Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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Offenbarung 21,1-7
23. November 2008
Ewigkeitssonntag
Kirche Bözberg
Pfrn. Chr. Straberg


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Offenbarung 21,1-7

1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. 3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß! 6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. 7 Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Kind sein.

Liebe Gemeinde! Auch wenn es in den Geschäften und auf den Gassen nicht so scheint: Es ist noch nicht Advent! Heute ist der letzte Sonntag im Kirchenjahr - einen Monat noch und dann haben wir den kürzesten Tag, die längste Nacht dieses Jahres. Diese Zeit des schwindenden Lichtes, die Zeit des Übergangs vom Herbst zum Winter ist die Zeit, in der wir unserer Verstorbenen gedenken. Ich denke, alle, die wir hier sitzen, haben den Verlust eines lieben Menschen zu beklagen, ob im vergangenen Jahr oder schon länger her. Wenn wir einen lieben Menschen verlieren, ein Elternteil, den geliebten Partner, ein Geschwister, im schlimmsten Fall ein Kind, dann befinden wir uns in einem Ausnahmezustand. Dann ist unser Herz wie zerissen, unsere Seele wund und der ganze Körper scheint wie in Watte. In früheren Generationen wusste man sehr wohl um diesen Schmerz, der das ganze Leben beeinflusst. Und ganz bewusst gab es eine Trauerzeit - nicht nur eine Woche, sondern länger - ein Jahr, in manchen Ländern sogar noch länger! Vielleicht war das wiederum für manchen Menschen einengend. Aber es schuf ein Bewusstsein dafür, dass man eigentlich nicht sofort wieder zum Alltag übergehen kann, dass der Schmerz bleibt, ja oft noch stärker wird. Wenn das Herz endlich gemerkt hat: Er kommt nicht wieder - Sie ist für immer gegangen. Aber in der heutigen Zeit hat sich das Ganze ins Gegenteil verkehrt: Ein paar Tage sind in Ordnung. Aber dann muss wieder geschafft werden, dann soll möglichst nicht mehr über darüber gesprochen werden, dann sollte die Sache mit dem Tod und der Trauer erledigt sein. Vielen ist klar, dass es so eigentlich nicht geht und dennoch bestimmt diese Einstellung unsere Zeit. Und daher finde ich es ganz wichitg zu betonen: Es tut weh! Es bleibt die Lücke! Auch nach einem Jahr, auch nach zwei, ja oft auch nach vielen Jahren! Man kann sich noch so gut darauf einstellen, wenn ein Mensch schwer krank ist, wenn der Abschied da ist, tut es gleichwohl weh. Und wenn es gar ein unerwarteter Tod ist, dann tut sich unser Herz besonders schwer. Ich habe etwas mitgebracht, das vielleicht ein Bild sein kann für diese Trauer. Ein schlichter grüner Tannenkranz. Schmucklos - vielleicht mit ein paar Tannenzapfen versehen geeignet, um auf ein Grab gelegt zu werden. Wer trauert, dessen Leben gleicht manchmal einem solchen schlichten, schmucklosen Kranz: Da gibt es keinen bunten Farben, kein Licht. Was bleibt und worauf sich das Leben reduziert, das ist wie so ein dunkelgrüner Kranz: die Zeit mit dem Menschen, den man gekannt, geliebt und gebraucht hat, diese Zeit ist zu Ende gegangen, hat sich zu etwas Endgültigem und Abgeschlossenem geformt. Wir können sie nicht mehr fortsetzen, nicht mehr in diesen Kreis eindringen. Es gibt keinen Einstiegspunkt mehr, nichts zum Neu-Anknüpfen. Wie dieser Kranz hat sich ein Leben gerundet, ist abgeschlossen, nicht mehr erreichbar. So stehen wir an den Gräbern unserer Lieben. So stehen wir und müssen doch nicht so stehen bleiben. Denn es gibt noch etwas anderes. Es gibt noch eine andere Botschaft, die in unsere Trauer eindringen will. Diese Botschaft versuchen wir an jeder Abdankung zu Gehör zu bringen. Es ist die Botschaft, die wir in der Lesung gehört haben: Gott hat uns versprochen, dass der Tod nicht das letzte Wort haben wird. Das Leben, seine Liebe ist stärker als alles, was unser Leben zerstört. Aufgeschrieben hat diese Worte ein Mensch, der in einer ähnlich verzweifelten Situation war - verbannt auf eine Insel, getrennt von allem, was und wer ihm lieb und teuer war. Den eigenen Tod vor Augen und den Tod unzähliger Mitchristinnen und Mitchristen hinter sich. Er hat aufgeschrieben, was ihm in dieser Situation Kraft und Mut gegeben hat, Hoffnung und Zuversicht. Was ihm geholfen hat, nicht zu verzweifeln und sich selbst und sein Leben nicht aufzugeben. Es sind unter anderem diese Worte aus der Lesung: Gott verspricht einen neuen Himmel und eine neue Erde. Er verspricht uns ein Leben bei ihm, wo alles, was uns auf dieser Erde noch bedrückt hat, ins Reine kommt. Es wird nicht einfach beiseite gewischt werden, aber es soll unser Herz nicht mehr schwer machen. Alle Tränen werden abgewischt, kein Leid, kein Geschrei, kein Schmerz, keine Mühsal. Es ist unfassbar - es ist ein Traum - es ist das Paradies. Kaum zu glauben - schwer zu glauben, angesichts der eigenen Trauer, angesichts des Schmerzes, der im Herzen brennt. Und doch: es ist gewisslich wahr. Das ist unser Glaube. Das ist unsere Hoffnung. Gott lässt uns nicht im Stich. Gott ist bei uns. Gott bleibt bei uns. In diesem Leben, was auch immer uns widerfährt und durch den Tod hindurch. Gott ist bei uns, die wir zurückgeblieben sind, die wir noch unseren Weg auf dieser Erde zu Ende gehen müssen. Gott ist bei unseren Verstorbenen, die ihre Zeit auf dieser Erde abgeschlossen haben, aber deren Zeit bei Gott nie zu Ende geht. Diese Worte wollen uns in Zeiten der Dunkelheit Kraft und Hoffnung geben. Sie ersparen es uns aber nicht, den mühseligen Weg der Trauer zu gehen. Sie löschen nicht einfach den Schmerz. Sie werden auch nicht jeden Zweifel und die Angst für immer beseitigen können. Auch sie gehören zu unserem Leben. Auch sie gehören zum Abschied und zur Trauer. Aber vielleicht können sie wirklich Kraft geben - Kraft weiterzugehen - trotzdem. Kraft weiterzumachen - trotzdem. Kraft wieder zu lachen - trotzdem. Kraft wieder zu glauben und zu hoffen - trotz allem. Es liegt immer noch dieser Kranz als Zeichen der Trauer vor mir. Heute ist er noch Zeichen für die Abgeschlossenheit des Lebens, aber am Ende dieser Woche wird er zum Adventskranz bei uns zuhause werden. Dann hat er sich verwandelt. Geschmückt mit Kerzen ist er ein neues Zeichen geworden: Mit ihm warten wir auf die Geburt Jesu. Er ist zum Zeichen für die Zeit der Freude und der Liebe geworden. Der Adventskranz strahlt mit seinen Kerzen mitten in der grossen Dunkelheit. Er weißt auf Weihnachten hin, dass Fest in der grössten Dunkelheit des Jahres schenkt uns das grösste Licht, die grösste Hoffnung, die stärkste Liebe. Gott macht alles neu! Gott schenkt sich selbst in seinem Sohn. Wir sind nicht verloren und verlieren einander auch im Tod nicht. Siehe, ich mache alles neu! Wir sterben zwar, aber wir sterben am Tod vorbei, hinein in diesen neuen Himmel und die neue Erde. Der heutige Sonntag hat ja zwei Namen. Er heißt Totensonntag und Ewigkeitssonntag. Er ist einerseits der Tag, an dem wir wahrnehmen, dass unser Leben vergänglich ist und vergeht, dass wir Menschen, die uns wichtig waren, hergeben mussten und dass diese Verluste schmerzhaft sind. Er ist aber auch andererseits der Tag, der uns über unsere Trauer hinaus führt in Richtung auf die neue Welt, den neuen Himmel und die neue Erde, in die Advents- und Weihnachtszeit, den Vorgeschmack auf die vollkommene Freude. Und so wünsche ich ihnen allen, dass sie in aller Trauer und mit allem Schmerz dennoch diese Verwandlung erleben dürfen. Dass aus der schmerzlichen Erinnerung Kraft und Glauben und Hoffnung erwächst, die uns alle in den dunklen Tagen auf das Licht hintragen - das Licht, das an Weihnachten unsere Welt für immer erhellt hat und vom Leben spricht. Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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