Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

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1. Kor. 15,12-28
23.03.2008
Kirche Mönthal
Kirche Bözberg
Pfr. Th. Bunz


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1. Korinther 15,12-28

12. Es wird aber verkündigt, dass Christus von den Toten auferweckt worden ist. Wie können dann einige unter euch sagen, es gebe keine Auferstehung der Toten? 13. Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, dann ist auch Christus nicht auferweckt worden. 14. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist unsere Verkündigung leer, leer auch euer Glaube. 15. Wir stehen dann auch als falsche Zeugen Gottes da, weil wir gegen Gott ausgesagt haben, er habe Christus auferweckt, den er gar nicht auferweckt hat - wenn doch Tote nicht auferweckt werden. 16. Wenn Tote nämlich nicht auferweckt werden, dann ist auch Christus nicht auferweckt worden. 17. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist euer Glaube nichtig, dann seid ihr noch in euren Sünden, 18. also sind auch die in Christus Entschlafenen verloren. 19. Wenn wir allein für dieses Leben unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben, dann sind wir erbärmlicher dran als alle anderen Menschen. 20. Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden, als Erstling derer, die entschlafen sind. 21. Da nämlich durch einen Menschen der Tod kam, kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. 22. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus auch alle zum Leben erweckt werden. 23. Jeder aber an dem ihm gebührenden Platz: als Erstling Christus, dann die, die zu Christus gehören, wenn er kommt. 24. Dann ist das Ende da, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergibt, wenn er alle Herrschaft, alle Gewalt und Macht zunichte gemacht hat. 25. Denn er soll herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter die Füsse gelegt hat. 26. Als letzter Feind wird der Tod vernichtet. 27. Denn alles hat er ihm unterworfen, unter die Füsse gelegt. Wenn es aber heisst, Alles ist ihm unterworfen, so ist klar: mit Ausnahme dessen, der ihm alles unterworfen hat. 28. Wenn ihm dann alles unterworfen ist, wird auch er, der Sohn, sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott alles in allem sei.

Liebe Gemeinde, es ist Ostern!

An Ostern erinnern und feiern wir die Auferstehung Jesu Christi. Im Gottesdienst an Ostern haben Sie sicher schon die verschiedenen biblischen Berichte darüber gehört:

Die weinenden Frauen am Grab, das sie leer vorfinden. Der Auferstandene Christus, den sie für den Gärtner halten. Und dann die Freude: Christus ist auferstanden!

Oder die trauernden Jünger auf ihrem Weg nach Emmaus. Der Auferstandene Christus begleitet sie auf ihrem Weg und sie erkennen ihn erst, als er mit ihnen das Brot bricht. Und auch da die Freude: Christus ist auferstanden!

Ein anderer Text berichtet vom ungläubigen Thomas, der erst selbst seine Finger in die Wunden legen muss, ehe er glaubt. Und auch er jubiliert vor Freude: Christus ist auferstanden!

Die Auferstehung Christi weckt Freude. Sie nährt die Hoffnung auf ein Weiterleben nach dem Tod. Wenn Christus von den Toten auferweckt werden kann, so sollte das doch für alle Menschen möglich sein. So, wie er es uns verheissen hat.
Er hat versprochen, er werde im Hause seines Vaters uns einen Platz bereiten und dann kommen, uns zu holen.

Uns, die wir zu ihm gehören: Weil wir Christinnen und Christen sind,
getauft auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Weil wir zu dem einen Leib Christi gehören, wie wir es im Abendmahl erinnern und bestätigen.

Das ist die Botschaft, die seit nunmehr bald 2000 Jahren mit Ostern verbunden ist - jedenfalls für das Christentum. Und jedenfalls für den Glauben.


Nun ist das mit dem Glauben aber ja so eine Sache.

Längst nicht alle Menschen glauben einfach so, was in der Bibel steht. So, wie wir Menschen durch unser wissenschaftliches Denken ohnehin verlernt haben, etwas einfach so zu glauben.
Wir hinterfragen lieber, suchen Beweise, wollen wissen und nicht glauben.

Und wir wollen Ertrag.

Und so titelt denn auch die aktuelle Ausgabe des Beobachter gut Verkaufs-Ertrags-orientiert mit der Schlagzeile:
Was bringt Religion?

Im dazugehörigen Beitrag - immerhin 5 A4-Seiten lang mit Werbung für Gartenmöbel und Zahncreme dazwischen - erfahre ich allerdings nicht, was mir "Religion" bringt, sondern wie viel der Glaube an Gott austrägt.
"Ist da jemand?" - So die Überschrift dieses Artikels.
Von einem Philosophie-Professor erfahre ich dann, dass da niemand ist. Mit philosophischer Logik kann er ausschliessen, dass ein Gott existiert.
Denn: Wenn es einen Gott gibt, der liebend und gütig ist, wie die Bibel und insbesondere das Christentum ihn beschreiben, dann muss dieser Gott den Menschen, die an ihn glauben, alles Leiden und jegliche Qual ersparen. Sonst wäre dieser Gott ja nicht ‚allgütig' und liebend.
Und: Wenn dieser Gott zudem auch noch allmächtig ist, wie es die Glaubenden verkünden, dann hat dieser Gott auch die Macht dazu, allem Leiden und jeglicher Qual ein Ende zu setzen.
Der Philosophie-Professor, der diese Logik aufgestellt hat, ist folgerichtig selbst bekennender und überzeugter Atheist.

Gerade darin liegt auch sein Problem, so meine ich:
Er glaubt nicht an die Allmacht Gottes. Seine Logik hat nämlich an der Allmacht Gottes einen Denkfehler: Wenn ich Gott eine Allmacht zuspreche, mit der er zweifellos imstande und in der Lage wäre, allem Leiden und jeglicher Qual ein Ende zu setzen, dann muss ich Gott auch die Allmacht zuerkennen, dieses Können umzusetzen ... oder eben auch nicht!
Wenn ich aber von Gott behaupte, weil er allmächtig ist, muss er auch allem Leiden ein Ende setzen, dann setze ich Gott einem Zwang aus, der seiner Allmacht gerade widersprechen würde.

Als jemand, der an die Allmacht Gottes glaubt, frage ich aber:
Muss Gott allem Leiden ein Ende setzen?

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Als Lesung habe ich Ihnen einen Text aus dem 1. Korinther-Brief vorgelesen. Der Apostel Paulus führt in diesem Abschnitt seine Vorstellungen von der Auferstehung Christi aus.
Paulus hat mit seinem Brief Menschen vor Augen, die der Meinung sind, jetzt, mit der Auferstehung Christi, sei bereits alles erreicht. Sie glauben an die Auferstehung und sind von deren Wirkung bereits so überzeugt, dass sie sich für unfehlbar, für sündlos und für absolut gerettet halten. Und das geht so weit, dass sie gerade mit diesem Hochmut wieder sündig werden.

Diese Menschen erinnert Paulus daran, dass mitnichten bereits alles erreicht sein kann, was durch Jesus Christus verheissen ist.
Nach wie vor gibt es Neid und Streitsucht, Leiden und Gebrechen, Krieg und Katastrophen.

Wenn wir allein für dieses Leben unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben, dann sind wir erbärmlicher dran als alle anderen Menschen.

Es muss noch mehr kommen! Wir leben noch in der Verheissung - die Auferstehung Christi ist nur der erste Schritt.


Aber dieser erste Schritt zeigt natürlich bereits Wirkung!
Die Auferstehung Christi nährt die Hoffnung der Christinnen und Christen auf ein Weiterleben nach dem Tod.
Sie nährt die Hoffnung darauf, dass Gott immer und überall für die Menschen da ist.
Darum beten wir: Weil wir im Gebet mit Gott sprechen, ihm unsere Sorgen anvertrauen und ihn um seinen Beistand und um seine Hilfe bitten können.


Auch beim Beten fragen viele Menschen nach dem Ertrag.
Und auch der Beobachter stellt natürlich gerade diese Frage nach dem Wert des Betens.
Wissenschaftlichen Studien zufolge - so erfahren wir - hilft beten ... allerdings nicht für andere, sondern nur für uns selbst.
Eine Gruppe von Testpersonen, für die angesichts einer Krankheit gebetet wurde, ist nicht schneller oder erfolgreicher genesen als die Vergleichsgruppe, für die niemand ausdrücklich gebetet hat.

Dagegen sollen Menschen nachweislich länger leben, wenn sie aus Glaubensüberzeugung regelmässig Gottesdienste und Predigten besuchen.

Denn, das weiss die Wissenschaft zu bestätigen:
Menschen, die an Gott glauben, können mit schwierigen Situationen besser umgehen. Der Glaube an einen Gott, der mir bei Problemen beisteht, ermutigt mich, diese Probleme auch anzugehen und nach Lösungen zu suchen!
Gläubige Menschen, so sagt die Wissenschaft, können besser ihre Ressourcen mobilisieren und auf ihre eigenen Möglichkeiten zurück greifen.

Und das will ich der Wissenschaft gerne glauben!
Denn auch ohne diese Wissenschaft weiss ich, dass ich mir selbst sehr viel mehr zutraue, wenn ich jemanden hinter mir weiss, der mich im Bedarfsfall abfängt und unterstützt.

So wie ein Kind auf dem Spielplatz:
Unser Jan getraut sich auch auf hohe Gerüste zu klettern, wenn er mich zur Sicherheit hinter sich weiss. Er probiert seine Möglichkeiten mit einer Mischung aus ‚ich kann das schon alleine' und ‚Papa, komm!'.

Und genauso empfinde ich mein Leben mit Gott:
Gott ist immer und überall für mich da - das war die Erkenntnis im Konfirmationsgottesdienst am vergangenen Sonntag.
Immer und Überall ist Gott mir Wegleitung und - noch viel wichtiger - Wegbegleitung.
Gott lässt mich meinen Weg alleine gehen. Gott lässt mich auch meine Fehler alleine machen, wenn es so passieren sollte. Aber Gott lässt mich sicher niemals allein.

Und das zu wissen, das zu glauben, das ist doch die Ermutigung, die wir zum Leben brauchen! Könnte ich ein Leben sinnvoll leben, ohne diesen Rückhalt durch Gott zu spüren?


Und noch ein Gedanke - zum Abschluss.
Ja, ich weiss: Es gibt Menschen, die glauben aus tiefster Überzeugung an einen guten und allmächtigen Gott. Menschen, die ihr Leben tatsächlich und in tiefer Glaubensgewissheit mit Gott gestalten. ... Und die dennoch erleben müssen, wie ihre Eltern früh sterben, wie ihre Kinder an Krebs erkranken und wie sie schliesslich selbst nur noch in Kummer und Not ihr Leben fristen.
Es gibt Menschen, die lassen sich im wahrsten Sinne des Wortes in einer Glaubensgewissheit fallen und werden doch nicht aufgefangen, sondern stürzen bis in den tiefsten Abgrund.

Hat Glaube hier nicht geholfen?

Ich möchte sagen: Ich weiss es nicht. Aber ich weiss auch nicht, ob diese Menschen nicht gerade auch in ihrem Leiden ein Werkzeug Gottes sind. Ein Baustein für etwas Grösseres, das Gott vor hat.
Wir wissen das nicht!


Es mag solch eine Antwort wie ein billiger Trost erscheinen.
Aber wir sollten nicht übersehen, dass die Bibel uns von Gottes Beistand und Liebe berichtet, weil Menschen das so erlebt haben!
Und seit Jesu Tod und Auferstehung berichten Menschen weiterhin davon, dass Sie mehr als nur billigen Trost bei Gott erfahren haben!
Also: Es muss doch etwas dran sein! Es muss doch einen Ertrag geben!

Oder wie Paulus schreibt:
Wenn wir allein für dieses Leben unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben, dann sind wir erbärmlicher dran als alle anderen Menschen!

Christus ist auferstanden! Fröhliche Ostern!
Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



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