Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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2. Petrus 1, 16-21
13. Januar 2008
Kirche Bözberg
Pfr.Thorsten Bunz


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2. Petrus 1, 16-21

16 Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen.
17 Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.
18 Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge.
19 Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.
20 Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist.
21 Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem Heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet.


1. Teil


Liebe Gemeinde,

Sie erwarten jetzt von hier eine Predigt über einen Bibeltext.
Sie erwarten vielleicht eine Auslegung des Evangeliumstextes, den ich als Lesung ausgesucht hatte.
Die Verklärung Jesu - Jesus mit Petrus und anderen Aposteln auf dem Berg.

So ist es die Regel in meinen Gottesdiensten.

Ich möchte aber jetzt nicht fromm predigen, sondern ich möchte Sie mal etwas fragen:


Glauben Sie tatsächlich daran?
Glauben Sie tatsächlich daran, dass es Gott gibt?
Dass es einen Gott gibt, der die Erde erschaffen hat und alles, was darauf lebt?
Dass dieser Gott ein Volk auserwählt hat, mit dem er etwas ganz besonderes geplant hat?

Glauben Sie tatsächlich daran,
dass dieser Gott Mensch geworden ist?
Als kleiner Säugling unbefleckt empfangen und geboren?

Glauben Sie tatsächlich daran,
dass dieser Mensch der Sohn Gottes ist?
Und dass dieser am Kreuz für die Sünden aller Menschen gestorben ist?

Glauben Sie tatsächlich daran,
dass er nach seinem Tod auferstanden ist?
Dass er Menschen begegnet ist, nach seinem Tod und nach seiner Auferstehung?

Glauben Sie das tatsächlich?


Und dann der Heilige Geist ... was ist denn das?


Was, wenn das alles nur klug ausgedachte Mythen sind?
Was, wenn das alles nur phantasiereich erdachte Geschichten sind?
Was, wenn wir erfundenen Göttergeschichten auf den Leim gegangen sind?


Wo ist denn der Messias?
Worauf wartet er denn noch, wenn er der Welt den Frieden bringen will?


Glauben Sie das wirklich noch?


.. Wo ist denn der Messias? Worauf wartet er denn noch, wenn er der Welt den Frieden bringen will? Glauben Sie das wirklich noch? ..


Musik, Vorspiel zu 697

Lesung 2. Petrus 1, 16-19

2. Teil - Predigt

Ja, ich glaube an Gott!
Und ich vertraue seiner Liebe.

Ja, ich glaube an Jesus
und ich baue auf Jesus,
weil er auf Liebe baut.
Ich glaube daran, dass er mit mir lebt und leidet.
Ich glaube daran, dass er an mich glaubt.

Ja, ich glaube an den Heiligen Geist,
an Gottes Kraft, die in uns wirkt.


Ja, ich glaube an Gott!


Und das darf jeder wissen, der mich danach fragt.


Was aber ist mit diesem Glauben, wenn es jemand hinterfragt?
Wenn jemand versucht, mit bösen Worten oder mit kluger Wissenschaft meinen Glauben zu durchlöchern und zu schwächen?

Was, wenn mir jemand vorwirft, das alles sei doch nur ausgedachter Blödsinn - geschickt erfundene Märchen und Gottesgeschichtli?

Dann, liebe Gemeinde,
wird es erst recht spannend.
Dann erst werden wir gefordert in unserem Glauben:
Wenn wir Rechenschaft ablegen sollen.



Ich habe Ihnen nicht einen Schrecken einjagen wollen, als ich vorhin so eindringlich fragte, ob Sie tatsächlich das alles glauben.

Ich habe Sie in die Stimmung holen wollen, in der der 2. Petrusbrief entstanden ist, den Sie als zweite Lesung noch gehört haben.



Als dieser Brieftext entstanden ist, war mindestens eine Generation Christen bereits verstorben.

Dass heisst, es sind Menschen bereits verstorben, die doch daran geglaubt hatten, dass noch zu ihren Lebzeiten der Messias zurück kommen wird.

Unter ihnen auch der berühmte Apostel Paulus, dem wir so viele gute Gedanken in unserer Bibel verdanken.

Selbst dieser so tief im Glauben verwurzelte Mann war der festen Überzeugung, er werde die Ankunft des Messias, die Rückkehr des Auferstandenen und in den Himmel aufgefahrenen Jesus Christus noch erleben.
Und doch musste er zuvor sterben.


Menschen sterben, die doch daran geglaubt haben, sie werden die Wiederkunft des Auferstandenen Christus erleben.



Das an sich ist schon irritierend genug.
Die Menschen, die damals von ihrem bisherigen Glauben weg und hin zum Christentum übergewechselt sind, waren verunsichert genug.
Sie haben sich taufen lassen, weil sie an das Friedensreich glaubten, dass ihnen verheissen wurde.
Aber sie waren im Glauben, sie würden das Kommen dieses Friedensherrschers auch noch erleben!


Aber Jesus kam nicht zurück. Die Zeit war noch nicht erfüllt.


Das war die Situation, in der dieser 2. Petrusbrief geschrieben wurde. Als eine Verteidigungsschrift und als eine Bestärkung im Glauben.

Wir haben uns keineswegs auf geschickt erfundene Märchen gestützt.
Wir sind nicht klug ausgedachten Mythen gefolgt.
Und wir sind auch nicht raffiniert ausgedachten Göttergeschichtli auf den Leim gegangen.

So formulieren es verschiedene deutsch-sprachige Übersetzungen.


Solche Vorwürfe gab es nicht nur damals,
solche Vorwürfe gibt es bis heute
und solche Vorwürfe wird es immer geben.

Ich sollte mich wundern, wenn hier jemand wäre, der noch niemals in so ein Gespräch verwickelt worden wäre:
In eines dieser Gespräche, in denen es um den Sinn der Kirche geht, den Sinn der Kirchensteuer und der ganzen Institution.
Und meistens geht es dann irgendwann auch um die Glaubensinhalte: was will ich als moderner aufgeklärter Mensch glauben, was kann ich überhaupt glauben.


Was, wenn das wirklich alles nur ausgedacht ist?



Sicher sind Sie auch schon mal in solche Situation geraten.


Was antworte ich denn da auf solche Zweifel-Fragen?


Im Petrusbrief wird darauf verwiesen, dass ja die Apostel selbst die Herrlichkeit Jesu Christi gesehen hätten. Der Petrusbrief verweist uns auf das Ereignis, das uns in den Evangelien erzählt wird - das war der Lesungstext.

Petrus, Jakobus und Johannes bekommen eine ganz persönliche Bestätigung auf dem Berg der Verklärung, einem der Berge am See Genezareth.

Das wird uns in den Evangelien erzählt.
Und darauf beruft sich der Schreiber des Petrus-Briefes, von dem wir annehmen sollen, dass er der Apostel Petrus ist.

Von dem Apostel Petrus erzählen die Evangelien aber auch anderes: Er hat lange darum gerungen, bis er im Glauben so fest wurde, wie es jetzt in diesem Brief niedergeschrieben ist.
Er war ja damals Jesus auf das Wasser gefolgt, ganz mutig und doch irgendwie feige. Damals musste er erkennen, wie klein sein Glaube doch war: er versank im Wasser.

Dieser Petrus ist auch der, der Jesus dreimal verleugnet hat! Noch ehe der Hahn am Morgen krähte, hat eben dieser Petrus bestritten, Jesus überhaupt zu kennen!
Wie klein war sein Glaube damals doch noch!


Dieser Petrus will nun als Glaubenszeuge allen Zweiflern und allen Feinden gegenübertreten.

Dieser Petrus weiss, woran er glaubt und worauf er baut.
Dieser Petrus hat den Auferstandenen erlebt.



Wenn mich jemand fragt, ich kann von so einer Begegnung mit dem Auferstandenen nicht erzählen. Ich habe das nicht erlebt.

Was ich aber sehr wohl erlebt habe und erlebe, das kann ich erzählen:

Ich erlebe jeden Tag die Wunder Gottes!
Ich erlebe, dass ich morgens aufstehen darf, dass ich an einer Arbeitsstelle wirken darf, an der ich Erfüllung und Freude finde.
Ich erlebe, dass Gott mich in Gefahren bewahrt - wenn ich weite Autobahnstrecken mit der Familie unterwegs bin, um Freunde und Verwandte zu besuchen.

Und auch das habe ich erlebt:
Gott rettet nicht immer vor Leid und vor Schmerz, Gott nimmt uns Menschen, die uns lieb und wichtig sind - auch das habe ich erlebt, als meine Eltern beide viel zu jung verstorben sind.
Aber ich habe eben auch in diesen schweren Stunden den Beistand Gottes gespürt. Ich habe gespürt, dass er mich trägt und auf der Spur hält - und dass er mir Menschen zur Seite gibt, die mich nicht allein gelassen haben.


Viele Menschen haben in bangen Minuten vor einer schweren Operation im Gebet zu Gott ihre Sorgen und Ängste los werden können und haben dann Ruhe gefunden, Gelassenheit und Vertrauen in das, was da kommt.

Und so mancher hat am Sterbebett der Partnerin oder des Bruders im Gebet verharrt, im Gespräch mit Gott vertieft seine Nähe gespürt - die Nähe des Gottes, der die Menschen liebt, der uns mit Liebe entgegentritt und uns mit Liebe durch unser Leben begleitet.



Es ist schon so:
Auch wir sind keinen ausgedachten Märchen aufgesessen.
Wir nennen doch Christus unseren Herrn, wir nennen uns doch Christinnen und Christen, weil wir daran glauben, dass in ihm Gott für uns Menschen geworden ist.
In ihm haben wir Gottes Liebe gesehen, die Leid und Tod auf sich nimmt, nur um uns die Grösse dieser Liebe zu präsentieren.

Unser Glaube beruht nicht auf ausgedachten Geschichten, sondern unser Glaube hat seine Wurzel in einem realen Geschehen.
Da ist etwas geschehen, das Menschen in Bewegung gebracht hat!
Da ist etwas geschehen, dass aus einfachen Fischern Apostel gemacht hat!

Und vor allem:
Da ist etwas geschehen, dass Menschen über Jahrhunderte in ihrem Leben gestärkt und unterstützt hat, weil es für sie die Hoffnung und den Lebenssinn bedeutet!

Und das bis heute.

Und da kann mir nun jeder Zweifler und Kritiker kommen wie er will, da bleibe ich bis zuletzt und allem Hinterfragen zum Trotz dabei:

Ich glaube an Gott!
Und ich vertraue seiner Liebe.

Ich glaube an Jesus
und ich baue auf Jesus,
weil er auf Liebe baut.
Ich glaube daran, dass er mit mir lebt und leidet.
Ich glaube daran, dass er an mich glaubt.

Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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