Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Jesaja 2,1-5
13. Juli 2008
Waldhütte
Pfrn. Chr. Straberg


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Jesaja 2,1-5

1 Dies ist's, was Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat über Juda und Jerusalem:2 Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Heiden werden herzulaufen, 3 und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem. 4 Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. 5 Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Licht des HERRN!

Liebe Gemeinde!

Eine Schaufel, eine Harke und ein Eimer - viel mehr braucht es nicht, um ein Kind glücklich zu machen - na ja, noch ein Haufen Sand dazu.
Das sind die Symbole für Kinderglück und ruhige Stunden als Eltern.
Ab einem bestimmten Alter jedenfalls.
Jana braucht noch ein bischen Zeit, bis sie sich damit vergnügt, unser Jan ist da schon ganz begeistert.

Friedliche Stunden auf dem Spielplatz also, die Kinder spielen und die Eltern sitzen gemütlich auf der Bank...
Sehe ich da in dem einen oder anderen Auge Protest?!
Muss ich nicht selber als Mutter auch protestieren?

Denn die friedlichen Momente können ganz schnell in Geschrei und Wutgeheul umschlagen - "Ich will aber den Eimer!" - und ganz schnell wird das friedliche Spielgerät Schaufel oder Harke in ein effektives Instrument umfunktioniert, um dem anderen Kind damit eins auf den Kopf zu geben und so den begehrten Eimer zurück zu erobern...
Werden da Erinnerungen wach??! Vielleicht auch an eigene Sandkastenerfahrungen??!!

Kinder werden uns von Jesus oft als Vorbild aufgezeigt - wenn ihr nicht werdet wie die Kinder -
aber Kinder können uns auch zeigen, was im Innersten von uns Menschen verborgen liegt:
Wir Menschen haben keine Probleme, eine friedliche Schaufel für einen weniger friedlichen Zweck zu nutzen, um unseren Willen durchzusetzen...

Und als ich mir das vergegenwärtigt habe, kam mir der zentrale Satz aus dem Lesungstext, der auch der bekannteste ist, in den Sinn: s
ie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spiesse zu Rebmessern schmieden.
Schwerter zu Pflugscharen!
Der zentrale Satz der Friedensbewegung aus den 80igern - und er steht auch am Denkmal vor dem Sitz der Vereinten Nationen.

Aber - mein Kind kann auch aus einer Schaufel ein - na ja vielleicht nicht Kriegsinstrument machen, aber doch ein Schlaginstrument.
Und einen Pflug möchte ich nun wahrhaftig nicht an den Kopf bekommen.

Also ist das der Weg zum Frieden, dass man einfach keine Waffen mehr in Händen hat?
Schauen wir uns unsere Kinder an und die Antwort ist klar!!

Aber ist das der Sinn des Textes, dass es Frieden gibt, wenn wir Schwerter zu Pflugscharen schmieden?

Wenn ich ihn mir genau durchlese, muss ich sagen: nein!
Dass es so simpel eben nicht ist, das wusste schon der der Prophet Jesaja, dem diese Worte zugeschrieben wurden.
Diese Friedensvision, die das Herz höher schlagen lässt, weil sie unsere tiefsten Sehnsüchte zur Sprache bringt:

Es wird geschehen in den letzten Tagen: Alle Völker werden zum Berg Zion nach Jerusalem strömen, sie werden sagen: Kommt, lasst uns zum Berg Gottes ziehen, zu seinem Haus, dass er uns seine Wege lehrt und wir nach seinen Geboten leben. Und Gott wird Recht sprechen zwischen den Völkern und sie unterweisen. Und dann werden sie Schwerter zu Pflugscharen und Spiesse zu Rebmessern schmieden. Kein Volk wird gegen das andere das Schwert erheben, sie werden den Krieg nicht mehr lehren. Lasst uns wandeln im Lichte Gottes!

So der Text in Kurzfassung.

Und sie merken: Bevor da geschmiedet wird, passiert noch allerhand anderes:

Die Völker brechen auf, sie strömen zum Hause Gottes.
Aufbruch, Veränderung - meiner Wege, meiner Ansichten, das ist das erste, was es auf dem Weg zum Frieden braucht. Aufbruch aus meinem alltäglichen Trott. Wer sich nicht auf den Weg macht, kommt nicht an auf dem Weg zum Frieden.
Und dann bitten die Völker - die Menschen selber Gott:
Unterweise uns, zeige uns, wie wir gut zusammenleben können! Lehre uns deine Gebote, dass wir danach leben können!
Ein Wunder, wenn Menschen das bitten!

Ein Wunder, dass wir Pfarrerinnen und Pfarrer immer wieder erhoffen - im Konfirmandenunterricht passiert das leider meistens nicht. So ist das.

Aber im Prinzip hoffen wir als christliche Gemeinde jedes Mal auf diese Frage, wenn wir nämlich ein kleines Kind taufen, so wie heute.
Wir hoffen, dass dieses Kind eines Tages den Weg des Glaubens geht und auf diesem Weg lernt, was wir von Gott bekommen haben, um in Frieden und glücklich miteinander zu leben.
Jede Taufe gibt der Hoffnung auf die Friedensvision des Jesaja neue Nahrung und lässt sie nicht untergehen!

Aber auch wenn das alles geschehen ist, wird immer noch nicht geschmiedet, erst passiert noch eines:
Gott spricht Recht zwischen den Völkern!
Er schafft Gerechtigkeit.
Unrecht wird nicht einfach unter den Tisch gekehrt, sondern es wird reiner Tisch gemacht.
Frieden kann erst entstehen, wenn begangenes Unrecht angesehen, angesprochen und verziehen wurde. Sonst schwelen alte Wunden weiter und es wächst erneut Hass im Herzen und alles fängt von vorne an.

Aber wenn das alles geschehen ist, dann, dann werden aus Schwertern Pflugscharen. Dann wird kein Volk mehr gegen das andere das Schwert erheben und keiner wird mehr den Krieg lernen.

Ein Traum?
Nein, mehr als ein Traum. Eine Vision, die uns Jesaja am Ende der Tage prophezeit.
Dann, wenn unsere Menschengeschichte in Gottes Geschichte eingeht.
Weit weg und dennoch ganz nah.
Denn der letzte Satz ruft uns auf, schon jetzt die dunkle menschliche Seite der Gewalt und des Hasses zu fliehen und im Lichte Gottes zu wandeln.
Das Licht Gottes, das uns den Weg zum Aufbruch leuchtet.
Das Licht Gottes, wofür die Taufkerze ein Zeichen sein will.

Und das heisst für uns, nicht nur einfach zu träumen, sondern loszugehen.
Ganz konkret und ganz schwer.
Das fängt auf dem Spielplatz an - wenn sich die Kinder mit ihren Schaufeln die Köpfe einschlagen.
Dann fängt es an, Kinder auf den Weg des Friedens zu führen.
Kinder zu sensibilisieren, was sie anderen antun, wenn sie ihrer Wut auf dieser Weise Ausdruck geben. Wenn sie immer nur auf sich schauen.
Gut, bei den ganz Kleinen ist das fast nicht möglich, die müssen ja erst mal lernen, was mein ist.
Aber dann - und dann lernen sie am besten, wenn sie sich an uns orientieren könne, an den Eltern und Grosseltern, an Gotte und Götti.
Unsere Lebenseinstellung geben wir an unsere Kinder weiter.
Es heisst ja auch so schön, man muss gar nicht erziehen, die Kinder machen einem eh alles nach.

Und so besteht die Herausforderung dieses Textes darin, nicht sofort die Hoffnung aufzugeben, weil es ja eh keinen Frieden geben kann, weil wir uns ja nur die Kinder im Sandkasten anzuschauen brauchen.

Sondern schon in den Kindern jene Seiten zum Klingen zu bringen, die sich nach Frieden sehnen.
Vorbilder zu werden, die zeigen: Ja, Frieden ist möglich, so schwer er auch ist.
Schon in der Familie, schon in der Nachbarschaft.

Denn schon die kleinen Schritte sind Schritte auf dem Weg zum Frieden.
Und wir haben die Hoffnung und den Glauben, dass die Vision vom Frieden keine Vision bleibt, sondern Wirklichkeit werden kann.

Kinder sind solche Hoffnungsträger - aber auch die Musik, die Menschen weltweit verbindet ist solch ein Hoffnungsträger!
Und so lassen sie uns heute morgen diese Hoffnungsträger, die wir im Gottesdienst erleben, mitnehmen:
Jana, die wir getauft haben
und die Musik der Musikgesellschaft, die das Herz aufgehen lässt und die Hoffnung auf Frieden zum Klingen bringt.

Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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