Reformierte Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal

Sie sind hier: Startseite --> Gottesdienst --> Predigtarchiv --> 1. Johannes 4, 16b-21 - 10. August 2008

1. Johannes 4, 16b-21
10. August 2008
Kirche Mönthal
Pfr. Th. Bunz


 diese Seite drucken

1. Johannes 4, 16b-21

16b Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. 18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe. 19 Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. 20 Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. 21 Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

Liebe Gemeinde,

gestern war ich in der Kirche Remigen und habe dort ein junges Paar trauen dürfen.
Am nächsten Samstag habe ich eine Trauung in der Kirche Bözberg.
Es ist die Zeit der Trauungen, erst recht nach so einem Datum wie vorgestern - so viele Achten auf's Mal, dass muss ja Glück bringen.

Dabei kommt es für das Gelingen der Beziehung, für das Gelingen der Ehe sicher nicht auf günstige Zahlenkombinationen an.
Viel mehr kommt es auf die Liebe an, die zwei Menschen zueinander empfinden. Diese Liebe gilt es zu pflegen und am Leben zu halten nur dann wird die Beziehung Bestand haben und im besten Sinne glingen.

Die Liebe ist die Wichtigste Botschaft, die uns im Leben Jesu begegnet. Jesus hat ein Leben aus der Liebe Gottes heraus gelebt. Er will uns Vorbild sein darin, was es heisst, in Liebe zu leben.


Bei einer Trauung wähle ich häufig als so genannte biblische Vermahnung ein Stück aus dem 1. Johannes-Brief.
Das Stück, das ich vorhin auch als Lesung gelesen habe.


Dieser Briefabschnitt beginnt mit der überzeugten Feststellung:
Gott ist die Liebe.

Und dann schiebt er gleich diese Mahnung hinterher:
Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.


Das hat ja schon auch etwas bedrohliches, finde ich.
Weil es so eine Bedingung, eine Anforderung enthält:
Ich muss in der Liebe bleiben, nur dann bleibt Gott in mir.

Und wie sich diese vollkommen Liebe zeigt, in der ich bleiben soll, das wissen die Briefschreiber auch gleich zu benennen:

Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts;

Und dieser Teil des Abschnittes erregt erst recht meine Aufmerksamkeit!
Und zwar deshalb, weil hier der Tag des Gerichts angesprochen wird, der - natürlich - etwas Bedrohliches hat, aber doch wegen der Liebe gerade keine Angst hervorrufen soll.
Aber wer ist schon furchtlos, wenn er an ein Gericht denkt, bei dem über sein eigenes Leben gerichtet werden soll?
Da nützt meistens das reinste Gewissen nichts, wenn man vor Gericht soll, haben die meisten Menschen Angst.
Und das sogar, wenn sie nur als Zeugen geladen werden!

Und kennen Sie nicht auch dieses mulmige Gefühl, wenn Ihnen eine Polizei-Streife hinterherfährt?
Den hastigen Blick auf die Tacho-Scheibe, wenn Sie einen Radarwagen entdecken?

Und wie soll das erst werden, wenn wir vor Gott stehen und bei seinem Tag des Gerichts für unser Leben einstehen müssen - Gott sieht alles - er weiss auch die kleinsten Sünden und Vergehen, auch die, die nur in meinen Gedanken passiert sind.
Und da soll ich furchtlos bleiben?
Furchtlos vor dem Tag des Gerichts?

Wo ich doch mit Strafe rechne!


Doch: genau das ist es: Ich rechne mit Strafe!

Und darum genau zeigt sich offensichtlich,
dass ich nicht wirklich in der Liebe bin!


Denn, so heisst es in den nächsten Versen:

Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.

Offensichtlich bin ich dann ganz allein mit der Furcht vor dem Gericht.
Oder aber ich stehe als einziger nicht richtig in der Liebe Gottes, wenn ich seinen Gerichtstag fürchte.

Fürchte vor allem, weil er mir aufzeigen wird, was ich alles falsch gemacht habe in dem Leben und mit dem Leben, das Gott mir gegeben hat.
Weil ich gar nicht alles richtig machen kann.
Weil ich letztlich immer ein Mensch bleibe und Menschen nun mal Fehler haben.
Alle.

Soll ich mich da also nicht fürchten vor dem Tag, an dem mir mein Leben noch einmal vor Augen geführt wird?

Vielleicht geht es Ihnen da ja anders.
Das würde mich freuen für Sie.

Vielleicht habe ich aber auch nur allzu sehr unser menschliches Gerichts- und Strafwesen vor Augen.
Ein Gerichts-Wesen, vor dem man sehr wohl Angst haben muss.
Und ein Straf-Wesen, vor dem man erst Recht Angst haben muss.
Da ist nicht viel mit Liebe.
Und das sehe ich bestimmt nicht nur deshalb so, weil ich selbst im Strafvollzug gearbeitet habe und dort immer wieder mit Strafen und Gerichtsthemen konfrontiert war.

Nein. Auch im ganz gewöhnlichen Alltag, im Austausch mit den Könflern, im Gespräch mit Kindern und manchmal auch mit Erwachsenen kommt doch genauso dies zum Ausdruck:
Dass nämlich alle letztlich doch Angst haben vor Strafe.
Und zwar vor der Strafe durch die, die sie lieben!

Eltern und Kinder - Kinder und Eltern - sie lieben sich doch!
Und wie oft ist da dennoch Angst vor Strafe da!
Und wie oft habe ich schon gehört, dass gerade darum, weil der Vater seinen Sohn liebt, er ihn straft und züchtigt!

Und dabei kann man sich sogar noch auf die Bibel berufen, denn da heisst es ja auch:
Wen der Herr lieb hat, den züchtigt er! (Hbr. 12,6)
Und:
Wer seine Rute schont, der hasst seinen Sohn; wer ihn aber lieb hat, der züchtigt ihn beizeiten! (Spr 13,24)

Sollte man da nicht auch Furcht haben vor dem, der einen doch liebt?!


Die Schreiber unseres Briefes sagen: Nein!
Die Liebe äußert sich gerade darin, dass man keine Angst davor hat!

Schon beeindruckend.
Dieser Glaube in die Liebe, die die Liebe Gottes ist.

Und ich will mich Ihnen hier auch nicht so negativ darstellen, wie ich es bis hierher provokant getan habe.
Natürlich glaube ich auch an die Liebe Gottes.
Und für mich ist eines der wichtigsten Wesensmerkmale des christlichen Glaubens die Liebe, die alle Menschen bedingungslos annimmt.
Eine Liebe, die wir Menschen kaum zu geben in der Lage sind. Eine Liebe aber, die uns so bedingungslos von Gott geschenkt wird.

Daran glaube ich. Und das gebe ich den Brautpaaren auch immer mit auf den Weg: Sie mögen doch in der Liebe, die sie von Gott empfangen dürfen, auch miteinander umgehen.


Aber ich sehe eben auch diese andere Seite unter den Menschen: Die züchtigende Liebe, die Strafe, die sich durch die Liebe begründet.
Und das ist doch auch normal:
Wenn ich einen Menschen nicht lieben würde, müsste ich mir um sein Wohlergehen keine Sorgen machen.
Darum züchtige oder strafe ich ihn, weil ich der Meinung bin, das trägt zu seinem Heil und Wohl bei.

Das jedenfalls ist ja die Theorie, die hinter elterlicher Strafe steckt.
Jedenfalls ist das die Theorie, die ich mir dahinter wünsche.

Das kann aber nach Aussage unseres Predigttextes nicht die Strafe sein, die wir bei einem Gericht vor Gott zu erwarten haben.
Darum nicht, weil wir vor dem Gerichtstag Gottes eben keine Furcht haben müssen.

Also ist die Strafe, die wir - wenn überhaupt - bei Gott zu erwarten haben, eine ganz andere, als die menschliche Strafe, die wir kennen.

Die Strafe Gottes stelle ich mir als Zurechtweisung vor.
Zurechtweisung im wahrsten Sinne des Wortes:
Ein auf den rechten Weg zurück bringen.

Also eine Art Hilfe und Unterstützung.

Das hat nichts mit schmerzhaftem Strafen oder mit Vorwürfen oder ähnlichem zu tun.
Das ist ein Miteinander-den-rechten-Weg-Finden im liebevollsten Sinne.
Da ist Gott zwar der Richter,
er ist aber zugleich auch Anwalt: Das sagt uns der Johannesbrief nämlich an anderer Stelle:
Gott ist in Jesus Christus selbst der Richter und Fürsprecher an unserer Seite.
Und vor diesem Gericht muss man sich dann wirklich nicht fürchten, weil es wirklich das Beste für einen selbst suchen und finden wird.

Das ist also das Gericht, das wir am Tag des Gerichts erfahren werden.
Und darum müssen wir uns nicht fürchten vor diesem Tag des Gerichts.
Und darum - so geht die Kette weiter - darum kann man eben an diesem Zutrauen merken, dass wir in der Liebe Gottes leben - weil wir uns getragen wissen von der Liebe Gottes, können wir in dieser Zuversicht, in diesem Zutrauen leben.
Wir können die Liebe annehmen, die Gott uns schenkt.

Und - das dürfen wir nicht vergessen - wir können diese Liebe auch weiter geben.

So heisst es weiter in dem Brief, der unser Predigttext ist:

Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.

Und diese Liebe soll sich nicht auf uns allein beschränken,
sie soll sich auch nicht auf Gott beschränken.

Diese Liebe soll jeder und jedem gelten, mit dem wir zu tun haben in unserem Leben.

Ich weiss, dass diese bedingungslose Nächstenliebe nicht leicht ist. Und das weiss der Briefeschreiber auch.
Aber sicher hat Gott auch für dieses Problem, dass wir manchen unserer Nächsten nicht wirklich lieben können, einen Ausweg und eine Lösung parat - sicher kann Gott uns auch hierin auf den rechten Weg weisen.

Denn Gott ist die Liebe.

Amen.

Eine Anmerkung: Diese Predigt ist dafür geschrieben, sie im Gottesdienst vorzutragen. Eine Predigt lebt erst richtig im Zusammenspiel zwischen Prediger/in, Gottesdienstgemeinde und Atmosphäre. Insofern ist eine Predigt ein Geschehen, das sich nicht vollständig in gedruckten Text fassen und lesen lässt.
Diese Predigt wurde so, wie sie hier abgedruckt ist, vorbereitet und hat als Grundlage im Gottesdienst gedient. Es ist jedoch möglich, dass während des Predigens im Gottesdienst einige Formulierungen oder Beispiele anders gesagt wurden, als sie zuvor (wie hier abgedruckt) aufgeschrieben wurden.



nach oben -- Sie sind hier: Startseite --> Gottesdienst --> Predigtarchiv --> 1. Johannes 4, 16b-21 - 10. August 2008

Ref. Kirchgemeinde Bözberg-Mönthal - Kirchbözberg 6 - 5225 Bözberg - Tel. 056 441 16 52