Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Jeremia 20,7-13
11. März 2007
Kirche Mönthal
Kirche Bözberg
mit Taufe
Pfr Thorsten Bunz


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Jeremia 20,7-13 - Die Last des Prophetenamts

(7) HERR, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin darüber zum Spott geworden täglich, und jedermann verlacht mich. (8) Denn sooft ich rede, muss ich schreien; »Frevel und Gewalt!« muss ich rufen. Denn des HERRN Wort ist mir zu Hohn und Spott geworden täglich.
(9) Da dachte ich: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, in meinen Gebeinen verschlossen, dass ich's nicht ertragen konnte; ich wäre schier vergangen.
(10) Denn ich höre, wie viele heimlich reden: »Schrecken ist um und um!« »Verklagt ihn!« »Wir wollen ihn verklagen!« Alle meine Freunde und Gesellen lauern, ob ich nicht falle: »Vielleicht lässt er sich überlisten, dass wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen.«
(11) Aber der HERR ist bei mir wie ein starker Held, darum werden meine Verfolger fallen und nicht gewinnen. Sie müssen ganz zuschanden werden, weil es ihnen nicht gelingt. Ewig wird ihre Schande sein und nie vergessen werden. (12) Und nun, HERR Zebaoth, der du die Gerechten prüfst, Nieren und Herz durchschaust: Lass mich deine Vergeltung an ihnen sehen; denn ich habe dir meine Sache befohlen.
(13) Singet dem HERRN, rühmet den HERRN, der des Armen Leben aus den Händen der Boshaften errettet!

Predigt - 1. Teil

szenisch
nach vorne, Richtung Chorraum, sprechen


Gott!
Was hast du mit mir getan!

Betört hast du mich, verführt und verwirrt.
Und ich habe mich verführen lassen.

Gott!
Du hast mich gepackt, ergriffen.
Du hast mir Gewalt angetan!

Alle lachen über mich, sie lachen mich aus.
Zum Gespött hast du mich gemacht!


Und dabei rede ich doch in deinem Auftrag!
Deine Worte sind es, wenn ich ihnen ihre Schandtaten vor den Latz knalle.
Verbrechen, Gewalt, Missbrauch, Vergewaltigung.
Umweltverschmutzung, Tierquälerei, Völlerei.

Alles das sind doch deine Worte!
Und was machen sie? - Sie lachen über mich.


Ich will nicht mehr.
Ich kann das nicht mehr ertragen.
Ich will aufhören damit.

Aber auch das gelingt mir nicht.
Ich bin zu sehr ergriffen von deinem Wort.
Du hast mich betört und verführt,
du steckst tief in meinem Herzen.

Wenn ich es nicht sage, so zerspringe ich fast daran.
Es muss raus.


Und dann reden sie wieder über mich:
da ist er wieder, verbreitet Schrecken und Unfriede.
Seht ihn euch nur an . ja, ja, der Störenfried.
Das schlechte Gewissen geht um.

Sie wollen mich beseitigen.
Sie suchen nach etwas, womit sie mich verführen können,
überlisten wollen sie mich, gefangen nehmen, versorgen.
Ich stehe ihnen im Weg bei ihrem gottlosen Leben.
Sogar meine Freunde stellen sich gegen mich.


Doch Du, Gott, stehst mir bei wie ein guter Freund.
Du beschützt mich.


Was wollen die mir schon anhaben.
Du wirst sie fallen lassen.
Du wirst ihnen ihr Handwerk legen und sie demütigen.
Gross wird deine Rache an ihnen sein.
Und ich darf deine Rache an ihnen erleben!
Denn du verteidigst mich.


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Singt Gott! Preist Gott! Lobt Gott!
Gott hat das Leben eines armen Menschen
aus der Hand derer gerettet, die Böses tun!

Lied 247, 11 - Grosser Gott, wir loben dich
11. Herr, erbarm, erbarme dich.

Predigt - 2. Teil

Liebe Gemeinde,

haben Sie keine Angst, ich bin nicht verwirrt oder verrückt geworden. Ich habe Sie nur ein wenig erleben lassen wollen, wie es dem Propheten Jeremia seinerzeit gegangen sein muss.
Wohl müssten wir uns noch mehr als zwei-einhalb-tausend Jahre zurück versetzen.
Den Taufstein müssten wir uns wegdenken.
Noch lange dauert es, bis Jesus die Taufe befiehlt.

Und doch hängt das beides ein wenig zusammen:
die Taufe und das, was Jeremia damals erlebt hat .
Mit der Taufe bekennen wir unsere Zugehörigkeit zur Gemeinschaft, die Gott in seinem Sohn Jesus Christus gestiftet hat.
Mit unserem "Ja" erwidern wir das "Ja" Gottes zu uns.
Die Taufe ist im Grunde nichts anderes, als unsere Antwort auf Gottes Handeln an uns.
Gott ruft uns in seine Gemeinschaft
und wir folgen diesem Ruf durch die Taufe.
So betrachtet ist die Taufe ein Bekenntnis unseres Glaubens.

Und nichts anderes ist das, was Jeremia in unserem heutigen Predigttext tut: ein Bekenntnis.
Jeremia legt ein Bekenntnis ab. - Und was für eins.

Jeremia ist einer der zahlreichen Propheten Gottes, die eines Tages, als sie gerade an nichts Böses denken, Gottes Wort hören, seinen Willen spüren, von ihm ergriffen werden.

Gott sucht sich immer mal Menschen aus, die in seinem Namen den anderen sagen, was sie zu tun oder zu lassen haben.

Regelmässig sind diese von Gott erwählten Menschen alles andere als beglückt. Niemand will ernsthaft von Gott in Anspruch genommen werden.

Auch Jeremia nicht.

Aber wie das so ist: Wen die Liebe trifft...
Und hier geht es um so etwas wie Liebe!
Jeremia ist von Gott verführt und betört worden! Der hebräische Originaltext benutzt hier ganz bewusst ein Wort, das ansonsten im Sprachgebrauch der Liebe steht.
Gottes Liebe packt Jeremia direkt beim Herzen. Er kann nicht anders.
Da geht es nicht einfach um eine eigene Entscheidung zu einem eigenen "Ja" zu Gott. Das geht auch gar nicht: als sachliche Entscheidung kann doch die Liebe gar nicht funktionieren. Das ist ja nichts neues.

Und ebenso wenig kann man sich dann als sachliche Entscheidung dagegen entscheiden. Wenn das Herz erst mal ergriffen ist, ist da nichts mehr zu machen.

Das spürt Jeremia eben auch.
Er will nicht - und er muss doch.
Er sträubt und wehrt sich - und es ist ihm, als würde ihm das Herz zerspringen.

Jeremia muss bekennen.
Jeremia muss von Gott reden.
Jeremia muss den Menschen sagen, was Gott von ihnen hält.

Und das macht sein Leben zur Qual.

Möchten Sie gern übers Ohr gehauen werden?

Haben Sie es gern, wenn Ihnen jemand etwas weg nimmt?

Genau das erlebt Jeremia in seiner Umwelt!
Die Menschen gehen rau und rücksichtslos miteinander um!
Die Menschen treiben allerhand Mutwillen.
Und sie leben alles andere als gottesfürchtig und nach dem, was sie doch aus den Geboten Gottes kennen sollten.

Das muss Jeremia benennen und anprangern!
Er muss die Menschen an Gottes Gebote erinnern.
Er muss - weil er selbst von Gottes Liebe ergriffen ist.

Und es ist doch auch so einfach:
Lebe doch Rücksicht! Lebe doch so, wie du selbst auch behandelt werden möchtest!
Tue doch niemandem etwas, von dem du auch nicht willst, dass ein anderer es mit dir tut!

Oder als Sprichwort unserer Zeit:
Was Du nicht willst, das man dir tu,
das füg auch keinem Andern zu!

!

Ich hoffe, Sie kommen jetzt alle selbst schon darauf, worauf ich jetzt komme:
Auf den Taufspruch, den die Eltern für ihr Kind ausgesucht haben:

Und ich versichere Ihnen, ich habe den Taufspruch nicht passend zu diesem Predigttext ausgesucht - und auch nicht umgekehrt.

Behandelt die Menschen so,
wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt -
das ist es, was das Gesetz und die Propheten fordern.

Muss man da noch mehr dazu sagen?


Jeremia wurde von den Menschen verspottet, verlacht, verhöhnt. Ja mehr noch: verraten, verhaftet und gefoltert wurde er.
Und sogar seine eigenen Freunde - oder jedenfalls die Menschen, die er für seine Freunde gehalten hat - haben ihn beseitigen wollen. Weil er deren Leben in Frage gestellt hat!

Und dabei klingt es ja so einfach und selbstverständlich, wenn man das, was Jeremia anprangert, in diesem einfachen Satz formuliert, in den Jesus es in der Bergpredigt getan hat:

Behandelt die Menschen so,
wie ihr selbst von ihnen behandelt werden wollt.

Wie gesagt:
Muss man da noch mehr dazu sagen?


Die Eltern unseres Taufkindes heute haben sich für ihr Kind diesen Satz als Taufspruch ausgesucht.
Der Taufspruch, den wir den Täuflingen bei ihrer Taufe zusprechen, soll sie während ihres Lebens begleiten.
So mancher hat sich noch am Sterbebett an seinen Tauf- oder auch an seinen Konfirmationsspruch erinnert.
Er sollte daher mit Bedacht ausgewählt werden.


Die Eltern haben mit Bedacht gewählt.
Sie haben ganz bewusst diesen Satz gewählt, um ihrem Kind damit auch eine Mahnung mit auf den Weg zu geben.

"Unser Kind soll die Menschen um sich herum so behandeln, wie es selbst auch behandelt werden möchte!"

Und noch etwas:
"Leider ist genau das auf dieser Welt nicht mehr selbstverständlich."

Das sind die Worte der Eltern,
den Eltern unseres Taufkindes heute.
Auch dazu muss man eigentlich nicht mehr viel sagen.

Und jetzt schlage ich noch mal die Brücke zu dem Anfang, zu dem, was ich zu Beginn meiner Predigt gesagt habe:
Ich habe gesagt, beides hängt ein wenig zusammen:
die Taufe und das, was Jeremia damals erlebt hat.

Denn wenn jemand mit seiner Taufe ernsthaft sich zu Jesus bekennt, ernsthaft sich zu Gott dazu gehörig fühlt, dann kann er ja nicht anders, als im Sinne Gottes zu leben.
Getauft sein allein macht noch keinen Christen aus.
Einen Christen erkennt man vielmehr an seinem Lebenswandel. ... ...

Das ist etwas, worüber wir auch am Dienstag Abend im Rahmen des Predigtvorgespräches uns unterhalten haben:

Wo nämlich wir heute als Mitglieder der reformierten Kirche, als Christinnen und Christen dem Jeremia gleichen.
Wo erleben wir, dass wir durch unser Bekenntnis Anstoss erregen?

Für mich als Pfarrer ist das leicht:
Ich erlebe es bei Besuchen, wenn sich Menschen entschuldigen, dass sie nicht so oft in die Predigt kommen. - Ich besuche sie trotzdem.
Aber wo erleben es "normale" Christinnen und Christen in ihrem Alltag?
Oder anders:
Wo werden Sie zu Jeremias in Ihrem Alltag - auf der Arbeit - im Turnverein - in der Clique.

Und was müssten Sie dann beklagen?


Wir haben uns im Bibelkreis am Dienstag Abend auch darüber Gedanken gemacht. Und auch überlegt, ob wir uns in unserer behüteten Welt heutzutage überhaupt mit Jeremia auf eine vergleichbare Ebene stellen können.
Ein Ergebnis haben wir nicht - ich überlasse Ihnen das jetzt selbst, in Ihrem eigenen Leben nach den Situationen zu suchen, in denen Sie für andere schon allein durch Ihr Christin- bzw. Christ-Sein zum Anstoss werden.


Vielleicht - ich denk mal jetzt laut - vielleicht sind Sie aber auch eher in der Rolle derer, die sich in Frage gestellt sehen.
Vielleicht wollen Sie gar nicht selbst zum Anstoss werden, sondern viel mehr sich in Ihrem Leben austoben ... ...

Ich lass das jetzt mal.
Sonst werde ich damit auch noch zum Anstoss.

Ich hoffe jetzt einfach mal darauf, dass Sie genug Anstoss zum Nachdenken bekommen haben. Das soll ja so eine Predigt auch tun: Anstoss geben.

Und jetzt lese ich Ihnen zum Abschluss den Predigttext noch einmal vor, so wie er in der ganz neu auf dem Markt erschienenen Bibel in gerechter Sprache übersetzt ist - übrigens eine Bibelübersetzung, die auch sehr viel Anstoss erregt hat.

So also, da steht der Text so:

Jeremia 20,7-13
Du hast mich verführt, Gott,
und ich liess mich verführen.
Du hast mich gepackt und überwältigt.
Jeden Tag werde ich zum Gespött, alle verlachen mich.

Ach, sooft ich rede, muss ich rufen, muss ich schreien:
"Gewalt und Misshandlung."
Ja, das Wort Gottes wurde mir täglich zu Spott und Hohn.

Dachte ich aber: "Ich will nicht mehr an Gott denken
und ich will nicht mehr im Namen Gottes reden,"
dann brannte es in meinem Herzen wie Feuer,
es erfüllte mein Inneres ganz.
Ich vermochte es aber nicht.

Ach, ich hörte das Gerede von Vielen:
"Grauen ringsum!"
"Verklagt ihn!"
"Wir sollen ihn verklagen!"
Selbst alle Menschen, die in Frieden mit mir verbunden sind,
warten gespannt auf meinen Sturz.
"Vielleicht lässt er sich verführen,
dann können wir ihn überwältigen und uns an ihm rächen!"

Aber Gott steht mir wie ein starker, kraftvoller Mann bei.
Deshalb werden die, die mich verfolgen, straucheln
und nichts erreichen.
Gedemütigt werden sie zutiefst,
denn sie bleiben ohne Erfolg - eine immerwährende und unvergessliche Schmach.

Gott der Gewalten prüft die Gerechten, schaut Herz und Nieren an.
So werde ich deine Rache an ihnen erleben,
denn dir habe ich meine Sache anvertraut.

Singt Gott, preist Gott!
Denn Gott hat das Leben eines armen Menschen
aus der Hand derer gerettet, die Böses tun.


Amen!

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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