch so schwer. So schwer, dass sie ihn traurig macht.
Da wurde er sehr traurig, denn er war sehr reich.

Alles hatte er bislang genau so getan, wie es für sein Ziel von Nöten wäre. Gottesfürchtig war und ist er, lebt den Geboten entsprechend und will eben nicht mehr als dieses eine Ziel erreichen, das Ewige Leben zu erringen.

Eine Lebensfrage, so habe ich schon gesagt, die alle Menschen und zu jeder Zeit beschäftigt hat.
Wie erreiche ich denn das Ewige Leben?

Eben dadurch: Durch ein gottesfürchtiges Leben.
Und eben auch dadurch: Durch Aufgabe all dessen, was mir auf Erden an irdischen Gütern lieb und wichtig, teuer und wert ist.
Ich kann das alles nicht mitnehmen.
Das letzte Hemd hat keine Taschen.

Ja: in der Theorie ist mir das auch klar.
Nüchtern und realistisch betrachtet stimme ich dem ja auch zu.

Aber ganz praktisch?
Alles, was ich habe, verkaufen? Was ich mir erarbeitet habe einfach so verkaufen?
Und dann den ganzen Gewinn den Armen geben?

Und dann? Was wird dann aus mir?

Ich gebe es zu: Mich macht diese Antwort auch traurig.
Weil sie mich unsicher macht. Unsicher, ob ich diesem Anspruch tatsächlich genügen kann!

Spätsommer, die Ferien sind vorbei. Und von wegen "erholsame Ferien" ausgerechnet in den Ferien muss mein Mann seine Midlifecrisis bekommen. Ausgerechnet in den Ferien weiss er plötzlich mit seinem Leben nichts mehr anzufangen.
Was haben wir gestritten.
Unserer Beziehung hat das vielleicht mal gut getan. Endlich einmal haben wir uns gesagt, was uns gegenseitig schon lange stört.
Aber ob sich jetzt auch etwas ändert? Mal sehen.

Spätsommer.
Und meine Tante habe ich immer noch nicht besucht.

Aber im Herbst, wenn es für Freizeitausflüge ohnehin nicht mehr das richtige Wetter hat, dann ist dafür auch noch Zeit.

Jesus spürt diese Trauer beim Reichen Mann.
Und wird wohl selbst auch traurig:
Wie schwer kommen die Begüterten ins Reich Gottes!

Und dann dieser so bekannte Satz, der die Traurigkeit noch verstärkt:
Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher ins Reich Gottes!

Was für ein steiler Satz!
Und was für ein entmutigender Satz!

Ein Kamel geht ganz sicher niemals durch ein Nadelöhr.
Also haben wir doch keine Chance, jemals selbst dorthin zu gelangen!
Ist alles vergebens?!

Endlich Herbst.
Herbst - irgendwie macht mich das immer melancholisch. Das Jahr neigt sich dem Ende zu, die Tage werden wieder kürzer.

Eigentlich wollte ich ja mit meinem Chef reden. Aber das getraue ich mich gar nicht. Der ist immer so grantig. Als ob ich schuld an der Finanzkrise bin.

Ach, die Tante hat ja Geburtstag - meine Güte, da muss ich aber endlich mal hin!

Und jetzt ist das Jahr schon bald wieder gelaufen, nie schaffe ich, was ich mir vorgenommen habe.
Von wegen: Yes, I can. Ich kann eben doch nicht.

Die Jünger, die das Gespräch zwischen Jesus und dem Reichen Mann mit angehört haben, sind ebenso entsetzt.

Wer kann dann gerettet werden?

Auch die Jünger wissen: Das ist doch überhaupt nicht möglich. Ein Kamel durch ein Nadelöhr?
Also ist es doch überhaupt niemandem möglich, das Ewige Leben zu erlangen.


Der Kalender ist schon wieder am Ende.
Wieder ist Dezember.
Das Jahr ist fast um ... wenigstens habe ich für Weihnachten alles geschafft. Die Geschenke sind gekauft und verpackt.
Ich habe sogar einen Brief an meine Tante geschrieben und schon abgeschickt. Wenn ich schon nicht bei ihr war.

Das Jahr ist aber auch wieder wie im Nu verflogen. Mir scheint, die Zeit vergeht immer schneller.
Und wieder einmal habe ich nicht einen Bruchteil von dem wirklich geschafft, was ich mir vorgenommen hatte.

Vielleicht im nächsten Jahr.

Oder:
Vielleicht sollte ich mir gar nichts vornehmen?
Vielleicht ist es einfach nicht zu schaffen?

Yes, I can - der flotte Wahlspruch aus Amerika ... vielleicht ist das auch nur eine Wahllüge?

Jesus antwortet auf diese fast resignierende, verzweifelte Feststellung der Jünger mit der Jahreslosung für dieses Jahr:

Was bei den Menschen unmöglich ist,
das ist möglich bei Gott!

Dieser eine Satz will uns Mut machen, selbst die unmöglichsten Aufgaben anzugehen. Er will uns Mut machen, selbst für die schwierigsten Probleme nach Lösungen zu suchen.

Dieser Satz will uns aber vor allem auch darauf aufmerksam machen, dass wir mit dem Amerikanischen Wahlspruch allein nicht zurecht kommen werden - "Yes, I can" greift zu kurz!

Ich kann eben nicht allein!
Ich kann eben nicht allein alles möglich machen, was ich mir vornehme. Ich kann nicht allein alle Probleme lösen und alle Aufgaben bewältigen.

Ich kann eben nicht unmögliches möglich machen.

Aber Gott kann!

Was bei den Menschen unmöglich ist
das ist möglich bei Gott.

Dieser Satz will Mut machen, an unmögliches zu glauben!
Und unmögliches zu versuchen.

Aber: Eben nicht allein!
Sondern mit Gott!

Weil mir unmögliches bei Gott möglich ist.

Bei Gott und mit Gott darf ich erwarten, dass mir meine Vorhaben auch gelingen werden.
Bei Gott und mit Gott darf ich darauf vertrauen, dass meine Vorsätze keine leeren Floskeln bleiben.

Und bei Gott und mit Gott darf ich daran glauben, dass ich bei ernstem Bemühen auch das Ewige Leben ererben werde.

Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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