Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Auffahrtfenster
24.04.2011
Kirche Bözberg
Pfrn. Christine Straberg
Pfr. Thorsten Bunz


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Dialog-Predigt zum Kirchbözberger Osterfenster

Eine Anmerkung
Die Predigt behandelt das Osterfenster. Tatsächlich ist es aber so, dass dieses Fenster nicht das Osterfest, sondern Auffahrt darstellt. Das war uns beim Erstellen der Predigt leider nicht bewusst.


Pfrn. Christine Straberg:
Liebe Gemeinde!
"An Ostern feiern wir die Auferstehung Christi. Ist das noch zeitgemäss?"
Was antworten Sie auf diese Tagesfrage in der gestrigen AZ?!
Ich behaupte nun einfach mal, da Sie ja hier sitzen, werden Sie diese Frage mit "JA" beantworten: Ostern zu feiern ist zeitgemäss.

Pfr. Thorsten Bunz:
Ostern ist doch nicht zeitgemäss!

Pfrn. Christine Straberg:
Das ist ja klar, dass du mir wieder widersprechen musst!

Pfr. Thorsten Bunz:
Nein - ich will gar nicht widersprechen. Nur finde ich, Ostern hat nichts mit zeitgemäss zu tun! Zeitgemäss ist und war Ostern nie! Ostern ist etwas ganz anderes!
Ostern war nicht pure Freude, Ostern war als aller erstes Furcht und Entsetzen! Die Frauen, die als erste mit dem leeren Grab und mit dem Auferstandenen konfrontiert waren, die hatten Angst! Die wussten nicht, wie ihnen geschah! Also, zeitgemäss war das schon damals nicht.
Und die Männer glaubten ihnen zuerst auch nicht - Frauengeschwätz! Das kennen wir ja leider bis heute...

Pfrn. Christine Straberg:
Ja, ja, aber irgendwann hatten es sogar die Jünger begriffen, was geschehen war - und dennoch brach bei ihnen keine pure Freude aus. Die Freude war durchwachsen:
Was wird nun geschehen? Was machen wir mit dieser Botschaft?

Pfr. Thorsten Bunz:
Die frohe Botschaft, die Osterbotschaft war also am Anfang gar nicht so freudig.
Die Auferstehung Jesu, sie ist nicht von unserer Welt, sie entzieht sich unserem Denken, unserem Verstand. Und das ist uns unheimlich, das können wir nur schwer ertragen!
Menschen brauchen es, die Welt und das Geschehen um sie herum mit ihrem Verstand fassen zu können.

hier sollte ein Bild sein - es zeigt:

Osterfenster von Roland Guignard

Pfrn. Christine Straberg:
Heute Morgen haben wir nun nicht nur einen Text und das Fest Ostern, über das wir predigen können, heute Morgen steht auch das Osterfenster unserer Kirche im Zentrum.
Und so ein Bild ist bestens geeignet, Dinge darzustellen, die unser Verstand nicht mehr wirklich fassen kann.

Pfr. Thorsten Bunz:
Bislang hatten wir das Weihnachtsfenster mit dem riesigen Engel und dem Stern, ganz links, vorgestern hast du über das Karfreitagsfenster gepredigt, das hier ganz zentral in der Mitte ist - rot und eindrücklich!
Und nun das Osterfenster.

Pfrn. Christine Straberg:
Und ich finde es hochspannend, dass das Osterfenster neben diesen beiden Fenstern so ganz anders wirkt.
Die beiden ersten Fenster bestechen durch ihre Farben - grün und rot - sie leuchten uns entgegen. Vor allem das Karfreitagsfenster springt einen fast an mit seinem kräftigen Rot - es predigt schon durch diese ambivalente Farbe - Liebe und Martyrium vereinen sich hier.

Und nun also das Osterfenster.
Rechts daneben.
Dieses Fenster hat auf den ersten Blick gar keine richtige Farbe. Es ist vor allem durchsichtig!

Pfr. Thorsten Bunz:
Durchsichtig - ja durchscheinend - so als ob Roland Guignard, der diese Fenster 1964 gestaltet hat, spürte, dass Ostern etwas Anderes ist, etwas Besonderes. Eben nicht von dieser Welt. Es ist, als ob Gottes Welt durch das Fenster in unsere hineinleuchtet - als ob die Sonne direkt in unsere Herzen scheint, wenn sie durch das Fenster leuchtet.

Pfrn. Christine Straberg:
Jesus Christus, das Licht der Welt, hier ist dieses Wort in Form gegossen - in durchscheinendes Glas!
Jesus, der Auferweckte, riesengross, aber dennoch nicht erschlagend, da so lichtdurchlässig. Nicht mehr von dieser Welt. Bunte Girlanden wickeln sich um ihn, wobei hier die Farbe Blau am häufigsten vorkommt.
Und ich habe das Gefühl, dass dieses Blau der Brückenschlag vom Karfreitagsfenster zum Osterfenster ist.
In diesem Fenster umfangen blaue Linien die Kreuzigungsszene. Blau, das ist die Farbe des Glaubens und der Treue, die Farbe, die Himmlisches und Irdisches verbindet.
Im Karfreitagsfenster wird so deutlich, dass Jesus und sein Tod bei aller augenscheinlichen Gottverlassenheit dennoch von Gott umfangen sind.
Gottes Treue umhüllt Jesus.
Und an Ostern zeigt sich dieser Glaube ganz deutlich!

Pfr. Thorsten Bunz:
Im Osterfenster wird Jesus von dieser blauen Linie umwoben - und die Aureole um seinen Kopf ist auch in Blau. Es ist wie ein Heiligenschein in Blau. Himmlisch und irdisch zugleich. Nicht mehr von dieser Welt und doch noch mit ihr verbunden.

Pfrn. Christine Straberg:
Und das ist etwas, das ganz wichtig ist an Ostern:
Jesus ist auferweckt und insofern schon nicht mehr ein Mensch wie wir, aber er ist dennoch als der Mensch auferweckt, der er auf Erden war - und das hat Roland Guignard gezeigt, indem er Jesus mit den Wundmalen der Kreuzigung darstellt. Sie sind ganz deutlich zu sehen.

Pfr. Thorsten Bunz:
Jesus ist als Auferstandener kein anderer als er auf Erden war. Er bleibt auch immer der Gekreuzigte - und er bleibt immer der uns Liebende und Segnende. So sind seine Hände auch hier wie zum Segen erhoben! Segen, das ist auch das Letzte, das die Jünger erfahren, bevor Jesus wieder zu Gott zurückkehrt.

Pfrn. Christine Straberg:
Segen, das hat Jesu Leben ausgemacht. Er wurde für die Menschen, die ihm begegneten zum Segen. Und er ist es bis heute für uns, die wir an ihn glauben.
Glaube - nur unser Glaube kann in Ansätzen ermessen, was die Auferweckung Jesu für uns bedeutet.

Pfr. Thorsten Bunz:
Mit unserem Verstand kommen wir eben nicht weiter.
Aber um unserem Verstand ein wenig entgegenzukommen, gibt es noch ein kleines Symbol im Fenster, ein Symbol, das uns helfen will zu erfassen, was Ostern bedeutet, wie Ostern begriffen werden kann

Pfrn. Christine Straberg:
Und das ist jetzt aber wirklich zeitgemäss: Es sind die beiden kleinen Schmetterlinge!
Schmetterlinge sind kein typisches christliches Symbol, aber sie wurden schon früh auf Grabsteinen als ein solches benutzt. Denn sie zeigen uns schon auf unserer Welt, dass wundersame Dinge geschehen können.

Pfr. Thorsten Bunz:
Gibt es etwas Unglaublicheres als die Verwandlung einer kriechenden, wurmhaften Raupe in einen schwebenden, bunten Schmetterling?! Jedes Kind, das zum ersten Mal erlebt, wie ein Schmetterling aus einer scheinbar toten Hülle herauskriecht, kann dieses Wunder nicht fassen!

Pfrn. Christine Straberg:
Und eigentlich können wir es doch auch nicht fassen - bei allem Wissen darum! Schon Paulus hat versucht, uns die Auferstehung anhand eines solchen Beispiels zu erklären. Bei ihm ist es das Samenkorn, das in die Erde gelegt wird und dort "sterben" muss, um dann aufzuwachsen in eine neue, ungeahnte Herrlichkeit!

Pfr. Thorsten Bunz:
Auch die Ostereier sind ein Beispiel dafür!
Eier, die aussehen wie toter Stein - und dennoch entschlüpft ihnen Leben! Ein Wunder!

Pfrn. Christine Straberg:
Ostern ist ein Wunder Gottes.
Es ist das Wunder seiner Liebe, die den Tod und unsere Angst überwindet.
Es ist das Wunder seiner Treue, die uns nicht loslässt.
Ostern ist kaum zu fassen!

Pfr. Thorsten Bunz:
Ostern ist nie zeitgemäss!
Aber Ostern zu feiern, immer!
Gott in unserer heutigen Zeit zu loben und zu preisen!
Gottes Liebe unserer Welt zu verkünden - gegen all das, was scheinbar zeitgemäss ist und uns nur immer stärker in die Spirale von Zeitnot, Besitzen müssen und Wachstum ohne Grenzen treibt.

Pfrn. Christine Straberg:
Wir sind umfangen von einer anderen Spirale: von der Spirale des Glaubens. So wie Jesus in unserem Fenster von der blauen Spirale umfangen ist.

Pfr. Thorsten Bunz:
Diese blaue Spirale in dem Fenster, die Jesus umgibt, kann auch ein Weg sein.
Ein Weg, der sich wie eine Spirale hin und her windet,
sicher auch Höhen und Tiefen durchläuft.
Ein Weg aber, der von unten nach oben ins Licht führt.
In das Licht, das eben in dem Bild für das steht, was unseren Glauben ausmacht: Die Nähe Gottes.

Pfrn. Christine Straberg:
Diese Nähe Gottes feiern wir an Ostern.
Und diese Nähe Gottes dürfen wir spüren, wenn wir gleich miteinander Abendmahl feiern. In Brot und Wein kommt uns Gott nahe.
Möge diese Nähe Gottes über das Osterfest hinaus in unseren Alltag hinein scheinen und unseren Glauben täglich aufs Neue erhellen.

Frohe Ostern!
Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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