Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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2. Korinther 5, 19-21
6. April 2007
Karfreitag
Kirche Bözberg
Kirche Mönthal
Pfr Thorsten Bunz


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2. Korinther 5, 19-21


19 Gott war in Christus
und er versöhnte die Welt mit sich selber
und er rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu
und er hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
20 So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns.
So bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!
21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.


Jesus ist tot!
Er starb am heutigen Tag um die 9. Stunde.

Jesus ist tot.
Und wie immer, wenn ein Mensch gestorben ist, fragen sich die, die zurück bleiben: WARUM?
Er war doch noch so jung!

So gerne hätten wir noch - so viel wollten wir noch - er hatte doch noch so viel vor - das hat er doch nicht verdient - er war doch so ein guter Mensch
WARUM?

War das nötig? So sinnlos!
Und dieses Leiden!
- na, wenigstens hat er das geschafft, leiden muss er nun nicht mehr. Aber erspart geblieben ist es ihm auch nicht.



Und dann singen sie.
Klagelieder. - Oder kläglich.
Weil das so üblich ist beim Abschied.
Und weil es dem Sinnlosen einen Sinn geben soll:

Erbare dich unser,
Kyrie eleison,
sieh, wohin wir gehen.

Für uns nimmt Jesus das Holz auf seine Schulter.

für uns

Für uns und für alle.
Der Sündenbock trägt die Schuld aller.
Weil Gott die Welt mit sich versöhnen will.

Weil Gott sein Wort von der Versöhnung unter uns aufrichten will.
Die Versöhnung am Kreuz.
Die Versöhnung durch das Kreuz.

Kann diese Gewalttat versöhnen?

Will ich eine solche Versöhnung?

Brauche ich überhaupt eine solche Versöhnung?

Es ist doch nichts zwischen mir und Gott.
Ich habe ihm doch nichts getan.

für uns
Für mich. - Für dich. - Für Sie. - Für Euch.
für uns

Versöhnung.
Versöhnung mit Gott.


Der Apostel Paulus schreibt im 2. Brief an die Korinther:

19 Gott war in Christus und er versöhnte die Welt mit sich selber und er rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und er hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.
20 So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns. So bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!
21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.



Versöhnung - liebe Gemeinde -
Versöhnung ist das Thema dieses für heute vorgesehenen Predigttextes.
Versöhnung mit Gott.

Die Gedankensplitter am Anfang sollten Sie mit hineinnehmen in meine Überlegungen. Ich hoffe, das ist etwas geglückt.

Versöhnung ist ein schweres Thema. Weil Versöhnung so oft so schwer fällt.
Einerseits.
Andererseits aber auch, weil so viele Menschen glauben, sie hätten Versöhnung gar nicht nötig.

Sie haben ja keine Schuld auf sich geladen, wegen derer sie mit irgend jemand versöhnt werden müssten.
Kein Diebstahl, kein Raub, keine Körperverletzung, kein Mord.
Und mit Drogen hab ich auch nichts zu tun.

Die, die das gemacht haben, sitzen in Lenzburg oder anderswo.


Und die, die da sitzen:
haben die Versöhnung nötig?
Nötig vielleicht. Aber mit wem?

Wie oft habe ich bei Besuchen im Gefängnis gehört:
Aber geschadet hat es doch niemanden - das zahlt doch die Versicherung - der hat doch sowieso genug - die Drogen schaden doch nur mir selber.

Und Gott? Versöhnung mit Gott?

Selten.

Nicht, dass nicht ein Bewusstsein davon vorhanden wäre, dass es da einen Gott gibt, der mein Leben betrachtet und der genau sieht, wie falsch ich mein Leben anpacke. Ein Gott, der mir das Leben geschenkt hat - wie er es allen Menschen geschenkt hat. Irgendwie glaubt man ja doch.
Aber das ist dann ein Gott, mit dem ich mich gar nicht aussöhnen kann - Versöhnung ist nicht möglich.
Weil Gott mich dann fragen wird: Was hast du gemacht?
Was hast du gemacht mit dem Leben, das ich dir geschenkt habe?

Und weil er mich dann strafen wird für das, was ich gemacht habe mit meinem Leben. Dann muss ich noch mal büßen und noch mal und noch mal - was soll ich mit so einem Gott anfangen?
Da lass ich es doch lieber gleich bleiben.
Kein Gott.
Kein Gott, keine Schuld, keine Rechtfertigung, keine Strafe.



Übrigens:
Solches Denken gibt es nicht nur in den Gefängnismauern.
Solches Denken treffe ich auch in der "normalen" Welt an.

Mit Gott wollen immer weniger Menschen zu tun haben. Weil Gott nur allzu oft als der strafende Gott geglaubt wird.
Weil der strafende Gott viel stärker in den Köpfen ist, als die Liebe, die von ihm ausgeht.

Dabei ist Gott doch vor allem die Liebe.
Die Liebe, die Gemeinschaft stiftet.
Die die Menschen zusammen holt, einlädt. Und zwar ausnahmslos alle Menschen.
Jesus hat diese Liebe gelebt, vorgelebt: Für uns als Vorbild.
Er hat sich gerade mit denen umgeben, die aus unserer Sicht die wahren Sünder sind: eben die gestrauchelten, die Gefangenen, die Schuldigen. Ihnen hat er Gottes heilsame und befreiende Gegenwart spürbar gemacht.

Jesus hat .. . aber Jesus ist tot. Gestorben am Kreuz.

Gestorben am Kreuz, um die Sünden aller auf sich zu nehmen.

Ihn, der von keiner Sünde wusste, hat Gott für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.
So Paulus.

Gott hat ihn zur Sünde gemacht - Gott hat ihn ans Kreuz gebracht.
für uns
Damit wir kein weiteres Opfer mehr brauchen.
Diesen Tod müssen wir nicht sterben.
Und diese Strafe müssen wir nicht auf uns nehmen.

Sondern: Wir sind durch diese Liebestat Gottes bereits gerechtfertigt vor Gott - wir sind so gerecht, wie Gott uns haben möchte.
Gott hat uns mit sich versöhnt.
Eine Abrechnung unserer Schuld und unserer Sünden findet hier am Kreuz nicht statt.
Denn, so Paulus,
Gott war in Christus und er versöhnte die Welt mit sich selber und er rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und er hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

Es mag uns nun also noch so brutal vorkommen, was da auf Golgatha geschehen ist,
es mag uns noch so brutal dargestellt werden, wie die Passion Christi abgelaufen ist, der Weg zum Kreuz, die letzten Stunden und Minuten,
all diese Brutalität hat doch ihren Ausgang in der Liebe Gottes.
Es ist eine Liebestat. Auch, wenn sie für uns unbegreiflich ist.

Oder vielleicht besser: Gerade weil sie für uns unbegreiflich ist.
Es ist ein Geheimnis. - Geheimnis des Glaubens.

In manchen Abendmahlsliturgien wird genau darauf hingewiesen und erinnert. Manche Abendmahlsliturgien verwenden genau diese Formulierung:
Groß ist das Geheimnis des Glaubens
Deinen Tod, o Herr, verkündigen wir,
Deine Auferstehung preisen wir,
bis Du kommst in Herrlichkeit.

Wir dürfen uns dieses Geheimnis nicht nehmen.
Wollten wir dies erklären, so würden wir uns an Gottes Stelle setzen.
Wollten wir für uns erklären, wie anders und weniger brutal die Versöhnung möglich ist, wir würden uns an Gottes Stelle setzen.
Es bleibt für uns das Geheimnis des Glaubens.


Und es bleibt für viele schwer annehmbar.
Und das ging eben auch schon Paulus so. Und darum ermahnt er:

Wir sind Botschafter an Christi Statt.
Gott ermahnt durch uns.
Und wir bitten an Christi Statt stellvertretend:
Lasst euch versöhnen mit Gott!

Lasst euch versöhnen mit Gott!
Paulus fordert inständig zur Versöhnung auf!
Er ermahnt dazu, diese Liebestat Gottes anzunehmen, diese Versöhnung anzunehmen, die Gott unter uns aufgerichtet hat.

Wenn wir schon nach dem Sinn dieses Todes am Kreuz fragen, dann können wir doch so viel antwortend sagen:
Einen Sinn bekommt diese Versöhnungstat darin, dass alle sie als die Versöhnungstat Gottes akzeptieren und annehmen.
Alle. Persönlich.

Da kann sich dann keiner ausnehmen.
Da kann dann keiner sagen: Aber ich habe doch nichts gemacht, die anderen sind es doch.

Wie ich schon sagte zu Anfang:
"Die, die das gemacht haben, sitzen im Gefängnis..."
"Und da gehören sie auch hin!"

Allein eine solche Aussage, die sich selbst entlastet und in den Anderen die Sünder zu identifizieren meint, allein eine solche Aussage schreit nach Versöhnung mit Gott.

Strafe muss sein - als Folge eines Vergehens und als Wiedergutmachung. Und vor allem: Als eine Chance zur Besserung.

Gott hat uns diese Chance zur Besserung gegeben.
Gott rechnet uns unsere Sünden nicht zu.

Aber wir müssen diese Versöhnungstat annehmen und sollten dann nicht selbst die Sünden anderer aufrechnen.

Lasst euch versöhnen mit Gott!

Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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