Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Jesaja 7,10-14
24.12.2011
Kirche Bözberg
25.12.2011
Kirche Mönthal
Pfr. Thorsten Bunz


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Jesaja 7,10-14

10 Und der HERR fuhr fort, zu Ahas zu sprechen:
11 Erbitte dir ein Zeichen vom HERRN, deinem Gott, sei es tief unten oder weit oben.
12 Ahas aber sagte: Ich werde nichts erbitten, und ich werde den HERRN nicht versuchen!
13 Da sprach er: Hört doch, Haus David, reicht es euch nicht, Menschen zu ermüden, dass ihr auch noch meinen Gott er-müdet?
14 Deshalb wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben: Seht, die junge Frau ist schwanger, und sie gebiert einen Sohn. Und sie wird ihm den Namen Immanu-El geben.
15 Dickmilch und Honig wird er essen, bis er versteht, das Bö-se zu verwerfen und das Gute zu wählen.
16 Denn bevor der Knabe versteht, das Böse zu verwerfen und das Gute zu wählen, wird das Land verlassen sein, vor dessen zwei Königen du dich fürchtest.

vorausgegangen ist die Lesung der Weihnachtsgeschichte in Lukas 2

Liebe Gemeinde,

wie vertraut sind doch diese Worte aus dem Lukas-Evangelium, die ich eben vorgelesen habe: Die Weihnachtsgeschichte. Am Nachmittag des Heiligen Abend haben in der Kirche Bözberg Jugendliche eben diese biblische Weihnachtsgeschichte nachgespielt. Da lief mehrmals der Engel durch den Mittelgang, um zuerst Maria, dann Josef und später den Hirten zu erscheinen. Der Engel verkündete diesen Menschen grosse Freude - euch ist heute ein Kind geboren.

Auch in unserem heutigen Predigttext wird die Geburt eines Kindes angekündigt. Vorgeschlagen als Predigttext für die diesjährige Weihnacht ist ein Text aus dem Buch des Propheten Jesaja.

Ich lese Ihnen aus dem 7. Kapitel des Propheten Jesaja:
Und der HERR fuhr fort, zu Ahas zu sprechen:
Erbitte dir ein Zeichen vom HERRN, deinem Gott, sei es tief unten oder weit oben.
Ahas aber sagte: Ich werde nichts erbitten, und ich werde den HERRN nicht versuchen!
Da sprach er: Hört doch, Haus David, reicht es euch nicht, Menschen zu ermüden, dass ihr auch noch meinen Gott ermüdet?
Deshalb wird der Herr selbst euch ein Zeichen geben:
Seht, die junge Frau ist schwanger, und sie gebiert einen Sohn. Und sie wird ihm den Namen Immanu-El geben.
Dickmilch und Honig wird er essen, bis er versteht, das Böse zu verwerfen und das Gute zu wählen.
Denn bevor der Knabe versteht, das Böse zu verwer-fen und das Gute zu wählen, wird das Land verlassen sein, vor dessen zwei Königen du dich fürchtest.



Auch hier wird die Geburt eines Kindes angekündigt. Dieser Text ist darum als Weihnachtspredigt vorgeschlagen, weil wir als Christinnen und Christen mit diesem Kind natürlich sofort Jesus Christus in Verbindung bringen. Davon ist aber beim Propheten Jesaja noch gar nicht die Rede. Hier geht es zunächst um etwas anderes:
Es geht darum, worauf ein Mann Namens Ahas vertraut.

Der Text ist etwa 700 Jahre älter, als die Berichte von der Geburt Jesu. Zu dieser Zeit steht Israel kurz vor einem Krieg. Ahas ist der König in Juda. Vom Nordreich wird Ahas zur Koalition genötigt, er will aber lieber neutral bleiben. Um dem Druck standhalten zu können, braucht Ahas aber Verbündete und die sucht er sich im Süden.

Ich will jetzt keine Kriegsszenarien und Strategien aufzeigen, dem wollen Sie sicher nicht folgen an Weihnachten. Und es überstiege auch mein eigenes Denken.
Und darum geht es für uns heute auch nicht. Sondern: Es geht darum, worauf Ahas vertraut.

Ahas ist ein kluger Staatsmann. Er weiss, was er tut. Er handelt überlegt und strategisch. Längst hat Ahas Verhandlungen angefangen mit Nachbarstaaten, hat mit deren politischen Entscheidungsträgern verhandelt. Sein Weg ist entschieden. Der König hat einen guten Plan. Er könnte aufgehen. Alles geregelt.

Doch dann gerät alles durcheinander. Denn dann schickt Gott plötzlich seinen Propheten. Gott lässt Ahas ausrichten: "Warum sorgst du dich? Warum machst du Pläne, in denen ich nicht vorkomme? Du überlegst, welche mächtigen Verbündeten du dir suchen sollst, dabei kennst du den Herrn der Welt persönlich. Hast du das vergessen?"

Gott wendet sich durch seinen Propheten an Ahas. Gott will Ahas begleiten und ihm beistehen. Doch Ahas scheint davon nichts wissen zu wollen. Denn Ahas hat seine Pläne ohne Gott geschmiedet.

Gott wiederum will es genau wissen:
"Ahas, brauchst du einen Beweis dafür, dass ich dir beistehen werde? Welchen Beweis willst du? Welches Zeichen willst du haben, dass ich bei dir bin? Erbitte dir ein Zeichen vom HERRN, deinem Gott, sei es tief unten oder weit oben.

Gott kommt Ahas ausgesprochen nahe! Ahas darf persönlich erfahren, dass Gott den Menschen so nahe kommt. Gott lässt sich auf die Menschen und ihre Spielregeln ein, und das so sehr, dass er sogar bereit ist, ein Zeichen zu geben.

Aber der König traut sich nicht. Er hat seinen Plan schon gemacht. Vermutlich hat er ihn in seinem Hofstaat bereits verkündigt. Er kann jetzt keinen Rückzieher mehr machen.
Ahas ahnt, wenn er jetzt von Gott ein Zeichen verlangt und das dann auch noch bekommen würde, dann müsste er einen Rückzieher machen. Er müsste seinen Plan ändern.
Ahas ahnt, dass sein Plan ein hohes Risiko birgt. Er ahnt, dass er besser im Gebet auf Gottes Beistand vertraut und nach Gottes Willen geplant hätte. Nein, ein Zeichen kann er nicht fordern. Wie würde er dann auch noch vor seinem Volk dastehen - ein König, der seine strategischen Pläne ändert? Dieses Risiko kann eine Führungspersönlichkeit nicht so einfach eingehen.


Worauf vertraut Ahas? Ahas vertraut auf seine eigenen Pläne. Ahas braucht Gott nicht.

Und hier, an dieser Stelle, wird Ahas für uns heute spannend.
Brauchen wir Gott? - Brauchen Sie Gott?


Wir Menschen sind Führungspersönlichkeiten wie Ahas eine Führungspersönlichkeit war. Das mag Sie jetzt erstaunen, und vielleicht sagen Sie sogar: "aber ich doch nicht".
Und doch: Wir führen unser eigenes Leben. Alle.

Wir managen ja nicht nur im Geschäft, sondern auch daheim in der Familie. Wir managen nicht nur das Zusammenleben mit anderen, sondern managen überhaupt unseren tagtäglichen Alltag. Und natürlich ist es da gut, immer möglichst auf alles gut vorbereitet zu sein, gut geplant zu haben, alles gut zu durchdenken und alle Unsicherheiten und Eventualitäten ausgeräumt zu haben.

Und ist es nicht so: Wenn dann zu uns plötzlich ein Prophet käme, wenn zu uns plötzlich Gott selbst sprechen würde und würde sagen: "Was sorgst du dich, hast du nicht darauf vertraut, dass ich dir beistehen werde?", würden wir dann nicht auch ins Wanken geraten und müssten zugeben: "Nein, so ganz vertraut habe ich darauf nicht!"?

Gott hat schon seinen Platz in unserem Leben, so ist es ja nicht. Christliche Werte sind uns schon wichtig. Und gerade heute, gerade an Weihnachten tut es gut, daran zu erinnern und im Geiste Gottes von Frieden und Liebe zu träumen.
Aber deshalb will ich doch nicht alle meine Sicherheiten aufgeben. Wohldurchdachte Pläne geben mir Sicherheit, mein Leben zu gestalten. Was würden auch die Leute von mir denken, wenn ich plötzlich nicht mehr mein Leben selbst sorgsam arrangiere, sondern wenn ich alles Gott überliesse. Alles.

Nein: Für meine Lebensplanung brauche ich Gott nicht. Der hat ja auch anderes zu tun, kann sich um die Notleidenden kümmern. Nein, ich versuche Gott nicht. Ich fordere darum auch kein Zeichen von ihm.

Das tönt sogar fromm. Das tönt so fromm, wie es Ahas auch formuliert: Ich werde nichts erbitten, und ich werde den HERRN nicht versuchen!

Das tönt fromm. Und meint im Grunde doch nichts anderes, als dass er selber entscheiden will.

Und so geht es eben vielen von uns doch auch, oder etwa nicht? Wir wollen viel lieber selbst alles entscheiden, wollen mitunter Gottes Arbeit machen. Wenn Gott einen Platz in unserem Leben hat, dann einen, der uns passend erscheint. Am Sonntag Morgen, an Weihnachten, für Kranke und Bedürftige.

Wenn Gott uns heute ein Zeichen anbieten würde, dass er wirklich da ist und es gut mit uns meint, wir würden vor den Konsequenzen wahrscheinlich genau solche Angst haben wie der König Ahas. Die Menschen, die immer irgendwelche Beweise fordern, rechnen eigentlich nicht damit, sondern hoffen, dass es keine gibt. Und würden keinen Beweis anerkennen. Denn dann müssen sie an ihrem Leben nichts ändern.
Wer will wirklich Zeichen? Ahals jedenfalls nicht.

Aber Gott gibt ein Zeichen. Gott lässt nicht locker!

Dem König Ahab hat Gott ein Zeichen angekündigt, das für uns bis heute - gerade heute - nachwirkt: Eine junge Frau ist schwanger und sie gebiert einen Sohn.

Ich sagte es bereits: Uns führt dieser Satz geradewegs in den Stall von Bethlehem. Ob der Prophet Jesaja die Geburt Jesu Christi angekündigt hat, oder nicht, spielt keine Rolle. Für uns ist mit dieser Ankündigung Gottes genau das wahr geworden.

Ahas wurde von Gott überrumpelt. Sein Reich ist verschont geblieben, Jerusalem und das Reich Juda wurden nicht im Krieg überrant. Seine gemeinsamen Pläne mit den von ihm gewählten Verbündeten haben nichts genützt.
Gottes Zusage aber hat wich bewahrheitet: Der Sohn, den die Junge Frau zur Welt bringen wird, wird den Namen Immanuel tragen. Immanuel: Das bedeutet "Gott mit uns". Ahas hat erleben dürfen, dass das feindliche Heer wieder abgezogen ist. Die Verheissung hat sich bewahrheitet.

Ein Mann wird von Gott überrumpelt. An dieser Stelle kommen wir wieder zu unserer Weihnachtsgeschichte. Der Mann, der uns in der Weihnachtsgeschichte begegnet, wurde auch von Gott überrumpelt: Josef.
Josef hatte sein Leben auch anders geplant. Erst wollte er glücklich werden mit der schönen jungen Freundin, mit Maria. Und dann, als er erfährt, dass sie schwanger ist, will er von ihr fliehen, will sie allein lassen.
In diesen Gedanken hinein, in diese Entscheidung hinein schickt Gott seinen Engel zu Joseph. Gott sagt Joseph seinen Beistand zu, versichert ihm, dass dieses Kind ein ganz besonders Kind ist. Und er bittet ihn, Maria nicht zu verlassen.
Joseph hätte auch lieber selbst entschieden. Das wollen Männer so. Das wollen Menschen überhaupt. Aber Männer ganz besonders: wir wollen selbst unser Leben in die Hand nehmen, wollen selbst die Entscheidungen treffen.
Doch Joseph lässt seine eigene Entscheidung fallen. Er hört auf Gott. Joseph vertraut Gottes Zusage: Ich bin mit dir. Ich werde mit dir sein.

Was dabei herausgekommen ist, das wissen wir alle nur zu gut. Gott ist in Jesus Christus Mensch geworden. Das feiern wir bis heute. Wir feiern an Weihnachten, dass Gott "mit uns" ist.
Gott wird Mensch und sagt uns zu, bei uns zu sein, uns in unserern Entscheidungen zu helfen und zu unterstützen. Lassen wir Gott diesen Platz! Geben wir ihm diesen Platz in unserem Leben. Hören wir darauf, was Gott mit uns vor hat. Wir dürfen gewiss sein: Die Zusage, die damals Ahas bekam und die gut 700 Jahre später Joseph erhielt, diese Zusage gilt auch für uns heute noch! An Weihnachten hören und erleben wir sie. Sie darf aber auch über das Weihnachtsfest hinaus in unser ganzes Leben hinein wirken:
Euch ist heute der Heiland geboren. Der Retter ist da.

Gesegnete Weihnachten! Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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