Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Epheser 4, 1-6
14. September 2008
Kirche Bözberg
Pfr. Thorsten Bunz


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Epheser 4, 1-6

1 So ermahne ich euch nun, ich, der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig lebt, mit der ihr berufen seid, 2 in aller Demut und Sanftmut, in Geduld. Ertragt einer den andern in Liebe 3 und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: 4 "ein" Leib und "ein" Geist, wie ihr auch berufen seid zu "einer" Hoffnung eurer Berufung; 5 "ein" Herr, "ein" Glaube, "eine" Taufe; 6 "ein" Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen.

Lied RG 276, 1-3: Such, wer da will, ein ander Ziel

Liebe Gemeinde,

das Lied, das wir soeben gesungen haben, konzentriert die Suche nach einem Helfer auf eine Person:
Auf Jesus Christus, den Sohn Gottes.

Ihm gilt es nachzueifern.
Ihm gilt es nachzufolgen.

Alles andere trägt nichts aus auf der Suche nach Frieden in dieser wie in der kommenden Welt.



Der Predigttext aus dem Epheserbrief klingt da zunächst etwas umfangreicher. Er konzentriert sich augenscheinlich nicht allein auf Christus, sondern er zählt mehrere Elemente auf:
Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller.

Alle diese Elemente aber sind Elemente des christlichen Glaubens! Das ist es, was dem Schreiber dieses Briefes so wichtig ist:
Ihr sollt euch besinnen auf die Grundlagen eures Glaubens!
Ihr sollt euch besinnen auf das, was euch alle miteinander verbindet.


Versetzen wir uns in die Zeit dieses Briefes:
Der Brief schreibt in eine Zeit ca. 3 Generationen nach Tod und Auferstehung Jesu.
Als Verfasser ist zwar Paulus angegeben, aber viele Details in der Beschreibung der Gemeindesituation lassen doch erkennen, dass hier bereits eine Entwicklung der jungen Gemeinde stattgefunden hat. Dieser Brief kann nicht zu Lebzeiten des grossartigen Apostels geschrieben worden sein.

Weil aber dieser grossartige Apostel dieser Gemeinde so eng verbunden war, kann jemand nun in seinem Namen diese mahnenden Worte schreiben.
Und Ermahnung ist nötig!

Drei Generationen sind vergangen, seit Jesus leibhaftig seinen Weg mit den Menschen gegangen ist.
Drei Generationen sind vergangen, seit sich die ersten Gemeinden zusammen fanden, um in der Nachfolge Jesu zu leben.

Drei Generationen sind vergangen, seit die Begeisterung für die ‚Sache Jesu' Menschen zum Teilen bewogen hat: zu Gemeinschaften, in denen Armen geholfen wird, in der eigener Besitz nicht zählt, in der Soziale Unterschiede unbekannt sind.
Die Begeisterung verfliegt langsam aber sicher.
Im Warten auf die Wiederkunft Christi kehrt Alltag ein, Normalität.


Es ist wie mit der Liebe:
Zuerst will man keine Sekunde ohne einander sein,
sitzt sich am liebsten so oder andersherum auf dem Schoss,
klebt die Lippen aufeinander und noch viel mehr …
Und dann irgendwann lockt der Fernseher,
dann das Hobby, dann nerven die Kinder - und stören.
Die Liebe lässt nach, flaut ab, weicht anderen Aufgaben.


In den Gemeinden der ersten Christenheit sind die, die einmal vor blinder Verliebtheit und vor erfüllter Begeisterung diese Christengemeinden gegründet haben, längst weggestorben.
Die nächste Generation sah die Dinge schon sehr viel nüchterner.
Und jetzt fängt man an, sich Gedanken zu machen über den Glauben, seine Inhalte, seinen Wert - und über das, was der Glaube an Jesus Christus austragen soll.

Die Meinungen gehen hier auseinander.

Das ist nicht erst heute in unserer Zeit so, in der es unzählige christliche Gemeinschaften in der ganzen Welt gibt. Im ökumenischen Rat der Kirchen, der ja in Genf seinen Sitz hat und in diesem Jahr seit 50 Jahren besteht, haben sich 347 Mitgliedskirchen zusammen geschlossen - die Katholische Kirche als grösste christliche Kirche der Welt ist da gar nicht dabei.

Diese Kirchen haben sich darum in dieser Gemeinschaft zusammen geschlossen, weil sie damit eine gewisse gemeinsame Grundlage bezeugen wollen.
Andererseits halten eben alle diese Kirchen zugleich an ihren unterschiedlichen Auslegungen dieser einen Grundlage fest.
Es macht eben einen Unterschied, ob mir im Abendmahl Jesus Christus leibhaftig begegnet, oder ob ich lediglich in der Erinnerung mit ihm verbunden bin.
Und es macht auch einen Unterschied, ob ich anerkenne kann, dass in der Nachfolge Jesu auch Frauen zum Priesteramt berufen werden können oder nicht.
Ob es 7 Sakramente gibt oder nur 2.
Ob … es gäbe vieles aufzuzählen.



Damals in Ephesus gab es solche Differenzen auch bereits.
Die unterschiedlichen Gruppierungen in der Gemeinde gingen nun je wieder ihre eigenen Wege.
Aber anstatt sich dabei wenigstens gegenseitig in Frieden leben zu lassen, feindeten sie sich an.


Hier will der Brief die Menschen wach rütteln und zu einem neuen Miteinander aufrufen.
Zu einem Miteinander, das aus derselben Quelle lebt
und das zu demselben Ziel führen will:
Jesus Christus.


Jesus Christus ist Quelle und Ursprung
und Jesus Christus ist das Ziel einer jeden christlichen Gemeinschaft - wenn das nicht so ist, dann ist es keine christliche Gemeinschaft.
Eine Gemeinde, die Jesus Christus als Ursprung oder Ziel aus den Augen verloren hat, kann sich nicht mehr christliche Gemeinschaft nennen.

Darum geht es in diesem Text!
Es geht darum, das Gemeinsame und einzig wichtige hervorzuholen und zu benennen:
Ein Leib und ein Geist,
ein Herr, ein Glaube, eine Taufe,
ein Gott und Vater aller.

Allen Meinungsverschiedenheiten
und allen unterschiedlichen Ansichten zum Trotz
soll diese Mahnung zu einer neuen Einheit führen.

Die Welt soll sehen, dass die gesamte Christenheit sich auf diesen gemeinsamen Nenner beruft und auf dieses gemeinsame Ziel hin strebt.


Das bedeutet nicht, dass es nicht Meinungsverschiedenheiten gibt - sondern das bedeutet, dass ihr der Welt dennoch zeigen sollt: Wir wissen, auf was wir uns berufen können: auf den einen Glauben an Jesus Christus.


Die Gemeinde in Ephesus damals ist kein Einzelfall.
Bis heute nicht.
Auch heute noch heisst es in der Kirchenordnung, dass Beschlüsse gemeinsam vertreten werden müssen.

Das bedeutet nicht, dass nicht unterschiedliche Meinungen gelten könnten.
Es bedeutet auch nicht, dass nicht engagierte Diskussionen geführt werden dürften, in denen eigene Meinungen beherzt vertreten würden.

Sondern: Es bedeutet, dass wir trotz aller Unterschiede ein gemeinsames Ziel vor Augen haben sollten:
Das Wohl der Christengemeinde.

Und wenn dann eine Entscheidung so - oder so - gefallen ist, dann sollen wir diese Entscheidung auch gemeinsam tragen.
Auch, wenn das zuweilen in Kirchgemeinden zu einem ertragen und austragen führen kann.

Am Ende der zuweilen schmerzhaften Diskussion sollte die Gemeinschaft über allem stehen: Die Gemeinschaft, in der die Entscheidung getragen und vertreten wird.



Ich habe auch das Bild von der Liebe gewählt:
Die Liebe, die zu Anfang alles teilt und die dann im Alltag an Begeisterung verliert.
Aber: Vielleicht ist es gar nicht so, dass die Liebe an Begeisterung verloren hätte!
Vielleicht ist es eher so, dass die Liebe nur anders gelebt wird!

Vielleicht - nein: ganz bestimmt - ist es sogar so, dass die Liebe den wahren Bedürfnissen überhaupt erst angepasst reagieren kann, wenn sie sich wandelt!

Wir können uns nur dann weiter entwickeln, wenn wir uns auch verändern können.

Wichtig ist und bleibt nur eines: Wir dürfen nicht das Ziel unserer Liebe aus den Augen verlieren:
Die Gemeinschaft - in der Christengemeinde die Gemeinschaft der Glaubenden
und in der Liebe eben die Gemeinschaft derer, die sich lieben.


Und diese Liebe kommt nun wiederum von Gott.
Gott hat diese Liebe in seinem Sohn Jesus Christus vorgelebt:

Eine selbstlose, aufopferungsvolle Liebe, die uns Vorbild sein will.


Hier schliesst sich der Kreis zum Einstieg der Predigt
und zum vorher gesungenen Lied:

Wen sollten wir nun also noch brauchen, wenn es in der Gemeinschaft oder in der Liebe nicht klappt,
wenn nicht Jesus Christus, der die Liebe Gottes ist?


So also, noch einmal mit den Worten des Briefes:

Führt euer Leben, wie es der Berufung, die an euch ergangen ist, angemessen ist,
in aller Demut und Sanftmut und in Geduld.
Ertragt einander in Liebe,
bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren
durch das Band des Friedens!


Und der Friede Gottes,
der höher ist als alle unsere menschliche Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne
in Jesus Christus.
Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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