Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Konfirmation
16.03.2008
Kirche Bözberg
Pfrn. Chr. Straberg
Pfr. Th. Bunz


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Thorsten Bunz (T)
(auf Kanzel)
Liebe Konfirmandinnen, liebe Konfirmanden! Liebe Gemeinde!
Zwei Jahre lang haben wir auf diesen Tag hingelebt. Zwei Jahre Konfirmandenunterricht.
Zwei lange Jahre.
Ich fürchte, die meisten von euch sind froh, dass es jetzt endlich vorbei ist.
Dass ihr jetzt endlich konfirmiert werdet - und nachher eine schöne Feier und grosse Geschenke haben werdet.

Christine Straberg (C)
(auf Orgelempore)
Liebe Festgemeinde!
Heute ist ein wunderbarer Tag!
Heute werden unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden konfirmiert.
2 Jahre durften wir zusammen verbringen. Leider konnte ich nicht die ganze Zeit dabei sein. Um so mehr freue ich mich, heute bei der Konfirmation dabei sein zu können.

T
Hallo?! Kannst du mir sagen, was du da oben machst!?

C
Was ich hier mache? - Na, ich predige!

T
Ja, das sehe ich auch - Aber predigen, das macht man von da, wo ich stehe: von der Kanzel.

C
Aber das muss nicht so sein.
Die Jugendlichen haben vorhin etwas von "immer und überall" gesagt. Immer und überall ist das Handy dabei.
Da kann ich doch wohl auch von überall her predigen!
Also predige ich heute mal von hier oben.

T
Das "immer und überall" meint aber doch hier und heute etwas ganz bestimmtes. "Immer und überall" haben sich die Konfirmandinnen und Konfirmanden als Thema für ihren Konfirmationsgottesdienst ausgesucht.
Und da bedeutet "immer und überall" doch nicht, dass man predigen kann, von wo aus man will ...
da bedeutet "immer und überall" doch wohl, dass Gott immer und überall dabei ist - weil es doch bei der Konfirmation auch um Gott geht!
Gott ist immer und überall.

C
Und wenn Gott immer und überall ist, dann kann ich doch auch immer und überall von ihm predigen - also auch von hier oben.

T
Ja, vielleicht, schon, aber ...
Schau doch mal die Leute: die müssen hin und her schauen, als sässen sie in einem Tennis-Match.
Wenn wir zu zweit eine Predigt halten wollen, sollten wir schon an einem Ort stehen.

C
Also: Komm rauf!

T
Nein - die Menschen, die unter der Empore sitzen, sehen uns doch da oben gar nicht!
Komm du runter!

C
Aber auf der Kanzel haben wir nicht beide zusammen Platz!

T
Ok: treffen wir uns irgendwo in der Mitte.


... in Mittelgang gehen ...
auf dem Weg


T
So eine komische Idee ...

C
Jetzt ist wenigstens die Predigt schon mal nicht wie "immer und überall" - und das ist gut so: weil ja heute Konfirmation ist!

T
Wie fast überall!


... beieinander ...

T
So also.
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

C
liebe Mütter und Väter, Gotten und Göttis, Grosseltern, Geschwister ...

T
Liebe Festgemeinde!
Heute feiern wir Konfirmation.

C
Und ihr habt euch ein Thema für diesen Gottesdienst ausgesucht:
"immer und überall".
Schon bei der Vorbereitung hat Thorsten euch gesagt, er werde das Thema in diesem Gottesdienst mit Gott zusammen bringen.
Jetzt lass mal hören!

T
Ganz klar: Gott ist immer und überall!

C
Ja - und? Wie weiter?

T
Wie, wie weiter?

C
Naja, gib mal Fleisch an die Knochen: Ist das gut, dass Gott immer und überall ist?
Oder ist es eher bedrückend und beängstigend?
Freue ich mich, dass Gott mir immer wieder eine Chance gibt, egal, wo ich auch bin? Auch im Gefängnis, wie wir es eben im Anspiel gesehen haben?
Oder fühle ich mich gegängelt, ein Gott, der immer ein Auge auf mich hat. Nach dem Motto "Der liebe Gott sieht alles!".

T
Ja, beides! ... und auch wieder nicht.

C
Das verstehe ich nicht - was denn nun?

T
Gott ist immer und überall.
Gott ist immer und überall für mich da.
Das ist eine Zusage! Eine Aussage über Gott und mich!
Gott liebt mich - also ist er immer und überall für mich da.
Immer, wenn ich ihn brauche - wenn es mir dreckig geht.

Und ja: er sieht auch immer alles, was ich tue.
Oder vielleicht so: er weiss es.
Aber das soll mich ja nicht belasten oder bedrücken.

C
Es belastet aber immer gerade dann, wenn ich etwas falsch gemacht habe!
Das kann ich doch gar nicht verheimlichen vor Gott!

T
Warum willst du es denn verheimlichen vor Gott?
Doch nur, weil du Angst vor einer Strafe Gottes hast!

C
Weißt du, was mir gerade auffällt:
Wir fallen vor Gott in den selben Mechanismus, wie vor unseren Eltern!

T
Das musst du mir jetzt erklären!

C
Unsere Eltern haben uns versucht, Werte mit auf den Weg zu gegen, Regeln, wie wir gut miteinander leben können. Das versuchen wir bei unseren Kindern ja auch.
Wenn wir dagegen verstossen haben - Mist gebaut, doch zu lange im Ausgang geblieben ... das hatten wir und das haben die Jugendlichen hier auch: dann versuchen wir das geheim zu halten, aus Angst vor Strafe.
Und vor Gott fallen wir in dasselbe Verhaltensmuster.

Und vielleicht verstärkt sich das sogar noch, weil wir von Gott ja auch als Vater - und mittlerweile ja auch als Mutter sprechen.

Das wäre schrecklich: Eltern, die immer und überall da wären.
Eltern, die alles sehen!

zu Jugendlichen:
Ich glaube nicht, dass das euch gefallen würde, oder?

T
zu Eltern:
Als Eltern wünscht man sich das dagegen manchmal, oder? Aber es ist wohl manches Mal besser, dass wir nicht alles wissen, oder?

C
Wenn Eltern immer alles sehen würden, würden sie auch strafen!

T
Vermutlich. Und also ist es gut eingerichtet, dass Eltern nicht alles sehen.

C
Aber dann ist es doch klar, dass ich auch von Gott eine Strafe befürchte!

T
Ja ... aber ich glaube nicht, dass Gott so straft, wie wir uns das vorstellen.
Gottes Strafe ist eher ein Zurechtweisen: ein "auf den richtigen Weg weisen".
Weil er den richtigen Weg für mich weiss!

C
Super!
Meine Eltern wissen heute immer noch besser, was für mich das Richtige ist!

T
Nein, nicht so wie Eltern.
Gott lässt mich meinen Weg selber gehen. Gott greift nicht ein und hält mich auch nicht von eigenen Ideen ab.
Gott hat Vertrauen darin, dass ich es schon recht mache und er lässt mich machen.
Aber: Wenn es schief gegangen ist, dann ist er eben da und weist mir den rechten Weg.

C
Das ist ja wie in dem Psalm:
Nähme ich Flügel der Morgenröte
und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort deine Hand mich führen
und deine Rechte mich halten.

T
Ja!
Du kannst vor Gottes Liebe nicht davon laufen!
Gott ist immer und überall!

... nach vorn gehen ...

C
Womit wir wieder beim Thema wären.

T
Wir waren die ganze Zeit beim Thema - immer und überall sozusagen!

C
Und jetzt fragt ihr euch sicher:
Was hat das aber nun mit der Konfirmation zu tun?!

T
Nein - so wie ich die 12 kennen gelernt habe, fragen die sich jetzt:
Wann ist das ganze hier endlich zu Ende?!

C
Dann frage eben ich dich das jetzt:
Was hat das mit der Konfirmation zu tun?

T
Gott ist immer und überall.
Das ist ein Bekenntnis.

Die Konfirmation ist so etwas wie ein Bekenntnis.
Ich bekenne mich dazu, dass ich zu dieser Kirche gehören möchte - also, dass ich Reformiert sein will.
Und das möglichst nicht, weil es Tradition ist,
sondern weil es mir etwas bedeutet:

Weil ich daran glaube, dass Gott immer und überall für mich da ist.
Weil ich daran glaube, dass Gott mich in meinem Leben begleiten will.

Wer das nicht glaubt und wer das nicht will, muss sich nicht konfirmieren lassen.

C
Mit der Konfirmation steht man am Beginn seines eigenständigen Lebensweges. Da ist es besonders wichtig, dass ich weiss, was der Glaube bedeutet, zu dem ich mich an meiner Konfirmation bekenne. Eben genau das: Gott geht diesen Lebensweg, der jetzt vor mir liegt, mit mir.
Nicht bevormundend, sondern Mut machend.
Nicht besserwisserisch, sondern Halt gebend.
Gottes Liebe begleitet mich, wohin ich auch gehe, auch, wenn ich es manchmal nicht glauben kann.
Das ist wahre Liebe, die mich nicht los lässt, egal, wie sehr ich sie manchmal auch loswerden will.

T
Gott ist immer und überall.

Wir wünschen euch, dass ihr das heute bei eurer Konfirmation glauben und spüren könnt.

C
Und wir wünschen euch, dass ihr das in eurem ganzen weiteren Leben erfahren dürft.
Gott segne euch.
Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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