Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Lukas 13,6-9
20.09.2009
Eidg. Bettag
Kirche Mönthal
Pfr. Thorsten Bunz


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Lukas 13,6-9

6 Er erzählte aber das folgende Gleichnis: Es hatte einer in seinem Weinberg einen Feigenbaum stehen. Und er kam und suchte Frucht an ihm und fand keine.
7 Da sagte er zu dem Weinbauern: Seit drei Jahren komme ich nun und suche Frucht an diesem Feigenbaum und finde keine. Hau ihn um! Wozu soll er auch noch den Boden aussaugen?
8 Der aber antwortet ihm: Herr, lass ihn noch dieses Jahr, bis ich rings um ihn umgegraben und Mist ausgelegt habe.
9 Vielleicht bringt er in Zukunft doch Frucht; wenn aber nicht, dann lass ihn umhauen.

Liebe Gemeinde,

Sie alle haben einen Garten.
Sie alle haben es schon mal erlebt, dass Blumen oder Gemüse, Sträucher oder ganze Bäume unerwartet verblühen, verwelken oder ganz absterben und eingehen.

Viele von Ihnen haben mit Landwirtschaft zu tun.
Sie kennen es noch mehr, dass es darauf ankommt, dass der Acker den erwarteten Ertrag bringt.
Und wenn da Pflanzen oder Bäume stehen, die den erwünschten Ertrag nicht mehr bringen, dann kosten diese unnütz Geld - sie entziehen dem Boden Nährstoffe, ohne diese in Früchte umzuwandeln.

Das Bild vom Feigenbaum, das ich Ihnen grad eben aus dem Lukas-Evangelium vorgelesen habe, wird Ihnen darum nur allzu bekannt vorkommen.

Da steht ein Feigenbaum in einem Weinberg und trägt keine Früchte. Und das bereits seit drei Jahren.

Der Besitzer kommt nun und sagt seinem Gärtner, er solle diesen Baum fällen.
Der Baum trägt keine Frucht, also kann er auch weg.

Der Gärtner aber will das nicht. Er hat - wenn man das bei einem Baum so sagen kann - Mitleid mit dem Feigenbaum.
Und er tritt für diesen ein.

"Ach bitte, ich will ihm noch eine Chance geben!
Ich will es noch 1 Jahr lang mit ihm versuchen."

Und der Weinbergbesitzer stimmt dem sogar zu.
Der Baum bekommt eine neue Chance.

Oder bekommt der Gärtner eine neue Chance?



Wir haben heute Bettag.
Genau genommen heisst dieser Tag
Dank-, Buss- und Bettag.

Dieser Tag will uns erinnern und ermahnen.
Erinnern und ermahnen daran, dass wir
Dank sagen sollen, Busse tun und Beten.

Dazu passt diese Parabel vom Feigenbaum, die Jesus hier den Menschen erzählt, ganz ausgezeichnet.
Denn in dieser Parabel werden ganz wichtige Elemente der Busse dargestellt.


Ich habe es schon gefragt: Wer bekommt hier eigentlich eine neue Chance - der Feigenbaum oder der Gärtner?

Als Weinbergbesitzer würde ich mich doch fragen, warum denn der Gärtner diesem Baum nicht schon längst mehr Sorge getragen hat. Warum will er jetzt für diesen Baum eintreten, ihm jetzt ringsherum die Erde lockern und die Wurzeln mit Mist düngen.
Warum hat er das denn nicht schon längst getan - als guter Gärtner hätte er doch längst merken müssen, dass dieser Baum keine Früchte mehr bringt.


So gesehen bekommt also der Gärtner eine neue Chance. Weil er Busse getan hat.

Das mag zwar auf den ersten Blick nicht so auffallen, aber doch kann man es so ansehen:
Der Gärtner tut Busse.

Er tritt seinem Chef mutig entgegen und bittet darum, dem Baum eine Chance zu geben.
Er zählt seinem Chef mutig auf, was er alles zu tun gedenkt, um diesem Baum noch einmal zu neuer Frucht zu verhelfen.

Alle diese Aufzählungen - Erde lockern, düngen usw. - sind im Grunde ja nichts anderes, als Aufzählungen dessen, was er bisher, in der Vergangenheit, versäumt hat.
Eben: längst hätte er all das ja bereits tun können.



Diese Busse oder Beichte bleibt nicht ohne Erfolg.
Er bekommt seine neue Chance.

Auch das ist ein wichtiges Element der Busse:
Die zweite Chance!

Wer Busse tut, dem wird vergeben.
Und wem vergeben wird, der darf noch mal beginnen.


Der Gärtner wird sozusagen von seinem Versäumnis - von seiner Schuld - frei gesprochen und darf es nochmal probieren.
Der Weinbergbesitzer traut seinem Gärtner zu, dass er es nun besser machen wird. Er gibt ihm eine neue Chance.



Jeder, der in der Rolle ‚des Chefs' ist, sollte sich das zu Herzen nehmen! Und das ist im Grunde jeder, der mit Menschen zu tun hat, die in irgendeiner Weise ‚unter' ihm stehen. Das kann tatsächlich der Angestellte sein, dessen Arbeitgeber ich bin, vielleicht sogar der Lehrling, dem ich noch etwas beibringen soll.
Das kann aber auch das eigene Kind sein - der Sohn, der auf dem Betrieb mit anpackt, die Tochter, die in der Küche oder bei der Wäsche helfen will. Und die dabei vielleicht auch mal einen Fehler machen.

Das muss aber noch nichtmal in solch einem ‚oben' - ‚unten' - Gefälle passieren: auch unter Kollegen, unter Nachbarn, unter Vereinskameraden kann es das geben: Da macht einer einen Seich, weil er seine Aufgabe schlampig macht oder nicht richtig bei der Sache ist. ... Da muss man auch mal vergeben können!

Ich soll vergeben können - das will mir dieser Text sagen!
Ich soll Fehler vergeben können und eine weitere Chance einräumen. Nur so kann es weiter gehen, nur so ist weiter leben möglich.
Der Gärtner erhält eine neue Chance.

Und mit ihm der Feigenbaum.


Ich habe nicht von ungefähr gefragt, wer hier eine neue Chance bekommt, der Gärtner oder der Feigenbaum.

Natürlich bekommt auch der Feigenbaum eine neue Chance. Nur kann sich dieser ja nicht für sich selbst wehren.

Und doch haben die meisten Ausleger dieser Parabel, die Jesus hier erzählt, eher den Feigenbaum im Blick!

Die theologischen Denker setzen mit dem Feigenbaum das Volk gleich - das Volk, also uns alle. Und damals natürlich das jüdische Volk, das in Israel die Worte Jesu hört.

Der Weinbergbesitzer wird von den Auslegern mit Gott identifiziert. Gott prüft das Volk an seinen Werken - so sagen sie. Und Gott stellt fest: Da ist nichts, da kommt nichts.
Also weg damit - Wenn der Baum keine Frucht trägt, dann kann er grad so gut umgehauen werden.

Und dann tritt der Gärtner auf den Plan - und der Gärtner ist für die Ausleger: Jesus.
Jesus als Anwalt für das Volk, als Fürsprecher vor Gott.
Jesus tritt für die Menschen ein und räumt ihnen bei Gott eine neue Chance ein.


Aus der Perspektive der Menschen damals sieht die Auslegung dann so aus:
Das jüdische Volk bringt keine Frucht.
Jesus aber kann dem jüdischen Volk helfen, fruchtbar zu weren. Dann erst hat es bei Gott wieder eine Überlebenschance.


Natürlich ist diese Auslegung sehr antijudaistisch. Ein sehr antijüdischer Text also. Aber das müssen wir diesem Text wohl seinem Zeitumfeld zugestehen.

Lesen wir diesen Text für uns heute, sieht es so aus:

Wir sind das Volk - der Feigenbaum.
Wir sollten Frucht bringen ... und bringen sie nicht.
Aber auch für uns tritt Jesus ein. Auch für uns setzt sich Jesus sich bei Gott ein und tut für uns Busse - Jesus ist für unsere Sünden am Kreuz gestorben.
Und damit, so glauben wir als Christinnen und Christen, damit hat Jesus einen Aufschub für uns erreicht!

Jesus rettet uns heraus, erbittet Aufschub - Herr, lass ihn noch dieses Jahr, bis ich rings um ihn umgegraben und Mist ausgelegt habe.
Noch einmal eine Zeit, in der wir unsere Frucht bringen können.


Die Parabel, die Jesus erzählt, sagt nichts darüber warum der Baum keine Frucht mehr bringt. Wir erfahren nicht, ob er krank ist, ob vielleicht ein Schädling sich an seiner Rinde oder Wurzel zu schaffen macht. Vielleicht ist dieser Baum auch einfach zu alt, um angemessen Frucht zu bringen.

Wenn wir das auf uns übertragen, wäre es aber vielleicht wichtig, warum wir keine Frucht mehr bringen. Es wäre wichtig zu wissen, um angemessen zu reagieren.
Wenn der Lehrling seine Aufgaben nicht richtig erfüllt, dann muss er vielleicht besser eingewiesen werden. Vielleicht braucht er auch einfach nur mehr Übung ... und muss auch aus Fehlern lernen können dürfen.

Wenn jemand nicht richtig Frucht bring, weil er vielleicht krank ist, dann muss er geheilt werden.
Und wer darum keine Frucht mehr bringen kann, weil die Kräfte im Alter schwinden, der braucht eben nun Hilfe - andere Hilfe, als noch in jüngeren Jahren.


So ist es, wenn wir diese Parabel ganz praktisch auf unseren Alltag und unsere Leistungsfähigkeit in unserem Leben übertragen.


Die Parabel will uns aber nicht nur auf unsere Leistungsfähigkeit in unserem Alltagsleben hinweisen.

Wenn wir die Parabel so verstehen, dass hier Jesus der Gärtner ist, der für uns eintritt, dann ist mit der Leistung im Leben sicher kein Ertrag im eigentlichen Sinne gemeint.

Dann ist mit Ertrag vielmehr das gottgefällige Leben gemeint!
Denn bei Gott zählen nicht die Früchte. Bei Gott zählt nicht die Leistung, die ich in meinem Leben erbracht habe.

Was bei Gott zählt, erfahren wir, wenn wir nach Jesus fragen. Denn Jesus ist der Gärtner, der dem Feigenbaum Hilfe bietet.
Jesus ist Gottes Sohn, der uns nicht nur einen Aufschub vor Gottes Gericht ermöglicht - eine neue Chance und mehr Zeit bis zum Gerichtstag.
Sondern Jesus ist auch der, der diese Zeit für uns und mit uns mit Unterstützung und Hilfe füllt.
Jesus gibt uns, was wir brauchen.
Jesus tut für uns, was wir brauchen.

Dadurch können wir einerseits eine neue Chance annehmen und nutzen. Und dadurch können wir andererseits erkennen, was denn nötig ist, um diese Chance tatsächlich gottgefällig zu erfüllen:

Nämlich Liebe und Fürsorge füreinander!


Was Jesus macht, ist das, was Not tut.
Jesus pflegt und hegt, Jesus hilft ... ist für uns da, so wie der Gärtner für den Feigenbaum da ist.


Wenn ich das nun doch wieder auf unser Alltagsleben übertrage, dann gilt es eben doch, danach zu fragen, warum meine Mitmenschen vielleicht nicht so viel oder so gute Leistung bringen, wie es erwartet wird. Und dann gilt es, der Frage auch Taten folgen zu lassen und Hilfe anzubieten.

Bei Jesus zählen nicht die Früchte und das Aussehen, sondern bei Jesus zählt die Liebe zueinander. Wir brauchen uns nicht um die Früchte zu sorgen, sondern wir sollen uns umeinander sorgen, sollen unseren Nächsten achten.

Das ist das Vorbild, das Jesus uns gibt.


Wenn dieser Text am Buss- und Bettag ausgewählt ist, dann darum, weil er uns wachrütteln will. Weil er uns ermahnen und erinnern will, dass wir Busse tun sollen!
Wir sollen uns bewusst machen, dass wir in einer Gemeinschaft leben, die aufeinander achten und füreinander da sein soll.
In einer Gemeinschaft, in der es nicht immer nur auf Leistung und Ertrag ankommen darf. In einer Gemeinschaft, in der die Leistung des einzelnen zwar wichtig ist, aber nur dann, wenn sie der Gemeinschaft zugute kommt und dem Zusammenleben von Menschen dient.
Es kommt nicht darauf an, für mich selbst einen Ertrag zu bringen.


Dieser Text will uns aber auch wach rütteln im Blick auf die Beurteilung der anderen. Wir sollen nicht gleich jemanden aufgeben, nur weil seine Leistung grad nicht mehr genügt.
Wir sollen dem anderen eine neue Chance einräumen - und ihm dann auch helfen, diese neue Chance zu nutzen.


Gott gibt jedem von uns eine neue Chance. Und nicht nur eine ... sondern Gott vergibt uns immer wieder auf's Neue, wo das nötig ist.
In der Parabel wird uns nicht erzählt, was nach einem Jahr geschieht - ob der Feigenbaum dann Frucht bringt, wissen wir nicht.
Darauf kommt es auch nicht an!

Wir wissen aber: Jesus wird dieses Jahr füllen und wird den Baum pfelgen.
So wie Jesus an unserer Seite ist, um unser Leben zu begleiten. Um die Erde zu lockern, wo das nötig ist, und um einem Düngen des Ackerbodens gleich mir die Kraft zu schenken, die ich zum Leben brauche.


Diese Parabel kann uns ein Bild dafür sein, wie wir unser Leben gerade gegenüber unseren Mitmenschen gestalten sollen.

Ob diese Parabel aber tatsächlich auch beeinflussen kann, wie wir den Ackerbau zu betreiben haben oder welche Chance wir einem verdorrten Apfelbaum im Garten geben ... das mögen Sie selbst entscheiden!

Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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