Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Love and Peace
Matthäus 5,28-43
3. Mose 24,17-20
25. März 2007
Kirche Mönthal
1. April 2007
Kirche Bözberg
Pfrn Chr. Straberg
Katechet Th. Gautschi


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Love and Peace

Dialogpredigt zur Konfirmation 2007

Straberg: Mensch, da haben wir ja einen echt tollen Konf-Gottesdienst bisher erlebt. Die Jugendlichen haben sich echt was einfallen lassen. Das gefällt mir!

Gautschi: Ja das kann ich nur bestätigen. Mir hat vor allem die Stelle Auge um Auge, Zahn um Zahn gefallen. Endlich jemand, der Klartext redet. Heute ist ja alles so sozial, man redet miteinander und Straftäter kommen in eine Gesprächstherapie. Strafe muss sein.

S: He, einen Moment, DAS findest du super?! Das finde ich ja verrückt! Das ist doch richtig unmenschlich, dieser Grundsatz! Überleg doch mal, was das bedeuten kann! Vielleicht geht es ja manchmal nicht anders. Aber wir brauchen doch eigentlich was anderes in unserem Leben als immer nur wieder Vergeltung. Deswegen doch das Thema von unserem Gottesdienst. Wir brauchen Liebe - und Frieden - und Zuwendung, Freundschaft - und vor allem auch mal, dass jemand mir vergibt, was ich getan habe!

G: Moment, die Regelung Auge um Auge war damals war das ein gewaltiger Fortschritt! Früher hiess es 10 zu 1. Also wenn jemand eine Person aus meiner Familie tötet, dann hätte ich das recht gehabt 10 Personen aus der Familie des Täters zu töten. Die Verhältnismässigkeit der Strafe zur Tat führte dazu, dass es keine Sippenhaft mehr gibt..

S: Wir haben aber auch noch den anderen Bibeltext, der zeigt, dass die Entwicklung noch weiter ging. Noch mehr hin zu Love und peace - die Menschen haben sich weiter entwickelt, Jesus hat das gemerkt und er hat ihnen ganz neue Wege eröffnet!
Nur dann kann unsere Welt friedlicher und liebevoller werden, wenn ich auch mal vergebe, wenn ich nicht immer sage: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Was dann passiert, das haben wir auf den Bildern gesehen, die die Jugendlichen uns vor Augen geführt haben: Krieg, Gewalt, Hass - ein endloser Kreislauf. Aber wir brauchen was anderes!

G: Das ist doch absolut Illusorisch! Schau mal die Welt an, 2000 Jahre nach dem Jesus die Worte gesprochen hat, wenn dir jemand auf die Backe schlägt, dann halte die andere hin, hält sich doch kein Mensch daran! Das ist eine unmögliche Anweisung - oder? à Machen wir doch eine Umfrage

S: Gut, das ist alles nicht so einfach; ich gebe zu, dass man diese Worte Jesu schon für ziemlich verrückt halten kann. Und dennoch ist diese Grundhaltung, die daraus spricht, gut! Wenn ich an das Anspiel denke, dass die Jugendlichen gemacht haben, dann wir das doch hochaktuell: Wie verhalte ich mich, wenn jemand in meiner Klasse fertig gemacht wird? Mache ich mit? Oder bin ich so mutig, wie das Mädel in der zweiten Version, die einfach gegen die anderen Kolleginnen zu der Neuen steht. Das braucht echt Mut und ich glaube, das kann man nur, wenn ich weiss, dass jemand hinter mir steht, der mir hilft, auch wenn die Kolleginnen vielleicht dann auch über mich ablästern.
Und um den Mut für eine solche Entscheidung zu bekommen, braucht es Texte wie diesen, die sagen, dass das Unmögliche möglich ist. Texte, die uns aufrütteln aus unserem Alltagstrott!
G: Das tönt ja schön und gut, ABER selbst Jünger konnten das nicht durchhalten. Sie waren ja mit Jesus drei Jahre unterwegs, waren live bei der Bergpredigt dabei wo er diese Worte gesprochen hat. Und dann wo es mal brenzlig wurde, haben sie alles vergessen. Als die Römer nämlich Jesus verhaften wollten, ergriff ein Jünger das Schwert und haute einem Soldaten das Ohr ab. Was nützen also diese Worte, wenn sich nicht einmal die Jünger daran halten konnten? Oder nehmen wir Präsident Bush, er bezeichnet sich als überzeugten Christ, geht regelmässig in die Kirche, betet mit seinen Ministern und führt einen blutigen Krieg gegen das Böse auf der Welt...

S: Sie sind eben eine ständige Herausforderung. Sie sind unser Stachel im Fleisch. Dass ich weiss, es ginge auch anders. Und: selbst die Kirche hat schon immer versucht, diesen Stachel zu ziehen und die Worte Jesu zu verharmlosen. So richtig gelebt haben diese Worte Jesu immer nur Randgruppen, die dann von der Mehrheit als Sekten verurteilt wurden - weil man es nicht ertragen konnte, dass sie so konsequent gewaltlos und friedfertig lebten! Richtig Love and Peace eben. Und so bleiben die Worte Jesu für immer eine Herausforderung an uns.

G: Das sehe ich schon ein, es hat viel mit Vernunft und Mündigkeit zu tun. Wir als freie Christen müssen täglich Entscheidung fällen, die uns keiner abnimmt. Unser Leben ist nicht vorbestimmt, sondern wir sind freie, handlungsfähige Menschen und müssen uns immer wieder für das Gute oder das Böse entscheiden. Das ist sehr anstrengend, braucht oft auch viel Mut und Zivilcourage. Unseren Glauben zu leben ist eine täglich Herausforderung.

S: Und genau das ist auch eure Aufgabe, wenn ihr als Konfirmierte aus diesem Gottesdienst geht. Ihr seid nun mündige Christinnen und Christen, die einiges von der Kirche und von der Bibel gehört haben. Nun ist es an euch, euren Glauben zu leben - und immer wieder zu entscheiden, wie ihr leben und handeln wollt: In der Schule, im Beruf, in der Familie, in der Gemeinde. Was wollt ihr aus eurem Leben und aus eurem Glauben machen?
Keine einfache Entscheidung, vor allem keine, die euch jemand abnehmen kann. Das ist hart, aber das ist leider so. Daher wünschen wir euch von Herzen, dass ihr Entscheidungen trefft, hinter denen ihr auch später noch stehen könnt, Entscheidungen, die Liebe und Frieden in unserer Welt verstärken. Und wenn ihr mal jemanden braucht, dann könnt ihr immer zu uns kommen. Wir werden euch, so gut es geht, helfen.
Und dazu helfe uns Gott. Amen.


Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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