Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Johannes 14,1
01.01.2010
Kirche Bözberg
Pfrn. Christine Straberg


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Johannes 14,1 - Jahreslosung 2010

Jesus Christus spricht:
Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!

Liebe Gemeinde!

Herzlich willkommen im Jahr 2010! Ganz frisch und ganz neu!
Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends haben wir hinter uns. Jetzt kommt das nächste.
Und in der Zeitung schrieben sie, dieses Jahrzehnt sei so schnell vergangen. Stimmt das? Für sie auch?
Vielleicht im Rückblick - aber im Rückblick vergeht die Zeit immer schnell.
Ich habe das Gefühl, so schnell ist mir dieses Jahrzehnt nicht vergangen, zu viel Neues haben wir erlebt.
Und wie schnell die Zeit vergeht, ist auch eine Frage des Alters. Kindern vergeht die Zeit noch nicht so schnell.
Also, für jeden Menschen war es ein ganz anderes Erlebnis - das vergangene Jahr - und auch das vergangene Jahrzehnt.
Und jetzt kommt 2010.
Und auch da hat wohl jeder und jede andere Gefühle beim Jahreswechsel.
Für manche ist es gar nicht so etwas Besonderes. Ein neues Jahr halt. Denn mal weiter.
Für andere ist es mit einem Rückblick verbunden - was schön und was schwer war, was ich besser machen sollte, und was gelungen war.
Für andere ist so ein neues Jahr mit Angst besetzt - hoffentlich geht alles gut, wer weiss, was alles passieren kann.

So vielfältig wie die Menschen, so vielfältig sind die Gefühle und Reaktionen bei einem Jahreswechsel.
Auf jeden Fall liegen eine Menge noch unbekannter Wege vor uns. Und Ungewisses macht vielen Menschen Angst oder zumindest Sorge.

Und so finde ich die Jahreslosung aus der Bibel, die uns durch das kommende Jahr geleiten soll, sehr ermutigend und genau das Richtige für so einen Jahreswechsel. Wir haben sie in der Lesung gehört, der erste Satz, den Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern sagt:

Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!

Unsere Sorgen und Ängste werden nicht einfach beiseite gewischt, sondern ernst genommen. Wir erschrecken, unser Herz fürchtet sich, das ist so. Das ist so bei uns Menschen, wenn wir Abschied nehmen müssen, wenn wir auf etwas Unbekanntes zugehen.
Als Jesus das den Jüngerinnen und Jüngern sagt, steht auch ihnen ein Abschied bevor - und zwar ein ganz schwerer - der von Jesus selbst nämlich.
Und auch ihnen will Jesus Mut machen, Trost geben, Hoffnung schenken, dass sie nicht nur erschrecken, sondern auch Vertrauen haben dürfen.
Glaube und Vertrauen, das können Hilfen sein gegen die Angst und die Furcht. Das kann uns Stecken und Stab werden.
Glaubt an Gott und glaubt an mich.

Glaubt an das, was Jesus uns erzählt hat, was er von Gott erzählt hat, was so viele Menschen vor ihm von Gott erzählt und mit ihm erlebt haben.
Glaubt an das, was Jesus gelebt hat.

Aber was bedeutet das - konkret?
Auch da lässt Jesus uns nicht im Stich - er versucht eine Antwort zu geben, ein Bild zu malen von dem, worauf wir unsere Hoffnung setzen dürfen - damals die Jüngerinnen und Jünger und heute wir, die wir auf der Schwelle des neuen Jahres stehen.
Jesus sagt uns, welches Ziel wir für unser Leben vor Augen haben dürfen:
In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen.

Er verspricht uns nicht mehr und nicht weniger als einen ganz persönlichen Platz bei Gott. Eine Wohnung, wo wir uns zu Hause fühlen können.
So ein Gefühl, wie wir es haben, wenn wir nach einer Reise in unsere eigenen vier Wände zurückkommen, in denen es uns gut geht.
Bei Gott gibt es einen Platz für mich, einen Ort, der für mich frei gehalten wird! Das steht als grosse Verheissung über unserem Leben - und so doch auch über dem neuen Jahr!

Wunderbar, ja, aber reicht das, wenn es ganz konkret an die nächsten Schritte im neuen Jahr geht, an die Wege, die ich gehen muss und die ich nicht kenne?
Ist die Frage, die Thomas an Jesus stellt, nicht auch meine Frage?
Wohnung bei Gott, schön und gut, aber wie können wir den Weg wissen? Den Weg zu dieser Wohnung und den Weg für das nächste Jahr? Es bleibt ungewiss und beängstigend!

Ja, das stimmt.
Niemand kann uns sagen, was genau auf uns zukommt in unserem Leben, auch nicht Jesus.
Es bleibt diese Unsicherheit -
aber man kann es auch positiv formulieren:
Es bleibt spannend!

Aber auch da versucht Jesus noch einmal Mut zu machen - für den Weg, der vor den Jüngerinnen und Jüngern liegt -
und für den Weg, der vor uns liegt.

Er spricht den berühmten Satz:
Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Und ich glaube, dass dieser Satz eine grosser Ermutigung und Vergewisserung sein will, dass wir den Weg des Glaubens und des Vertrauens wagen.
Dieser Satz will nicht ausgrenzen, sondern uns sagen, worauf wir vertrauen dürfen, wenn wir an Jesus glauben.

Mit diesem Satz sagt Jesus uns ganz viel über Gott.
Denn er kann ihn nur sagen, weil er weiss:

Weil Gott bei ihm ist, ist er der Weg, denn dann ist es auch Gottes Weg.

Weil Gott bei ihm ist, finden wir auf dem Weg die Wahrheit.
Und die Wahrheit sagt:
Der Gott von Jesus und Israel, unser Gott, geht mit - vom Kind in der Krippe durchs Leben mit seinen Höhen und Tiefen hinab in die grösste Tiefste, ins schlimmste Leid, ja bis hinab in den Tod und die Gottverlassenheit.
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, so ruft Jesus am Kreuz.
Gott durchleidet die schlimmsten Momente unseres Lebens. Aber dort bleibt es nicht, es geht wieder hinauf, Gott überwindet die tiefste Erniedrigung und schenkt das Leben - das Leben, das stärker ist als der Tod und alle Angst.
Das ist die Wahrheit, die wir auf Jesu Weg finden können - Gott, der mit uns geht, wohin auch immer uns der Weg führt.
Gott, der gerade mit denen geht, deren Weg scheinbar ein Irrweg ist, der eine Sackgasse ist, ein dunkler und beängstigender Weg.
Aber geht auch die fröhlichen und die sonnigen Wege mit - Gott geht mit.

Und weil Gott mit Jesus geht, finden wir auf diesem Weg das Leben - Gottes Treue durch den Tod hindurch!

Und wenn Jesus dann anfügt, niemand kommt zum Vater, denn durch mich, dann zeigt das:
Diesen Glauben, diesen Weg kann man leider nicht einfacher erreichen.
Es gibt keinen anderen Weg, als diesen erschreckenden Weg durch den Tod.
Gott hätte uns nicht das Leben schenken können, wenn er nicht selber in Jesus den Weg durch den Tod gegangen wäre. Wir können Tod und Leiden nicht ausschliessen.

Für uns sind diese Sätze Jesu die Verheissung und die Vergewisserung, dass wir auf dem richtigen Weg sind, wenn wir ihn im Glauben an Gott und an Jesus gehen.

Egal was für Umwege und Irrwege, egal wie viel Schweres auf diesem Weg liegen:
Das heisst nicht, dass wir falsch gehen.
Das heisst nicht, dass am Ende nicht Gottes Wohnung auf uns wartet.
Ach was: nicht nur am Ende - meinen Platz bei Gott, den habe ich jetzt schon! Jesus hat ihn schon für mich vorbereitet!
Und so soll ich jetzt schon - im neuen Jahr heimisch werden im Hause Gottes.

Ich darf einen Raum haben, mir ihn suchen, schon in diesem Leben, für das neue Jahr.
Einen Ort, wo ich mich zu Hause fühle.
Einen Ort, wo ich Gott ganz nahe sein kann.
Wo ich auftanken kann,
wo ich Kraft und Vertrauen für den Weg holen kann, der vor mir liegt, mit all seinen Ungewissheiten.

Im Vertrauen darauf, dass bei Gott eine Wohnung auf mich wartet, bin ich ermutigt in dieser Welt bewusst zu leben - und gegen Unrecht und Unglück aufzustehen.
Ich muss keine Angst vor der Welt haben, denn Jesus hat diese Welt überwunden.

Jesus sagt uns:
Geh den Weg mit mir, dann kannst du gelassen ins neue Jahr gehen.
Dann kannst du gelassen hinnehmen, was nicht zu ändern ist und dann kannst du mutig aufstehen gegen das Unrecht, das vor deinen Augen geschieht.

Du kennst das grosse Ziel - du kennst das Ende vom Weg - und so kannst du auch die vielen kleine Ziele im Leben erreichen, die vielen kleine Wege mutig erwandern, die das neue Jahr bereithält.
Und dann wirst du auch die Niederlagen, die Schickalsschläge und die Umwege bestehen und durchstehen, die das neue Jahr ebenfalls für dich bereithalten mag.

Das heisst nicht, dass die Wege einfacher werden.
Das heisst nicht, dass wir keine Angst mehr haben,
dass wir keine Zweifel, ja Verzweiflung mehr hätten.
Das nicht.

Aber es heisst:
Im Vertrauen auf Gott und auf Jesus wird das neue Jahr keine Blindfahrt. Wir wissen, wohin die Reise geht.
Und das darf uns im entscheidenden Moment die nötige Kraft und Gelassenheit geben, die wir brauchen.

So ermutigt und so gestärkt schickt Jesus uns in das neue Jahr!
Lassen wir uns schicken - voller Vertrauen und auch voller Freude!
Denn wir haben einen Platz bei Gott - für immer!
Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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