Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Jesaja 43,19
01.01.2007
Kirche Bözberg
Chr. Straberg
Kirche Mönthal
Th. Bunz


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Jesaja 43,19a

Gott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen. Jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?

Liebe Gemeinde,

schon wieder ist ein Jahr rum.
Schon wieder beginnt ein neues Jahr.
So plötzlich und unerwartet
und doch zugleich so sicher und zuverlässig.

Dazu passt die Jahreslosung, die uns durch das neue Jahr geleiten wird, wie ausgesucht:
Gott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen.
Jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?

Das Neue kommt, ob wir darauf achten oder nicht.
Das Neue wächst auf, ob wir es erkennen oder nicht.

Es kommt von allein.

Den Jahreswechsel können wir in besonderer Weise feiern.
Aber wenn wir das nicht tun, wechselt das Jahr trotzdem.

So einfach und so selbstverständlich das klingt,
so einfach und so selbstverständlich ist es
und so einfach und so selbstverständlich formuliert es eben auch die Jahreslosung aus dem Propheten Jesaja:

Gott spricht: Siehe, ich will ein Neues schaffen.
Jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?


In der Lesung haben Sie gehört, wie der Prophet Jesaja diesen Vers einleitet, den wir als Jahreslosung immer nur so allein stehend antreffen.

Jesaja spricht zu dem Volk Gottes - wie so oft - in grosser Not und Bedrängnis. Gottverlassen, so fühlen sich die Menschen, verloren fern der Heimat im Exil, heimatlos angesichts des zerstörten Tempels in Jerusalem.

Verbohrt in ungute Gedanken über das Gewesene. Voller Trauer über das, was sie zurücklassen mussten, was verloren ist. Voller Wut über die Fehler, über alles, was dieses Exil hervorgebracht hat.
Zukunft - daran denkt niemand.
Etwas Neues? Was soll das denn noch geben.
Was soll Gott noch Neues von ihnen wollen, wo sie doch nicht auf ihn gehört haben, wo sie doch immer ihren eigenen Weg gesucht haben, nur auf sich selbst geschaut und nicht darauf, was Gott von ihnen will.

Doch Gott will weiterhin.
Gott will ein Neues schaffen.
Gott hat das Volk erwählt und hält an seiner Erwählung fest!

Der Prophet erinnert an das, was Gott ausmacht:
Retter aus Unheil und Not

Der Prophet erinnert an die Geschichte, die sie mit Gott haben, an die Errettung aus Ägypten,
aus grosser Not, aus der auch kein Weg heraus schien.
Wo es auch keine Aussicht auf etwas Neues gab.

Dieser Gott hat im Meer einen Weg und in starken Wassern eine Bahn gemacht
dieser Gott lässt Wagen und Rosse ausziehen, Heer und Macht, dass sie auf einem Haufen daliegen und nicht aufstehen, dass sie verlöschen, wie ein Docht verlischt,
dass sie keine Macht haben, zu kämpfen und zu schlagen.


Und dieser Gott wird auch weiterhin ein Neues schaffen,
ja mehr noch: er ist schon dabei!

Das Neue kommt, sozusagen ganz von allein.
Das Neue kommt allein aus Gott.

Das Neue kommt und fängt schon an,
es wächst schon auf, wir müssen es nur erkennen!

Gott ist zuverlässig
so wie er in der Vergangenheit das Volk gerettet hat und ihm immer wieder eine neue Zukunft geschenkt hat, so wird er das auch in Zukunft tun

Und Gott ist fortschrittlich
denn er wird etwas Neues schaffen, das so neu ist, dass wir es offenbar noch nicht einmal von selbst erkennen!

Diesen Gott verkündigen wir bis heute.
Den Gott, der Neues schafft, der uns Wege in die Zukunft weist, die wir entdecken und begehen sollen.

Was kann dann aber dieses Neue sein, dass da so unaufhaltsam und zugleich noch unbemerkt wächst?

Für die Israeliten damals war es der Weg aus dem Exil in ein altes neues Land.

Und für uns heute?

Es kann die ‚ganz normale' Entwicklung sein.
Wir entwickeln uns weiter. Wir verändern uns. Wir beginnen neue Dinge.
Und das so ‚normal', dass wir es kaum erkennen.

Und wenn wir es erkennen, dann staunen wir: Ach, das habe ich mal gesagt, gedacht, das waren mal meine Pläne?
Ich bin mit 30 eine andere als mit 15 und mit 50 eine andere als mit 30.

Das Neue kann schleichend kommen, so dass ich es kaum bemerke. Manchmal öffnet ein Jahreswechsel die Augen für das Neue, das schon begonnen hat in meinem Leben.

Oder das Neue, das ich um mich herum wahrnehme. Veränderungen im Dorf, bei meinen Nachbarn, aber auch in der Gesellschaft, im Land.
Und manchmal mag man da ganz verschrocken sein,
dass scheinbar das Alte einfach abgebrochen wird - nur das Neue ist gut und richtig
und alles, was mein Leben früher ausgemacht wird als alt und überholt dargestellt.
Kein schönes Gefühl.
Das Neue soll das Alte, Überholte, Überflüssige ablösen, abschaffen.

Ist das das Neue, woran Jesaja denkt?
Fast könnte man es meinen, wenn er sagt:
"gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige".

Verwirft auch Jesaja, verwirft auch Gott das Vorige, das Alte?
Ist das Neue, das aufwächst ein Abbruch des Alten?

Wir denken, nein. Das mag so scheinen.
Aber Jesaja verweist ja auf den Gott, der Israel aus Ägypten gerettet hat. Er verweist auf die Geschichte Gottes mit den Menschen.
Gottes Treue durch die Jahrhunderte hindurch, das ist das, worauf der Glaube und unser Vertrauen gründen.

Das wird nicht abgebrochen. Das Neue schiebt nicht einfach das Alte beiseite.

Das Neue wächst auf dem Boden des Alten.
Jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?

Das Neue wächst ja schon auf - und es wächst auf dem Alten. Das Alte sind die Traditionen und die Errungenschaften der Vorfahren. Das bleibt erhalten, ist sozusagen die Basis für das Neue.
Es gibt auch unschöne Dinge in der Vergangenheit, Dinge und Erinnerungen, die das Herz belasten, die einen niederdrücken, die einen Neuanfang, etwas Neues unmöglich machen.
Wer nur in der Vergangenheit verhaftet ist, kann nicht weitergehen.
Dieses Alte, das Leiden und die Unterdrückung, die die Gedanken gefangen nehmen, diese Frühere und Vorige, das sollt ihr vergessen.
Das sollt ihr Gott zurückgeben.
Das alte Jahr in Gottes Hand legen und befreit ins neue gehen.

Das ist das Positive am Neuen, das Gott schafft.

Aber es kann schon sein, dass der einen oder die andere auch vor dem Neuen, das Gott uns schenken will, steht und nicht weiss, ob er sich darüber freuen soll, ob sie das so gut findet.

Wir haben in unserem Pfarrhaus neben der Kinderzimmertür ein Gedicht von Khalil Gibran hängen, darin heisst es:

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
... und weiter ...
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen. Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.


Diese Zeilen sind uns bei der Vorarbeit für diese Predigt in den Sinn gekommen: unsere Kinder wohnen im Haus von morgen, das wir selbst nicht besuchen können.

Und im Laufe des Lebens mit Kindern kann dann schon der Gedanke aufkommen: Was die alles Neues machen, tun und denken - da komme ich nicht mehr mit! Mag das alles so gut sein? Ist das, was ich gedacht und getan habe, denn gar nichts mehr wert?

Ja, das mögen Gedanken sein.
Aber das Neue kommt ja nicht über Nacht.
Es wächst langsam auf.
Das Haus von Morgen ist ein Haus, das wie jedes Haus in Etappen gebaut wird.
Wir bauen an diesem Haus mit.
Und wir können planen und vorbereiten, damit dieses ‚Haus von morgen' unseren Kindern ein gutes Zuhause ist.

Aber wir können dieses Haus selbst nicht betreten.

So ist es wohl mit vielem Neuen, das schon jetzt im Entstehen ist, das wir nur erkennen müssten:
Vieles von dem, was heute neu geschaffen wird, ist für mich persönlich nicht mehr zugänglich. Die Entwicklung schreitet voran und irgendwann bekommt man das Gefühl, abgehängt zu werden, nicht mehr mitzukommen.
Das ist kein schönes Gefühl.
Aber dies an sich ist gar nichts Neues!

Das war ja auch schon immer so, auch für unsere Eltern und Grosseltern und für deren Eltern und Grosseltern auch:

Sie errichten und bauen nicht allein für sich selbst,
sie errichten und bauen für die Zukunft.

Die Kinder entwickeln auf den Traditionen der Eltern eigene Ideen und bauen sich daraus ihre eigenen Häuser.

Die ältesten unter Ihnen haben das schon so gemacht und meine Generation macht das so und unsere Kinder werden es wiederum so handhaben:
wir können auf gute Traditionen bauen, auf den Grundsteinen der Eltern und Grosseltern ein eigenes Haus errichten
aber wir können darin unsere Eltern und Grosseltern nicht mehr mit hinein nehmen, weil wir etwas Neues bauen, zu dem die Generation vorher irgendwann keinen Zugang mehr hat.

Aber eben: wir bauen schon mit.
Nichts von dem Neuen kommt aus dem luftleeren Raum. Auch wenn es heute manchmal so scheinen mag.

Und das Neue hat jemanden, der mitschafft, mitdenkt, mitgeht.
Gott schafft Neues.
Gott bereitet nicht nur uns, sondern auch unseren Kindern und Kindeskindern ein neues Haus, in dem sie sich wohl fühlen können, das sie tragen kann.
Ein Haus, das die Zukunft verheissungsvoll empfängt.
Wir müssen nur erkennen, dass das Neue jetzt schon aufgeht und wächst. Das Gott uns jetzt schon den Samen gibt für die Ernte, die unsere Kinder einfahren dürfen.

Das ist etwas Wunderbares, eine wunderbare Verheissung, die uns durch das kommende Jahr begleiten soll.

Und auch eine Verheissung, die nicht nur mich persönlich, sondern uns als Kirchgemeinde begleiten soll.

Denn auch wir schaffen etwas Neues.
Jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht?

Mit Gottes Segen wollen wir in die neue Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal gehen.

Aber was die Jahreslosung dieser neuen Kirchgemeinde mit auf den Weg gibt, das wollen wir mit der gesamten Kirchgemeinde bedenken,
mit denen aus Mönthal und vom Bözberg gemeinsam -
gleich in der Turnhalle Oberbözberg.
Und dann wollen wir dort das Neue feiern, das Gott mit geschaffen hat und an dem wir mit Gott weiterschaffen wollen.


Und so schenke Ihnen Gott seinen Segen für das neue Jahr und für alles Neue, das Ihnen auf dem Weg durch das Jahr 2007 begegnen wird!

Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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