Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Kolosser 2, 3-10
24.12.2007
Kirche Bözberg
Pfr. Thorsten Bunz


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Kolosser 2, 3-10

3 in welchem verborgen liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.
4 Ich sage das, damit euch niemand betrüge mit verführerischen Reden.
5 Denn obwohl ich leiblich abwesend bin, so bin ich doch im Geist bei euch und freue mich, wenn ich eure Ordnung und euren festen Glauben an Christus sehe.
6 Wie ihr nun den Herrn Christus Jesus angenommen habt, so lebt auch in ihm
7 und seid in ihm verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und seid reichlich dankbar.
8 Seht zu, dass euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug, gegründet auf die Lehre von Menschen und auf die Mächte der Welt und nicht auf Christus.
9 Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig
10 und an dieser Fülle habt ihr teil in ihm, der das Haupt aller Mächte und Gewalten ist.

Liebe Gemeinde,

kleine Kinder können einen ganz schön vereinnahmen.
Zuerst schon vor ihrer Geburt: Der Bauch wird dicker, der Speiseplan muss angepasst werden, irgendwann müssen andere Hosen her
und die Bewegungen werden beschwerlicher.

Gut - für mich als Mann und Vater war das kein Problem.


Dann das Warten:
Wann kommt es denn nun endlich?
Warum will es denn nicht?

Warten.



Und dann erst recht, wenn sie erst mal da sind:

Da stellen sie einem den ganzen durchstrukturierten Tagesablauf auf den Kopf.
Sie bestimmen alles mit
- vor allem, wann Zeit zum Aufstehen ist.


Kleine Kinder schreien oder schlafen,
sabbern, spucken, machen die Windeln voll ...

Ich kann mir etwas Schöneres vorstellen, ehrlich.


Du tust echt alles für sie und eine erste ernst zu nehmende Reaktion, die einem Lächeln annähernd nahe kommt, lässt ganze 6 Wochen auf sich warten.





Aber ich will nicht meckern, ich habe es ja so gewollt.

Und natürlich faszinieren kleine Kinder irgendwie auch.
Egal, ob gross oder klein, alle sind doch von so einem kleinen Baby fasziniert, wollen es sehen, anfassen, streicheln, knuddeln.

Alle wollen das - oder fast alle.


Sobald irgendwo ein kleines schreiendes Baby dabei ist, schauen sich gleich alle um, scharen sich drumherum.

Sofort ist das neugeborene Kind im Mittelpunkt des Geschehens.



Die Eltern stehen darum,
Fremde Besucher stehen darum,
Menschen, die auf wundersame Weise den Weg hierher gefunden haben, stehen darum,
und Tiere.

So - oder so ähnlich - sehen die allermeisten Weihnachtsbilder und Krippendarstellungen in unserer westlichen Welt aus.

Maria - Joseph - das Kind
Hirten und Tiere - manchmal auch Hirtinnen
Könige oder Weise
manchmal auch Engel.


Ungefähr so sieht auch das Bild von Martin Schongauer aus, das ich Ihnen vorn auf dem Liedzettel abgedruckt habe.
Martin Schongauer lebte vor rund 500 Jahren, ein bisschen früher als Martin Luther und Huldrych Zwingli, die beiden grossen Reformatoren.



Lauter Erwachsene kreisen um ein kleines Kind, das in manchen Darstellungen und Bildern gar nicht mehr so neugeboren aussieht.

Immer ist das Kind im Mittelpunkt.

Wie im richtigen Leben.



Ein Kind ist geboren und alle Welt ist damit beschäftigt.

Nichts weiter als ein kleines Kind, zunächst schleim- und blutverschmiert, wehrlos und hilflos.
Ein kleiner Schreihals, der nicht sagen kann, was er will und braucht, der aber ein ganzes Familienleben verändert.

In Bethlehem in einem Stall kommt dieser kleine Schreihals auf die Welt - ja, und er bringt bis heute Menschen, die ansonsten nüchtern mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen stehen, in Bewegung.
Er bringt ganze Familien in Bewegung.

Heute Nachmittag schon, als diese Kirche gestossen voll war und jetzt auch noch zu solch nachtschlafender Zeit.

Die gesamte Adventszeit hindurch wird "Programm" gemacht wegen dieses kleinen Kindes.

Es wird gebacken,
es wird mit Kindern gesungen und gebastelt,
manche kramen alte Weihnachtsplatten hervor, wenn sie noch da sind,
wir veranstalten Advents- und Weihnachtsfeiern,
machen viel mehr Besuche als sonst,
laden auch selbst häufiger jemanden ein,
wir zünden Kerzen in dunklen Räumen an,
basteln Geschenke
oder stürzen uns ins Einkaufsgetümmel,
haben tolle Geschenk-Ideen und verwerfen sie wieder,
packen Pakete, schreiben Karten,
denken an den Weihnachtsbraten oder das Fondue Chinoise,
und finden sicher auch noch einen ansehnlichen Weihnachtsbaum.


Es gibt schlaue Menschen, die sagen, all das sei wichtig für die Seele. Für die Seelenruhe und den inneren Frieden.


Unsere traditionellen Weihnachtsbilder erzählen von diesen unseren Träumen. Es sind Andachtsbilder, auf denen alle zusammen kommen, um sich beim Kind zu treffen!

Eben noch in Bewegung, auf dem Weg, suchend nach einem unbekannten Ziel
und jetzt sind sie alle in Ruhe und in Andacht vereint.
Ein kleines Menschenkind steht im Mittelpunkt.
Ein kleines Menschenkind lässt uns zur Ruhe kommen,
und bringt uns zum Staunen.

Weihnachten ist's.
Und Weihnachten will unsere kindlichste Seele erreichen.
Weihnachten will uns diese Seelenruhe und den inneren Frieden bringen.

Und das mit diesem kleinen Kind.



Kinder faszinieren. Sie ziehen an.

So ein kleines Menschlein ist doch ein Wunder - so klein noch und doch alles dran. Ein Wunder.

Klar: wir sind ja aufgeklärt.
Wir haben Sexualkundeunterricht gehabt und Biologie gelernt. Wir wissen längst, wie aus der befruchteten Eizelle ein Fötus entsteht und dass dieser dann in der Gebärmutter heranwächst.

Und dennoch: ist es nicht auch ein Wunder? - Es ist eines!

Es ist ein Wunder, wenn dann doch alles gut läuft und das Kind gesund und unbeschadet das Licht der Welt erblickt.
Es ist ein Wunder, wenn auch für die Mutter alles gut läuft.

Das ist so selbstverständlich nicht - damals im Stall von Bethlehem muss das noch sehr viel gefährlicher gewesen sein, als heute in unseren sterilen Gebärsälen.

Es ist ein Wunder.
Trotz allem.


So klein und doch alles dran - so klein und noch alles vor sich.
Die ganze Fülle des Lebens liegt vor diesem kleinen Kindelein. Die ganze Fülle, die uns das Leben bieten kann, steht diesem kleinen Kindelein offen.

Und doch:
Was für dieses Kindlein daraus wird, das wissen wir nicht.
Was speziell für dieses Kindlein die Fülle des Lebens bedeutet, wann sie erreicht - "gefüllt" - ist, das wissen wir nicht!



In diesem Kind wird der Glaube an Gott überdeutlich:
Gott ist da - so wie das Kind da ist.
Gott ist theologisch erforscht - so wie das Kind biologisch-medizinisch erforscht ist.
Gott ist psychologisch begründet - so wie das Kind als Erfüllung der Liebe zweier Menschen zueinander gedeutet wird.

Und doch:
Gott ist nur im Glauben fassbar.
Und Kinder - sind manchmal überhaupt nicht fassbar.

Wir lieben die Kinder, trotzdem sie uns auch Ärger bereiten.
Und wir glauben an Gott, trotzdem er uns doch offenbar nicht nur Gutes schenkt.




Wenn ein Kind das Symbol für den Glauben an Gott sein will,
ein Sinnbild dafür, dass Gott menschlich ist,
dann kommen Kinder ins schwärmen und dann wird die kindliche Seele zutiefst berührt und angesprochen.

Gott ist einer von uns: weil er auch ein Kind ist wie wir.


Die erwachsene Seele aber, der gereifte Verstand, der hat schon vieles erlebt: Enttäuschungen, Kränkungen, Anfeindungen.
Die erwachsene Seele ist skeptisch und misstrauisch:
"Dieses Kind, dieses kleine neugeborene und hilflose Kind,
dieses Kind soll die Welt verändern?"



"JA!" sagt der Glaube.
"JA!" sagt der Schreiber des Kolosserbriefes, den wir im Neuen Testament, im Zweiten Teil der Bibel finden.

"JA!, dieses Kind wird die Welt verändern!"
"Weil in ihm die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig ist."

In diesem kleinen und unschuldigen Kind ist Gott in seiner ganzen Fülle leibhaftig vorhanden.

JA: Dieses Kind kann die Welt verändern.


Wo auch immer wir Weihnachten feiern,
betonen wir doch dies,
dass Gott wirklich in Jesus Mensch geworden ist.

Gott ist auch Mensch.

Weihnachten ist für uns die Feier seines Menschseins und damit auch seiner Menschlichkeit.

Und Menschen beginnen ihr Leben in dieser Niedrigkeit, in dieser Hilflosigkeit eines kleinen neugeborenen Kindes.


Und doch bleibt dieses Kind zugleich Gott: es ist Gott.
In diesem Kind ist die Fülle Gottes leibhaftig.

Im Kolosserbrief wird uns zugesagt,
dass wir an dieser Fülle Gottes, die in diesem kleinen Kinde leibhaftig wohnt, uneingeschränkt Anteil haben.

Diese Fülle Gottes wirkt nicht nur an Weihnachten.
Diese Fülle Gottes trägt uns auch noch im neuen Jahr, an jedem neuen Tag, den wir erleben dürfen.


Das ist die Botschaft des kleinen Kindes,
die Botschaft von Weihnachten.

Wir leben aus der Fülle Gottes,
die uns in diesem kleinen Kindelein begegnet.

Fröhliche Weihnachten.

Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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