Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Weihnachtsfenster
24.12.2010
Kirche Bözberg
Pfrn. Christine Straberg


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Predigt zum Kirchbözberger Weihnachtsfenster

Liebe Gemeinde!

Heiliger Abend. Eine ganz besondere Nacht, in der wir uns in der Kirche versammeln. Eine ganz besondere Stimmung, die in unseren Herzen etwas zum Schwingen bringt.
Weihnachten, das ist das Fest der Liebe und es ist das ist das Fest des Lichtes in der Dunkelheit.
In den Tagen der Dunkelheit ist Christi Geburt wie ein Licht, das in unser Herz und in unsere dunklen Gedanken fällt und so erhellen und froh machen will.
Licht, das ist etwas, was wir Menschen unbedingt brauchen. Gerade wenn alles um uns herum so dunkel ist. Und so ist nicht umsonst in dieser Zeit viel Licht da - Häuser und Gärten sind geschmückt, in den Stuben werden Kerzen angezündet, und am Heiligabend strahlt der Weihnachtsbaum in all seiner Pracht und rührt an etwas in unseren Herzen, das wir nur schwer in Worte fassen können.

Wir brauchen das Licht, gerade im Moment, wo die Sonne uns nicht mehr genug Licht bringt - zu früh ist sie und ihr Strahlen schon wieder verschwunden oder bricht erst gar nicht durch das Nebelmeer durch.

Wie bekommen wir Licht?
Ganz profan gesehen haben wir Menschen die Fenster. Fenster lassen das Licht in unsere Stuben, sie sind durchlässig für die Strahlen der Sonne. Fenster sind wichtig, auch um durchzuschauen, den Blick nach draussen zu öffnen.
In Kirchen sind Fenster schon immer etwas Besonderes gewesen. In Kirchen wird ganz besonders deutlich, dass es das Licht von aussen braucht, damit ein Fenster seine Bestimmung erfüllt. Sonst kann es nicht strahlen. Sie zeigen, dass wir Licht brauchen und dass wir es auf ganz besondere Weise bekommen können.
Die Reformatoren hatten diese Fenster zeitweise verbannt, damit sie mit ihrer Pracht nicht die Gedanken vom Evangelium ablenken. Zum Glück hat aber unsere Kirche im Chor bunte Fenster - vier Stück. Wunderschöne Fenster, 1964 vom Aarauer Künstler Roland Guignard gestaltet. Sie entstehen in der frühen Zeit seiner beginnenden abstrakten Phase - noch kann man Gegenstände erkennen, aber Formen und Farben werden wichtiger. Wer ein rein abstraktes Werk von ihm sehen will, kann das in der Stadtkirche Aarau tun.
Im Moment kann man diese Fenster nicht erkennen - nicht nur wegen des Weihnachtsbaumes. Es fehlt wie gesagt das Licht von aussen!
Die Fenster in unserer Kirche stellen die vier wichtigsten Feste des Christentums dar - Weihnachten, Karfreitag, Ostern und Pfingsten. Und dieses Jahr möchte ich am Heiligabend dem Weihnachtsfenster Raum geben, ihm nachsinnieren.

hier sollte ein Bild sein - es zeigt:

Weihnachtsfenster von Roland Guignard

Natürlich sind die Farben nicht ganz so prächtig, wie wenn die Sonne scheint, es ist auch nicht so gross - aber man bekommt hoffentlich einen Eindruck. Ich weiss nicht, wer von Ihnen sich das Fenster schon mal angeschaut hat. Für mich ist dieses Fenster zum Fenster der Boten Gottes geworden.

Eine grosse Gestalt beherrscht das Fenster, man kann Flügel erkennen, die spitz gen Himmel zeigen und die Gestalt schwebt, die Füsse leicht nach hinten geneigt.
Mit offenen Armen steht sie vor uns und gibt so das Licht weiter, das durch sie hindurch scheint. Grün, gelb und blau, in diesen Farben strahlt sie.

Ein Engel, der Engel Gottes, der uns Gottes Botschaft bringen will. Ein Bote Gottes. Gewaltig und gross ist er - stelle ich mir so einen Engel vor?

Über dem Engel, viel kleiner im Verhältnis, ein Stern. Auch in Grün, gelb und blau, aber auch ein wenig rot. Genau über dem Kopf des Engels leuchtet er, eingerahmt von den Flügeln, die gen Himmel zeigen. Eine Aureole umgibt ihn. Auch der Stern ein Bote Gottes.

Boten Gottes - so gross, so strahlend, wie könnte man sie übersehen. Und doch, wer sieht sie noch, heute, in unserer Zeit...

Gemeinsam wollen sie uns eine Botschaft sagen. Eine Botschaft, die auch im Fenster zu finden ist.

Ganz klein und unscheinbar, ja fast zu übersehen am unteren Rand, der in braun gehalten ist, da finden wir einen kleinen braunen Stamm, aus dem eine Blume wächst, die aussieht wie eine Christrose. Die Blume aus dem Stamm - sie weist uns darauf hin, auf die Botschaft. Es ist eine alte Botschaft, aus einer alten Zeit, aus einer Wurzel, an die wir uns kaum noch erinnern. Es ist die Botschaft vom Frieden und vom kleinen Kind.

Wer sich auskennt, weiss, dass es die Wurzel Jesse ist, die in so manchem Weihnachtslied besungen wird. Eine Anspielung auf die Botschaft des Propheten Jesaja, der uns etwas Unerhörtes ankündigt, vor so langer Zeit.
Dort spricht im Buch des Propheten Jesaja Gott selbst:

"Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der Geist des HERRN, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Furcht des HERRN.
Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben.
Kühe und Bären werden zusammen weiden, dass ihre Jungen beieinander liegen, und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder. Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein entwöhntes Kind wird seine Hand stecken in die Höhle der Natter. Man wird nirgends Sünde tun noch freveln auf meinem ganzen heiligen Berge.
Und es wird geschehen zu der Zeit, dass das Reis aus der Wurzel Isais dasteht als Zeichen für die Völker. Nach ihm werden die Heiden fragen, und die Stätte, da er wohnt, wird herrlich sein."

Eine alte Botschaft, aus einer alten Zeit, einer Wurzel, an die wir uns kaum noch erinnern. Die Botschaft vom Frieden, vom kleinen Kind - eine Botschaft vom Paradies. Irdisch geworden in der Geburt eines kleinen Kindes.
Können wir sie noch in unserer Zeit finden? Können wir sie noch weitersagen? Und doch ist sie hier dargestellt, im Fenster unserer Kirche.

In Blau, der Farbe des Himmels, der Farbe des Glaubens. Im Blau verbinden sich Himmel und Erde, so wie der Engel Himmel und Erde verbindet. Im Blau spiegelt sich das Vertrauen auf Gottes Zusage. Und zugleich leuchtet uns das Fenster in Grün und Gelb entgegen - in den Farben der Hoffnung und des Lichtes. In den Christus-Farben.

Wir sollen dieser unglaublichen Botschaft vertrauen, wir sollen die Hoffnung nicht verlieren, dass die Vision, die Ankündigung aus dem Buch des Propheten Jesaja in der Geburt Jesu wahr geworden ist. Frieden, sogar unter den Tieren, Frieden unter uns Menschen - und Jesus als unser Bruder mitten unter uns.

Auch uns heute Abend gilt es - auch uns verkündigt der Engel die Frohe Botschaft. Erschrecken wir noch darüber? Fürchten wir uns noch, wenn uns Gottes Boten Hoffnung und Frieden bringen wollen?
Vielleicht ist er deswegen so gross und so gewaltig - der Engel. Weil wir ihn so brauchen. So können wir ihn nicht übersehen, so stört er unseren Weg, unsere Gedanken. So steht er uns im Weg und kann uns so den Weg zeigen - zur Weihnacht, zum Frieden, zum Kind, auch heute noch.

Und wenn wir in dieser Nacht oder in den kommenden Nächten den klaren Himmel sehen und die Sterne, vielleicht kommt uns dann der Stern von Bethlehem in den Sinn, der Bote Gottes. Und vielleicht begegnen wir auch anderen Boten Gottes. Die vielleicht nicht immer so gross und gewaltig sind. Lasst uns aufmerksam sein.
Mit den wachen Herzen der Weihnacht kann ein Wunder geschehen und die Boten Gottes finden auch heute Eingang in unsere Herzen. Und wer Lust hat, kann immer wieder in die Kirche kommen und sich vom Licht des Engels die Weihnachtsbotschaft sagen, nein leuchten lassen.

Frohe Weihnachten!
Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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