Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Pfingstfenster
12.06.2011
Kirche Bözberg
Pfrn. Christine Straberg


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Predigt zum Kirchbözberger Pfingstfenster

Liebe Gemeinde!

Pfingsten ist in unserer Gesellschaft das unbekannteste Kirchenfest. Und dennoch ist es ein buntes, ein fröhliches Fest, ein Fest, das die Menschen bewegt, das uns anstupsen will! Es ist das Fest des Geistes Gottes!

Der Geist lässt sich nicht leicht fassen - und schon gar nicht in Worten. Der Geist bricht immer wieder aus und wird neu, überraschend. Er ist überwältigend, verzehrend, ergreifend.

In der Pfingstgeschichte aus der Apostelgeschichte versucht Lukas, den Geist und seine Wirkung in Worte zu fassen. Aber wir haben heute Morgen noch eine weitere Möglichkeit, diesen Geist zu fassen, die vielleicht besser zum ungestümen Geist Gottes passt.

Roland Guignard hat versucht, Pfingsten in ein Kirchenfenster mit Symbolen und Farben zu fassen. 1968 hat er die vier Fenster der Kirche Bözberg gestaltet - von Weihnachten bis Pfingsten.

Das Pfingstfenster ist das letzte Fenster. Es ist das Fenster, das ganz rechts ist - an der Seite vom Chorraum - und wie Pfingsten selbst auch eher am Rande ist, kaum auffällt, sich den Blicken entzieht, wenn man vor dem Chorraum steht.

hier sollte ein Bild sein - es zeigt:

Pfingstfenster von Roland Guignard

Aber im Gegensatz dazu ist das Fenster selber dasjenige, das am buntesten, farbenprächtigsten ist. Das Fenster, durch das die Sonne mit bunten Farbenspielen den grauen Boden im Chorraum anmalt - wunderschön sieht das an einem sonnigen Tag aus! Als wir einmal unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden die Aufgabe stellten, sie dürften aus einem Fenster einen Ausschnitt abmalen, da haben sich alle für das Pfingstfenster entschieden!
Das Fenster stellt in seiner Mitte das Pfingstgeschehen in seiner Essenz dar:
"Plötzlich gab es ein mächtiges Rauschen, wie wenn ein Sturm vom Himmel herabweht. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Dann sahen sie etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden liess sich eine Flammenzunge nieder."
Der Geist Gottes kommt als mächtiges Rauschen vom Himmel und auf jeden lässt sich eine Flammenzunge nieder.
Roland Guignard hat den Geist Gottes in Form einer Taube dargestellt, die auf einem leuchtend gelben Streifen vom Himmel herabfährt.
Die Taube ist im Neuen Testament als Symbol des Heiligen Geistes, so ist das bei der Taufe Jesu erwähnt. Da kommt der Geist Gottes in Gestalt einer Taube auf Jesus herab. Wie kann aber eine Taube ein Symbol des doch unfassbaren, bewegten Geistes Gottes sein? Sie ist es auf jeden Fall nicht wegen ihrer Gestalt als Taubenvogel.
Die Symbolhaftigkeit hat ihren Grund im Flug der Taube. Wenn eine Taube im Landeanflug ist, dann flattert sie heftig, es gibt eine sehr flirrende Bewegung - nicht richtig fassbar. Darin ist sie Symbol für das Unfassbare, das Wehende, das Bewegende des Geistes Gottes.
Wie ein Brausen - so heisst es in der Apostelgeschichte. Ein Bild kann man nicht hören - aber wir haben das klatschende, brausende Flügelschlagen vor Ohren, wenn viele Tauben durch die Lüfte fliegen.
So brausend kommt der Geist - aber er ist auch noch sichtbar: Sie sahen etwas wie Feuer, und Flammenzungen liessen sich auf jedem nieder.

Die Taube ist der Beginn eines Kreises, den zwölf orangefarbene Flammenzungen bilden. Jede Flamme ist anders, so wie Feuer auch immer in Bewegung ist. Flackernd bewegen sie die 12 Jünger Jesu, die im Fenster nur durch die Flammen angedeutet sind.

Und was dann in der Pfingstgeschichte passiert, hat Guignard, wie ich finde, genial dargestellt: Das Fenster um diesen mittleren Kreis herum beherrschen geometrische Figuren, die die Form von Pfeilen bilden. Pfeile - Zuerst ein Pfeil vom Himmel, die Taube mit einer blauen Pfeilspitze vom Himmel auf die Erde. Wie eine leuchtende Spur vom Himmel mitten in unsere Welt.
Dieser Pfeil, dieser Geist trifft auf die Jünger, auf Menschen - und er verändert die Menschen, auf die er trifft, man könnte meinen, er verwandelt sie - und zwar in Pfeile!
Vom Kreis aus gehen viele Pfeile in alle Richtungen nach aussen, hinaus in die Welt, bunte Pfeile, in ganz verschiedenen Farben.
Ich zähle zwölf Pfeile... Die Jünger - wie Pfeile fliegen sie in alle Welt, treffen ins Innerste, durchbohren Herzen, stecken fest, verändern das Angesicht der Erde. Wild und ungestüm, grossartig und erhebend. Das Werk des Geistes. Gottes Geist, Gott unter uns, Gott in unseren Herzen.
Und so werden auch wir bis heute zu Botinnen und Boten, gesandt in die Welt. Gottes Geist verändert Menschen, in deren Herz er trifft, die er mit dem Feuer des Glaubens und der Liebe erfüllt.
Die Pfeile in den bunten Farben stellen zugleich eine Vielfalt dar, so wie die Jünger in den verschiedenen Sprachen der Erde sprechen und alle können verstehen. Der Geist spaltet sich auf in bunte Farben, es gibt keinen Einheitsbrei, keine einheitliche Linie!

In alle Richtungen, in allen Farben, so vielfältig, wie wir Menschen sind! Jeder und jede kann sich wiederfinden! Kräftige Farben, so stark, wie wir Menschen sind! Bunt - lebensfroh, ansteckend fröhlich - so fröhlich, dass die Menschen damals glaubten, die können doch nur betrunken sein. Denn so eine tiefe Fröhlichkeit kann es doch nicht geben - einfach so. Aber doch - wer von Gottes Geist erfüllt ist, der spürt genau das!

Ein buntes Fenster, fröhlich, und doch gibt es eine Farbe, die dominant ist, die uns noch tiefer in das Geheimnis von Pfingsten und vom Geist Gottes hineinführt.
Die Taube in der Mitte vom Fenster taucht quasi in einen blauen Kreis ein. Und alle bunten Pfeile bewegen sich immer wieder durch blau. Blau, das hatte ich schon in den anderen Fensterpredigten erwähnt, ist die Farbe des Glaubens. Aber es ist auch die Farbe des Wassers. Und so scheint es fast, als ob die Taube mitten in ein Taufbecken voller Wasser eintaucht.

Die Taufe ist eng verbunden mit der Taufe. Wie ich schon sagte, kommt bei Jesu Taufe der Geist Gottes wie eine Taube herab vom Himmel. Und uns allen ist von Gott versprochen, dass wir bei der Taufe und mit der Taufe seinen Geist bekommen, der uns erfüllt und der uns unser Leben lang begleiten möchte. Die Taufe begründet unsere Gemeinschaft mit Gott - und sie begründet zugleich unsere Gemeinschaft miteinander, unsere christliche Kirche.
So kann man in dem Fenster durch das blaue, runde Taufbecken die Gründung der christlichen Kirche angedeutet sehen. Der Glaube als unsere Basis. Gottes Geist, der wie das Wasser bei der Taufe über uns kommt.
Und im Glauben bewegen sich auch die Jüngerinnen und Jünger in die Welt - so wie im Blau des Fensters die Pfeile in alle Richtungen auseinanderfliegen. Man könnte fast sagen, bei jeder Taufe feiern wir ein kleines Pfingstfest. Denn wie es an Pfingsten die Jünger taten, können und sollen wir Gottes Botschaft seiner Liebe und Treue und nicht für uns behalten, sondern weitergeben, an unsere Kinder und an die ganze Welt. Man kann eigentlich nichts dagegen machen: Wenn Gottes Geist uns erfüllt, dann können wir nicht anders, dann müssen wir fröhlich davon erzählen, dann tragen wir Gottes Liebesbotschaft in alle Welt.

Und dieser Automatismus, dass es fast gar nicht anders geht, den finde ich auch in diesem Fenster - ganz versteckt. Vom inneren, blauen Kreis gehen immer weitere Kreise aus, die immer grösser werden. Es ist so, wie wenn ich einen Stein ins Wasser werfe, dann bilden sich Kreise, die sich immer weiter ausdehnen, die immer grösser werden und die nicht zu stoppen sind. So als ob die Taube das Wasser in der Mitte angerührt hat und sich von dort aus die Kreise ausbreiten - nicht zu stoppen!
Wo der Geist an unser Herz rührt, da können wir nichts machen, da breiten sich Kreise aus, da werden Menschen verändert, ohne dass ich etwas machen kann.

Und so breitet sich Pfingsten in der Welt aus - von damals, als Gottes Geist unter Brausen und mit Flammen auf die Jünger herabkam, bis heute, wenn wir taufen und wenn wir spüren, dass uns Gott angerührt hat, dass ich fröhlich und bunt werde! Pfingsten geschieht bis heute - mitten unter uns!
Pfingsten ist verankert, auf unserer Erde, so wie dieses bunte, fröhliche Fenster!

Das letzte Fenster in diesem Zyklus in der Kirche Bözberg.

Schaue ich zurück, schaue ich die vier Fenster alle gemeinsam an, so wie sie ja auch gemeinsam nebeneinander den Chorraum erleuchten, dann finde ich hier einen Zyklus unsere Glaubens. Spannend ist die Zusammenschau insofern, als es zwei Fenster gibt, die eher blasser, durchscheinender sind - und dabei jeweils bestimmt von einer grossen Gestalt. Und zwei Fenster, die kräftige Farben haben, und bestimmt sind von vielen kleinen Symbolen. Ich deute es so, dass die durchscheinenderen Fenster quasi den Himmel durchscheinen lassen - sie sind offen zum Reich Gottes.
Denn aus Gottes Reich kommt der Engel und kündigt die Geburt Jesu an - und in Gottes Reich kehrt der Auferstandene Christus zurück. Gott kommt auf die Erde und er kehrt wieder zurück in den Himmel.
Und die Fenster mit den kräftigen Farben sind ganz irdisch, uns ganz nah. Gott hat sich auf die Erde eingelassen - Jesus hat sich ganz in unsere Welt hineingegeben - bis ans Kreuz. Durch seinen Tod wurde er zu unserer Rettung.
Und mit Gottes Geist bleibt er auf der Erde, schenkt uns so einen tiefen Glauben, der uns tragen kann.

Der Glaube - das ist in den Fenstern die Farbe Blau. Sie ist das Bestimmende im Pfingstfenster - und sie ist die einzige Farbe, die wir so deutlich in allen Fenstern finden.

Unsere Glaubensgeschichte zieht sich durch die vier Fenster, die uns der Künstler Roland Guignard geschenkt hat. Unsere Glaubensgeschichte, die an Pfingsten ihren Zug um die Erde antrat und nicht aufhört, bis heute. Unser Glaube, der an Pfingsten mit Gottes Geist brausend und züngelnd auf die Erde kam und unsere Herzen bis heute anrührt, der Menschen verändert und unser Leben bunt und fröhlich durchweht.

Möge uns alle auch an diesem Pfingstfest Gottes Geist durcheinanderwirbeln und uns einander fröhlich begegnen lassen.
Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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