Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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1. Korinther 2, 12-16
27. Mai 2007
Pfingsten
Kirche Mönthal
Kirche Bözberg
Pfrn Christine Straberg


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1. Korinther 2, 12-16

"Wir haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der von Gott kommt, damit wir wissen, was Gott uns geschenkt hat. Davon reden wir, nicht in der gelehrten Sprache menschlicher Weisheit, sondern in der Sprache, die der Geist Gottes uns lehrt. Wir deuten für Menschen, die vom Geist erfüllt sind, geistliche Dinge. Menschen, die sich auf ihre natürlichen Fähigkeiten verlassen, nehmen den Geist Gottes nicht auf. Denn für sie ist es eine Torheit und sie können es nicht erkennen, denn es muss mit Hilfe des Geistes beurteilt werden. Wer aber den Geist hat, beurteilt alles, aber er selbst kann von niemandem beurteilt werden.
Denn es heisst in der Schrift: Wer hat des Herrn Sinn erkannt, wer will ihn belehren?
Wir aber haben Christi Sinn."

Liebe Gemeinde!

Wenn sie jemand fragen würde:
Was für ein Geist herrscht bei ihnen in der Kirchgemeinde?
Welche Antwort würden sie wohl darauf geben?

Ich hoffe, sie haben das Gefühl, dass ein guter Geist in der Kirchgemeinde herrscht!
Aber eindeutig belegen oder gar beweisen - kann man das?
Und wenn Menschen das unterschiedlich empfinden, hat dann der eine Recht und der andere Unrecht?

Sie merken, mit dem Geist ist das so eine Sache - auch schon mit dem Geist, den wir in unserem alltäglichen Wortschatz gebrauchen.

Wie viel schwieriger ist da der Geist Gottes, in dessen Namen wir unsere Gottesdienste feiern und der in jedem Glaubensbekenntnis vorkommt.
Wie viel schwerer zu begreifen ist da das Pfingstfest, das ja das Fest des Geistes ist.
Die Geschichten mit Jesus, die sind auch nicht immer einfach, aber man hat wenigstens etwas Konkretes an der Hand. Gott wird da schon schwieriger, aber wenn auch noch der Heilige Geist kommt, dann hört es meist auf.
Wie kann ich vom Geist reden, so dass es auch für Kinder verständlich ist?
Was hat der Geist überhaupt mit uns, mit der Kirche, mit meinem Glauben zu tun?

Wir haben eben die Pfingstgeschichte gehört, als Gottes Geist über die Jüngerinnen und Jünger Jesu kam und sie aufstanden und allen Menschen von Jesus erzählten.
Der Geist Gottes kommt im Sturmesbrausen und wie Feuerzungen auf die Menschen herab - und auf einmal trauen sie sich, zu reden, aus ihrem Versteckt hervorzukommen.
Der Geist Gottes gibt ihnen den Mut dazu. Er hilft zum Reden.
Und Petrus berichtet von den alten Propheten, die die Gabe des Geistes Gottes schon vor langer Zeit beschrieben haben.

Aber - hilft uns das weiter?
Dass es nicht so einfach ist mit dem Geist, war schon immer so. Und so gibt es für Pfingsten Predigttexte, in denen versucht wird, den Geist Gottes ein bisschen deutlicher zu fassen.
Paulus ist einer, der versucht hat, vom Geist zu schreiben und ihn zu erklären. Und ein Ausschnitt aus seinen Ausführungen ist der Predigttext für den heutigen Sonntag.
Schauen wir doch mal, ob er uns helfen kann, die Sache mit dem Geist besser zu durchschauen.
Ich lese aus dem 1. Brief des Paulus an die Korinther 2,12-16:

"Wir haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der von Gott kommt, damit wir wissen, was Gott uns geschenkt hat. Davon reden wir, nicht in der gelehrten Sprache menschlicher Weisheit, sondern in der Sprache, die der Geist Gottes uns lehrt. Wir deuten für Menschen, die vom Geist erfüllt sind, geistliche Dinge. Menschen, die sich auf ihre natürlichen Fähigkeiten verlassen, nehmen den Geist Gottes nicht auf. Denn für sie ist es eine Torheit und sie können es nicht erkennen, denn es muss mit Hilfe des Geistes beurteilt werden. Wer aber den Geist hat, beurteilt alles, aber er selbst kann von niemandem beurteilt werden.
Denn es heisst in der Schrift: Wer hat des Herrn Sinn erkannt, wer will ihn belehren?
Wir aber haben Christi Sinn."

Das war Paulus zum Geist.
Und haben sie mehr verstanden?
Sie schauen genauso wie die Leute, die am Mittwochabend beim Bibelgespräch diesen Abschnitt auch zum ersten Mal gelesen und gehört haben!
Paulus schreibt eine eher theoretische Abhandlung über etwas schwierig zu Erfassendes - keine leichte Kost! Leider! Aber der Geist ist eben auch keine leichte Kost.
Dennoch können die Worte von Paulus vielleicht helfen, das Phänomen Geist ein wenig aufzudröseln.

So stellt Paulus klar, dass Geist an sich nicht einfach von Gott ist.
Am Anfang fragte ich nach dem Geist, der bei uns herrscht.
Das zeigt: es herrscht überall auf unserer Welt ein gewisser Geist - ich komme in eine neue Gruppe, in eine andere Familie, in eine Schulklasse und spüre, dass es einen bestimmten Geist gibt, der die Stimmung ausmacht, der das Verhalten zueinander beeinflusst.
Das ist eine Grunderfahrung, die auch nicht einfach zu beschreiben ist, die wir aber alle irgendwann machen.

Und für Paulus herrscht an den meisten Orten ein weltlicher Geist, einer, der nichts mit Gott und unserem Glauben zu tun hat.
Der Geist Gottes dagegen öffnet einen anderen Horizont.
Der Geist Gottes eröffnet eine neue, eine andere Erkenntnis, als wir sie durch die Dinge dieser Welt haben können.
Für Paulus ist klar: Ohne den Geist Gottes könnten wir überhaupt nicht erkennen, wer Gott für uns ist, was das Leben von Jesus Christus für uns bedeutet.

Also ganz banal: Ohne den Geist Gottes kein Glauben.
Sie alle, die sie hier sitzen und die sie an Gott glauben, in welcher Form auch immer, sie alle haben schon Kontakt mit dem Geist Gottes gehabt. Sonst würden sie nicht hier sitzen!
Zu verstehen, was in der Bibel steht, zu verstehen, was die Liebe Gottes für uns bedeutet, ist allein mit unserem menschlichen Verstand nicht möglich.
Natürlich benötige ich ihn, aber zum wirklichen Verstehen, was Gott mit mir will, was Gott mir schenkt, brauche ich den Geist Gottes. Paulus schreibt, dass den Menschen, die den Geist nicht haben, die sich allein auf ihre natürlichen Fähigkeiten verlassen, dass ihnen der Glaube und die Botschaft von Jesus eine Torheit, Dummheit ist.

Und das ist doch auch etwas, was wir aus unserer Erfahrung bestätigen können:
Wer von ihren Arbeitskollegen findet es normal, dass sie am Sonntag in die Kirche gehen? Und wer von den Schulkollegen?
Wen würde man nicht für verrückt erklären, der mit dem Gebot der Nächsten- und Feindesliebe ernst macht?
Wer wird nicht für weltfern erklärt, der versucht, für die Straffälligen ein gutes Wort einzulegen?
Und wer würde glauben, dass Gott selbst unseren Tod gestorben ist, um für uns Vergebung und Gerechtigkeit, um für uns das ewige Leben zu erlangen?
Das Geschenk, das Gott uns macht, ist so ganz anders als alles auf unserer Welt, wie soll ein Mensch das erkennen können, ohne den Geist?

Nur deswegen gab es Pfingsten - weil die Jüngerinnen und Jünger auf einmal spürten, dass das, was sie mit Jesus erlebt hatten, immer noch lebendig und wichtig ist.
Und durch diese Erfahrung haben sie angefangen zu reden - und daher reden wir bis heute davon.
Und in jeder Predigt versuchen wir, diesen Geist Gottes weiterzugeben und zu Wort kommen zu lassen.
War schon für Paulus nicht immer einfach - ist es auch für uns nicht!
Denn das Problem ist, dass der Geist eben nichts Konkretes ist. Nicht messbar, nicht fassbar.
Wie der Wind eben, den man nicht sieht, dessen Kraft wir aber dennoch spüren und den wir nicht beeinflussen können.

Und so hat der Geist in der Christenheit auch immer wieder zu Streit und Zerwürfnissen geführt. Schon damals in Korinth, in der Gemeinde, an die Paulus schreibt, gab es eine Gruppe, die behauptete, sie habe nun wirklich den Geist und die anderen nicht. Die sich für was besseres erachteten.

Und so gibt Paulus uns ein Kriterium mit, an dem wir erkennen können, ob es sich um Gottes Geist handelt:
Wir aber haben Christi Sinn.
Es ist die Wirkung, die zeigt, in wessen Geist ich lebe.
Wie lebe ich, wie gehe ich mit anderen Menschen um, wie gehe ich mit Konflikten um?
Kann es der Geist Gottes sein, wenn ich behaupte, nur mein Glaube ist der einzig wahre und alle anderen kommen in die Hölle?
Es ist zumindest anzufragen!

Und so ist es vielleicht eine Hilfe, den Geist zu fassen, wenn ich versuche, seine Wirkungen zu umschreiben, die aus dem Sinn Christi kommen:
Geist bewirkt Glauben. Er gibt uns Kraft und Mut, unseren Glauben zu leben.
Und an anderer Stelle schreibt Paulus: So bleiben Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei, die grösste aber unter ihnen ist die Liebe.
Und so steht als grösstes Kriterium für den Geist die Liebe.
Wenn ich das spüre, dass ich von Gott geliebt bin und diese Liebe weitergeben möchte, dann habe ich Gottes Geist, ganz gewiss.
Gottes Geist, der mir eine neue Perspektive für mein Leben zeigt:
Dass mein Leben ein Geschenk ist.
Dass ich nicht immer nur an mich denken muss, weil es ja sonst keiner tun würde.
Dass ich eine Hoffung haben kann, die mir alle Erkenntnis der Welt nicht schenken kann.
Und dass über meinem ganzen Leben die Liebe als das Ausrufezeichen Gottes steht.

Menschen, die mit einen solchen Geist leben fallen auf.

Und ich wünsche uns, dass auch wir als Kirchgemeinde, diesen Geist immer wieder in uns lebendig werden lassen können.
Dass andere Menschen spüren können, welcher Geist bei uns herrscht:
Der Geist des Glaubens, der Hoffnung und vor allem der Liebe.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen ein geistvolles Pfingstfest! Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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